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24.01.2008

13:38 Uhr

Societe Generale

Analyse: Das schwächste Glied

VonPierre Briançon (breakingviews.com)

Ein betrügerischer Händler hat der Societe Generale einen Verlust über fünf Mrd. Euro beschert. Die Gewinne der Bank im vergangenen Jahr waren damit fast komplett ausradiert. Die Bank hat bereits die Hälfte ihres Werts eingebüßt, und die Konkurrenten machen sich bereit, zuzuschlagen.

Wie es Societe Generale fertig gebracht hat, wegen eines Betrugsfalls fünf Mrd. Euro zu verlieren, muss erst noch hinreichend geklärt werden. Als Ausrede einen vollständig auf eigene Faust und in betrügerischer Absicht vorgehenden Händler als traditionellen Sündenbock aufzubauen, wird sicher nicht reichen. Das Management der französischen Bank wird mit überzeugenderen Erklärungen darüber aufwarten müssen, was passiert ist und welche Schritte die Bank unternehmen will, um sowohl ihre Arbeitsprozesse als auch ihre globale Risikokultur zu ändern.

Vorstandschef Daniel Bouton hat seinen Rücktritt angeboten, was der Verwaltungsrat allerdings abgelehnt hat. Das ist nur dann sinnvoll, wenn der Verwaltungsrat der Meinung ist, dass die, die für den Schlammassel verantwortlich sind, ihn auch wieder in Ordnung bringen sollen. In der Zwischenzeit muss SocGen – die neben dem Betrugsfall auch noch durch weitere Abschreibungen im Zusammenhang mit der US-Hypothekenkrise über zwei Mrd. Euro belastet wird – über eine Kapitalerhöhung 5,5 Mrd. Euro frisches Geld aufnehmen, um ihre schwer erschütterte Bilanz zu stützen. Die Bezugsrechtsemission ist vollständig von JPMorgan und Morgan Stanley gezeichnet worden. Es hatte die Möglichkeit bestanden, dass die Kapitalerhöhung nicht so erfolgreich verlaufen würde wie die Emission über 2,4 Mrd. Euro, die die Bank Ende 2006 vorgenommen hatte. Nach Angaben von SocGen könne damit die Kernkapitalquote leicht auf 8,0 Prozent gegenüber vorher 7,7 Prozent steigen.

Selbst vor der Kreditkrise war SocGen der Außenseiter in der europäischen Bankenlandschaft: zu klein, um selbst auf Beutezug zu gehen, und zu groß, um zum Übernahmekandidaten zu werden. Bouton hatte mehrere Möglichkeiten, mit einem anderen, größeren Branchenkollegen zusammenzugehen, abgelehnt. Aber die Bank hat in den vergangenen sechs Monaten bereits die Hälfte ihres Werts verloren – und zwar vor ihren neuesten Schwierigkeiten – und sieht einer sorgenvollen Zukunft entgegen. Sie wird jetzt viel Zeit und Energie darauf verwenden müssen, einfach nur das Vertrauen der Investoren wiederzugewinnen.

SocGen verfügt immer noch über einige solide Geschäftsbereiche – die natürlich unter der allgemeinen konjunkturellen Verlangsamung leiden werden, wie die der Wettbewerber auch. Der Mega-Betrug wird aber der Kritik Tür und Tor öffnen, dass das Institut auch ziemlich viele interne Schwachstellen aufweist. Der Zeitpunkt scheint ideal für einige der Konkurrenten von SocGen zu sein, sich zu verbünden und auf das schwächste Glied in der Kette europäischer Banken loszugehen.

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