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15.01.2008

17:48 Uhr

Spanische Wirtschaft

Nach dem Immobilienboom

VonIan Campbell (breakingviews.com)

Im März finden die nächsten Parlamentswahlen in Spanien statt und die Wirtschaft kühlt merklich ab. Überschusskapazitäten auf dem Wohnungsmarkt haben zu einem Ende des Baubooms geführt. Es bleiben drückende Schulden. Eine anhaltende Konjunkturabkühlung oder sogar Rezession scheint unvermeidlich. Aber ob Premierminister Zapatero die Zeche zahlen muss, ist noch nicht raus.

José Luis Rodriguez Zapatero, der spanische Premierminister, hat den 9. März zum Datum der nächsten Parlamentswahlen deklariert – ungemütlich nah an den Iden des März. Ob sich das Datum als schlechtes Omen für Zapatero erweist, der in den Wahlumfragen zurzeit führt, ist noch unklar. Wenig Zweifel besteht jedoch daran, dass der spanischen Wirtschaft, die Zapatero vorschnell an die deutsche gekoppelt hat, in diesem Jahr die Nemesis droht.

Die Rückwirkungen der Kreditkrise auf die globalen Märkte machen Spanien verwundbarer als jedes andere westeuropäische Land. Das spanische Wirtschaftswachstum gründete zu stark auf der Bauwirtschaft. Zu viele Apartmenthäuser und Wohnungsbauten, vor allem in Küstennähe, schossen aus dem Boden. Zu viele Darlehen wurden aufgenommen, um den Boom zu finanzieren.

Die spanische Wachstumsorgie ist die der Neureichen – auf Pump. Früher wirkten der Währungsverfall der Peseta oder steigende Zinssätze als Sicherheitsventil, sobald die Wirtschaft dem globalen Klima nacheiferte und zu überhitzen drohte. Aber mit der Einführung der Eurozone 1999 öffnete sich für Spanien der Zugang zu den ausgedehnten Teichen des kühlen europäischen Kapitals, das zu geringen und stabilen Zinssätzen zur Verfügung stand – und ganz ohne Wechselkursrisiko.

Während sich die Regierung zurückhielt und einen Haushaltsüberschuss erwirtschaftete, schaute der private Sektor bei Weitem zu tief ins Glas. Die Verschuldung der Immobilienunternehmen hat sich seit dem Jahr 2000 verneunfacht und türmte sich zu einem Berg, der im ersten Quartal 2007 ein Drittel der gesamten Staatsverschuldung ausmachte. Weitere 9 Prozent der nationalen Schulden entfielen auf Baugesellschaften. Spanien hat sich von einem Land zu einem (verschuldeten) Baugelände gewandelt.

Und der Bauboom ist jetzt vorüber. Die Nachfrage nach Baugenehmigungen ist eingebrochen. Die Industrieproduktion im November lag unter Vorjahresniveau. Die Arbeitslosigkeit beginnt zu steigen. Aber die Kosten der Hochkonjunktur haben ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Die Inflation kletterte im Dezember auf 4,3 Prozent. Das Defizit in der Leistungsbilanz, dem breitesten Maßstab für den internationalen Handel, vervierfachte sich in vier Jahren auf die enorme Höhe von 8,8 Prozent des BSP 2007.

Die spanische Unordnung ist klassisch. Nach dem Beitritt zum Euro-Imperium, erfreute sich Spanien an der Beute, ohne den Preis zu bedenken. Inzwischen ist der Weg zurück zum ökonomischen Gleichgewicht kaum mehr denkbar ohne ausgedehnte wirtschaftliche Abkühlung oder Rezession. Genauso wenig Phantasie entsteht bei der Frage, wie die Banken die Turbulenzen überstehen könnten, ohne große Verluste zu erleiden. In der Zwischenzeit könnte es Zapatero bereuen, den Wahltermin nicht auf einen früheren Zeitpunkt gelegt zu haben – bevor die Häuser der Wähler zusammenbrechen.

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