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30.01.2008

13:23 Uhr

Sprint

Nimmt Sprint Abstand von der Wimax-Lotterie?

VonRobert Cyran (breakingviews.com)

Die Akquisition des Konkurrenten Nextel erwies sich für die Telekom-Gruppe als Desaster. Der neue Chef Daniel Hess könnte den Turnaround erleichtern, indem er Sprints Breitbandgeschäft dem Partner Clearwire überlässt. Das wäre vernünftig, hieße aber auch, dass Sprint auf die Ausschüttung des Jackpots verzichtet.

Sprints Nextel-Akquisition im Jahr 2004 erwies sich als Desaster. Gemeinsam brachten es die beiden US-Telekommmunikations-Unternehmen auf eine Marktkapitalisation von rund 70 Milliarden Dollar. Die folgenden Wirren vertrieben die Kunden scharenweise und ließen den Marktwert um mehr als die Hälfte zusammenschmelzen. Jetzt sieht es danach aus, dass der neue Chef Daniel Hess die unternehmerischen Ambitionen auf einem anderen Gebiet zurückschrauben will – der drahtlosen Breitband-Technologie mit dem Namen Wimax. Unter den gegebenen Umständen ist dieser Schritt vielleicht vernünftig, aber er reduziert auch die Chancen auf einen lotterieähnlichen Jackpot.

Ursprünglich vereinbarten Sprint und Clearwire – das Unternehmen, das von Wireless-Pionier und Milliardär Craig McCaw geführt wird, Wimax gemeinsam auf den Markt zu bringen. Sprints Problem dabei besteht darin, dass die Kooperation hohe Investitionen erfordert, der Ertrag aber unsicher ist. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass Sprint bis 2010 fünf Milliarden Dollar investiert. Erst danach, so die Prognosen, sollte das Projekt positive Ergebnisbeiträge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen liefern.

Unter der anhaltenden Belastung des Nextel-Deals nimmt man bei Sprint seit November langsam Abstand von der Idee.

Inzwischen prüft das Unternehmen Pläne, die Wimax-Werte in ein Joint Venture mit Clearwire einzubringen, das dann Kapital bei Wimax-Interessenten wie Intel suchen könnte. Das könnte zweierlei bewirken. Der Kapitaleinsatz Sprints würde reduziert. Und, da Sprints Anteil an dem Joint Venture weniger als 50 Prozent betragen würde, müssten im kommenden Jahr nicht Verluste in Höhe von 500 Millionen Dollar konsolidiert werden. So könnte Sprint, zumindest auf den ersten Blick, wieder an Attraktivität gewinnen, wenn man Kennzahlen wie das EBITDA zur Beurteilung heranzieht. Solche Hilfe tut Not, da der Kurs der Sprint-Aktie gegenwärtig bei weniger als dem Fünffachen der für 2008 erwarteten Gewinne (EBITDA) herumdümpelt.

Es gibt noch einen Vorteil. Ein in Schwierigkeiten geratenes Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen, ist nie einfach. Die Abspaltung von Vermögensbestandteilen reduziert Sprints Komplexitätsgrad und macht das Management des Turnarounds leichter. Aber umsonst gibt es nichts.

Wimax gibt Sprint auch die Chance, der Konkurrenz um eine Nasenlänge vorauszueilen. So setzen zum Beispiel Verizon und AT&T auf die konkurrierende Technologie LTE. Verläuft die Entwicklung nach Plan, dürfte Wimax noch einige Jahre technisch überlegen sein. Das Problem nur, der technische Fortschritt lässt sich nicht sicher kalkulieren – und Risikobegrenzung könnte sich als kluger Schachzug erweisen. Wird Wimax aber zum Erfolg, dürfte Sprint dem Verkauf des Lotteriescheins doch noch nachtrauern.

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