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11.01.2009

12:17 Uhr

Satyam

In Indien und anderswo

VonUna Galani (breakingviews.com)

Der Betrugsskandal um Satyam ist nicht nur ein indisches Problem, denn das Software-Unternehmen sollte eigentlich auch den US-Bilanzierungsrichtlinien genügen. Irgendetwas ist da richtig schief gelaufen – und schon trudeln dicht an dicht die Entschuldigungen ein. Die Geschichte publikumsträchtiger Betrugsfälle legt nahe, dass die Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse-Coopers dieses Mal nur unter großen Schwierigkeiten davonkommen werden.

Der Betrug von Satyam über eine Mrd. Dollar hat den indischen Aktienmarkt erschüttert. Aber der Skandal bei dem viertgrößten IT-Software-Exporteur des Subkontinents ist eine globale Angelegenheit. Hier geht es nicht nur um die typische Geschichte über die Risiken, die eben auftreten, wenn man auf weniger stark regulierten aufstrebenden Märkten investiert. Aufgrund ihrer Zweitnotierung in den USA hätte Satyam nämlich auch die internationalen Richtlinien für die Unternehmensführung und die Finanzberichterstattung erfüllen müssen. Irgendetwas ist hier richtig schief gegangen.

In einem dichten Strom trudeln denn auch die Entschuldigungen ein. Der in Ungnade gefallene Chairman des Unternehmens, Raju Ramalinga, hat zugegeben, die Gewinne des Unternehmens über mehrere Jahre hinweg enorm aufgeblasen zu haben. Gleichzeitig behauptet er allerdings, seine Kollegen hätten von nichts gewusst. Die verbliebenen Verwaltungsratsmitglieder von Satyam weisen nachdrücklich darauf hin, sich auf die testierten Abschlüsse verlassen zu haben. PricewaterhouseCoopers (PwC), der alleinige Buchprüfer der IT-Firma, insistiert, gemäß den betreffenden Prüfungsrichtlinien und auf zulässige Nachweise gestützt gearbeitet zu haben. In der Zwischenzeit hat sich der langjährige Finanzberater von Satyam, Merrill Lynch, von der belagerten Firma zu distanzieren versucht.

Und doch ist es schwer zu glauben, dass ein einziger Großaktionär einer börsennotierten Gesellschaft in der Lage war, einen solch weit reichenden und lang anhaltenden Betrug ganz auf eigene Faust zu begehen, ohne Komplizen und ohne, dass da jemand nachgeholfen hat, indem er nachlässig ein Auge zugedrückt hat. Die indische Börsenaufsicht ermittelt zu Recht in allen Richtungen.

Für PwC kommen diese Zweifel zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die weltweit zu den großen Vier der Branche zählt, ist bereits in den USA unter Druck geraten. Sie muss sich dort unangenehmen Fragen stellen, warum sie die Probleme bei Fairfield Greenwich nicht erkannt hat, dem Dachfonds, der fast acht Mrd. Dollar in das gigantische Schneeballsystem von Bernard Madoff investiert hat.

PwC wird sich nervös an das Schicksal der Wirtschaftsprüfer von Arthur Andersen erinnern, denen der Enron-Skandal den Garaus gemacht hatte. Dass die Kollegen von Deloitte Touche sich mit einer Geldstrafe aus dem Parmalat-Prozess herauswinden konnten, kann PwC nur ein kleiner Trost sein, denn dies war nur dank einiger Besonderheiten der italienischen Bilanzierungsrichtlinien möglich, die seither verschärft worden sind. Ehemalige Führungskräfte der Buchprüfungsgesellschaft Grant Thornton, die ebenfalls für die Parmalat-Bücher zuständig war, schlagen sich immer noch mit den Gerichten herum.

Wirtschaftsprüfer weisen gern darauf hin, dass sie nicht immer im Unrecht sind, wenn ein Betrug begangen wird. Finanzberater wie Merrill Lynch können dasselbe behaupten. Und doch sind die Investoren unbedingt auf das Weltklasse-Gütesiegel angewiesen, das solche internationalen Firmen liefern. Was auch immer vor Gericht passiert, bei einigen Beteiligten wird der Ruf auf jeden Fall leiden.

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