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13.01.2010

17:36 Uhr

Societe Generale

Neue Probleme mit toxischen Wertpapieren

VonPierre Briançon (breakingviews.com)

Societe Generale gab bekannt, weitere 1,4 Milliarden Euro seiner toxischen Vermögenswerte abschreiben zu wollen. Die Märkte sind irritiert. Zudem ist der Turnaround im Corporate Banking noch nicht vollzogen.

Societe Generales Hoffnungen auf eine bessere Zukunft werden immer noch durch die Kosten der Vergangenheit belastet. Die französische Bank gab bekannt, weitere 1,4 Milliarden Euro ihrer toxischen Vermögenswerte abschreiben zu wollen. Damit wird sich das Ergebnis für das Schlussquartal 2009 von erwarteten einer Milliarde Euro - so die ursprünglichen Schätzungen der Analysten-auf "leicht" positiv reduzieren.

Investoren interpretierten die Ankündigung als halb leeres SocGen-Glas und verursachten damit einen Kursrückgang bei den Aktien der Bank um 4 Prozent. Sie könnte allerdings genauso gut bedeuten, dass SocGen allmählich wieder Licht am Ende des Tunnels der toxischen Aktiva sieht.

Der überwiegende Teil der Abschreibungen - 1,2 Milliarden Euro - entfällt auf das Portfolio der Schuldtitel, die durch US-amerikanische Hypothekenbriefe besichert sind (Collateralised Debt Obligations auf der Grundlage von US Residential Mortage-backed Securities). Als Grund für die Korrekturen gibt die Bank euphemistisch an, der Markt sende immer noch widersprüchliche Signale, sodass strengere Bewertungsmaßstäbe anzulegen seien. Damit hat SocGen inzwischen mehr als die Hälfte seines 6-Milliarden-Euro-Portfolios an CDOs auf RMBS abgeschrieben.

SocGens größere Belastung durch toxische Vermögenswerte ist auch der Hauptgrund für seine - gemessen an der Bankenkonkurrenz - schwächere Kursentwicklung an der Börse. So konnten SocGen-Aktien im vergangenen Jahr um lediglich 40 Prozent zulegen, während sich der Wert des Erzrivalen BNP Paribas glatt verdoppelte.

Die Geschäftsfelder Geschäftskunden und Investmentbanking, die 2008 nach den Betrügereien von Jerome Kerviel ein Debakel erlitten, mussten sich unter dem neuen Management der Bank einem rigorosen Umstrukturierungsprogramm unterziehen.

Aber SocGen entschied trotz stagnierender Erträge und sinkender Rentabilität auch, den Anteil dieses Unternehmensbereichs zurückzufahren. Hinzu kommt, dass die Renteneuphorie, die die Banken 2009 beflügelte inzwischen auch wieder Ernüchterung Platz macht, wodurch weitere Problemfelder sichtbar werden.

Für 2010 bleibt SocGen insgesamt jedoch vorsichtig optimistisch, weil sich die meisten Geschäftsfelder der Bank operativ positiv entwickeln. Nichtsdestoweniger warnte die Bank davor, dass die Risikovorsorge im vierten Quartal auf dem gleichen, hohen Niveau der Vergangenheit verharren werde. SocGens Kreditportfolio sowie das Engagement der Bank in Russland und Osteuropa dürfte also schnell zu neuen Sorgen führen, wenn die Konjunkturerholung ins Stocken gerät. SocGens leidvolle Vergangenheit könnte in diesem Fall schnell in eine beunruhigende Zukunft führen.

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