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06.01.2009

08:13 Uhr

SEC-Reform

Das Versagen der US-Börsenaufsicht

VonJeffrey Goldfarb, breakingviews.com

Direkt vor den Augen der US-Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde hat sich ein gigantischer Betrugsskandal abgespielt. Das Versagen der SEC im Fall Madoff trägt nun endgültig zur deren Demoralisierung bei. Um die Behörde neu aufzubauen, bedarf es der politischen Unterstützung und einer größeren Branchenexpertise.

Die in Scherben zerfallene US Securities and Exchange Commission (SEC) muss vom Boden aufgekratzt werden. Das Versagen der amerikanischen Wertpapier- und Börsenaufsicht im Fall Bernard Madoff, das am Montag bei Anhörungen vor dem Kongress verurteilt wurde, zerstört nach Jahren des Niedergangs das letzte bisschen Moral, das noch vorhanden war. Um die SEC wiederaufzubauen, wird es der politischen Unterstützung und einer größeren Branchenexpertise bedürfen.

Die Fehler der Behörde sind wahrscheinlich auf eine Reihe kleiner Irrtümer und Missverständnisse zurückzuführen, die schon so manche Untersuchung zu Fall gebracht haben. Aber um wirkungsvolle detektivische Arbeit leisten zu können, braucht man einen guten Instinkt. Investoren mit einem ausgeprägten Spürsinn war aufgefallen, dass etwas an Madoffs Geschäft faul war und so meldeten sie ihren Verdacht der SEC. Bei der Aufsichtsbehörde hatte dagegen keiner den nötigen Riecher gehabt, um Madoff nachzuspüren.

Dass es der SEC an geeigneten Schnüfflern fehlt, ist keine Überraschung. Unter der Leitung von Chairman Christopher Cox ging die Zahl der Beamten, die dem Gesetz Geltung verschaffen sollten, zurück. Seit 2002 sank die strafrechtliche Verfolgung von Wertpapierbetrugsfällen um drei Viertel, während sich die Zahl der Investmentberater, die die Behörde überwachen muss, stark erhöht hat.

Und die SEC hat zudem ihre knappen Ressourcen auch noch auf zweifelhafte Weise eingesetzt. Während das Finanzsystem zerbröselte, hatte die Aufsichtsbehörde nichts Besseres zu tun, als Berühmtheiten wie den Internet-Milliardär Mark Cuban lautstark und schlagzeilenträchtig wegen Insider-Handels anzuklagen.

Jetzt wird die SEC von den Gesetzgebern und internen Ermittlern durchkämmt - aber nicht, wie man vielleicht erwarten würde, von Cox selbst. Nachträgliche Kritik und Angst drohen, die gesamte Mannschaft vollends lahm zu legen.

Die Ängste sind zum Teil durchaus angebracht. Es gibt Forderungen, die SEC mit der Kommission für den Handel von Rohstoff-Futures zusammenzulegen und einige ihrer Aufsichtsaufgaben der US-Notenbank Federal Reserve zu übertragen. Dadurch könnte sich die SEC stärker fokussieren und ihre Erfolgschancen erhöhen. Aber die Ironie, dass man dadurch Macht ausgerechnet an die Wächterin des am Abgrund stehenden Bankensektors verliert, versetzt der Moral einen weiteren Dämpfer.

Um wieder effektiv arbeiten zu können, braucht die SEC ein größeres Budget, um Mitarbeiter anzulocken, die über erstklassiges Finanzfachwissen verfügen. Die Behörde muss mehr Füchse auf die Meute ansetzen, indem sie einige der kundigsten und angriffslustigsten Kenner der Märkte und der Risiken anheuert, die auf der Wall Street zu haben sind. Eine solche Sachkenntnis würde der SEC die Fähigkeit verleihen, gemäß der Branchentrends Prioritäten zu setzen, anstatt kleinlich auf der Sarbanes-Oxley-Dokumentation herumzuhacken oder Ressourcen auf Fälle zu verschwenden, in die berühmte Persönlichkeiten verwickelt sind.

Ohne eine starke politische Unterstützung durch die neue US-Regierung unter Barack Obama besteht kaum eine Chance, dass die Börsenaufsicht die Talente anlocken kann, die sie braucht, oder dass sie ihrer niedergeschlagenen Belegschaft wieder vermitteln kann, eine Mission zu haben. Die SEC würde dann ein zahnloser Wachhund bleiben, der die Investoren in einer Zeit allein lässt, in der sie einen fähigen Beschützer am meisten brauchen.

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