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09.01.2009

10:32 Uhr

Staatsbeteiligung

Commerzbank: Mayday am Main

VonChristopher Hughes, breakingviews.com

Die Bundesregierung führt der Commerzbank und der Dresdner Bank noch einmal massiv Kapital zu. Für den Bund und die Allianz, die Muttergesellschaft der Dresdner Bank, erweist sich diese Rettungsaktion als immens teuer. Untätig zu bleiben, hätte sie jedoch noch mehr kosten können. Aber Berlin geht mit der Commerzbank sanfter um als die Briten mit ihren Banken.

Die Commerzbank braucht mehr Geld als angenommen, um die Übernahme der Dresdner Bank zu stemmen. Foto: dpa dpa

Die Commerzbank braucht mehr Geld als angenommen, um die Übernahme der Dresdner Bank zu stemmen. Foto: dpa

Die Finanzkrise hat nichts von ihrer Fähigkeit verloren, die Beteiligten zu schockieren. Das Ausmaß der zweiten Kapitalspritze der Bundesregierung für die Commerzbank, mit der die Übernahme ihrer Konkurrentin Dresdner Bank abgesichert werden soll, hat selbst die pessimistischsten Erwartungen übertroffen.

Der Bund stellt zusätzliches Eigenkapital über zehn Mrd. Euro und andere Kapitalinstrumente bereit, nachdem er sich zuvor schon mit 8,2 Mrd. Euro engagiert hatte. Die Allianz, die Muttergesellschaft der Dresdner Bank, die darauf gehofft hatte, die angeschlagene Bank hinter sich lassen zu können, reicht 1,9 Mrd. Euro herüber und übernimmt vergiftete Vermögenswerte der Tochter.

Die Regierung konnte es sich nicht leisten, dass diese Übernahme scheitert: Wenn der Staat nicht bereit gewesen wäre, diese Verschmelzung zu verteidigen - die einen zweiten Landeschampion neben der Deutschen Bank entstehen lässt -, dann hätte er das Vertrauen in das gesamte deutsche Bankensystem untergraben.

Ohne zusätzliches Kapital hätte die Kernkapitalquote (Tier 1) des zusammengelegten Instituts bei unter vier Prozent gelegen, hat die UBS ausgerechnet. Und die Hauptschuld an dem Kapitalmangel trägt wahrscheinlich die Dresdner Bank. Die Commerzbank sah sich plötzlich einer ähnlich katastrophalen Situation ausgesetzt wie die britische Lloyds TSB, die eingesprungen war, um die Rivalin HBOS zu retten. Beide Übernahmekandidaten haben sich als weit hoffnungsloser erwiesen als ohnehin befürchtet. Beide mussten staatlich gestützt werden.

Aber die deutsche Regierung geht mit der Commerzbank sanfter um als die Briten mit ihren Banken. Vielleicht befürchtet sie, dass die Banken, wenn sie recht hart angepackt werden, die Kreditvergabe ganz einstellen und stattdessen die Reserven wieder aufbauen. Daher zahlt der Bund einen üppigen Aufschlag für seine Aktien - er beteiligt sich mit 25 Prozent plus einer Aktie an der neuen Commerzbank. Das reicht aus, um Entscheidungen des Instituts blockieren zu können, bleibt aber hinter einer vollständigen Kontrolle zurück. Zudem akzeptiert der Bund einen moderaten Kupon von neun Prozent auf hybride Instrumente, auch wenn er sich eventuelle zukünftige Verluste mit den Kapitaleignern teilt. Die wegbereitende Rettung des Bankensektors durch die britische Regierung war da beträchtlich unerbittlicher vorgegangen. Kein Wunder, dass die Bundesregierung "die beihilferechtlichen Details" mit der EU-Kommission noch abklären muss.

Deutschland spürt die volle Wucht der Kreditkrise. Die Deutsche Bank ist der sich abschwächenden Binnenwirtschaft in vergleichsweise geringerem Maße ausgesetzt. Der Branchenprimus hat erklärt, nicht die Absicht zu haben, Geld vom Staat zu nehmen. Dies schließt allerdings die Möglichkeit nicht aus, dass die Bank als Nächste bei ihren Aktionären vorstellig wird.

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