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12.01.2010

15:10 Uhr

Swiss Life

Unwahrscheinliche Allianz

VonGeorge Hay (breakingviews.com)

Die Aktien von Swiss Life haben aufgrund von Gerüchten, die Allianz plane ein Übernahmegebot für die schweizerische Versicherung, kräftig zugelegt. Der europäische Versicherungssektor ist zwar augenscheinlich reif für eine Konsolidierung. Aber für die Allianz ergibt der Deal auf den ersten Blick keinen finanziellen oder strategischen Sinn. Und er könnte dazu führen, dass der Versicherungsgesellschaft ein größerer Fang durchs Netz geht.

Ein Gebot der Allianz für Swiss Life wäre ein seltsamer Start für die Konsolidierung der europäischen Versicherungsbranche. Auch wenn die Logik für Fusionen und Übernahmen in diesem Sektor spricht, sind die Beweggründe für diesen spezifischen Deal jedoch nicht ganz so eindeutig.

Die europäische Versicherungsbranche kämpft seit Jahren mit niedrigen und von Schwankungen belasteten Erträgen in einem fragmentierten Markt. Auf die zehn Spitzenvertreter ihrer Zunft entfallen nur 37 Prozent des gesamten Markts. Aufsichtsrechtliche Veränderungen, die vorsehen, dass die Firmen mehr Kapital halten müssen, werden denjenigen zu Gute kommen, die größer und diversifizierter sind.

Aber potenzielle Deals müssen trotzdem sinnvoll sein. Allianz und Swiss Life mögen in der Schweiz, Frankreich und Deutschland Überschneidungen vorweisen, doch keiner dieser Märkte hat ein hohes Wachstumspotenzial vorzuweisen. Dass sich der Finanzdienstleister AWD im Besitz der schweizerischen Versicherung befindet, ist zwar attraktiv. Aber die Allianz hat bereits über Vertriebsvereinbarungen Zugang zum AWD-Netz.

Auch in finanzieller Hinsicht sieht ein möglicher Abschluss nicht verlockend aus. Nach einer kräftigen Aufwärtsbewegung seit März werden die Aktien von Swiss Life fast zum Buchwert gehandelt bzw. zu mehr als dem Zehnfachen der für 2010 erwarteten Ergebnisse - ein Aufschlag gegenüber der Allianz. Eine Beteiligung aufzubauen, wäre auch mühsam. Kein Einzelinvestor kann ohne die Billigung von zwei Dritteln der Aktionäre mehr als zehn Prozent an dem Unternehmen halten.

Doch der Hauptgrund dafür, einen Bogen um den Deal zu machen, liegt in den Opportunitätskosten. Die Marktkapitalisierung der Allianz ist mehr als zehn Mal so hoch wie die der Swiss Life. Trotzdem müsste das Unternehmen einen Aufschlag gegenüber dem Marktwert der schweizerischen Gruppe von 3,1 Mrd. Euro zahlen.

Einen Abschluss dieses Umfangs über die Bühne zu bekommen, würde Zeit in Anspruch nehmen. Und dies könnte den Versicherungsriesen von Akquisitionen ablenken, die möglicherweise mehr versprechen.

Eine Option wäre es, sich im schnell wachsenden Lateinamerika zu vergrößern. Aber die eindeutigen Chancen liegen der Heimat viel näher. Nach dem Jahr 2012 werden die Banken nicht mehr länger in der Lage sein, die Reserven, die in ihren Versicherungsbereichen festliegen, dem Kapital zuzurechnen. Die EU-Kommission fordert außerdem Entflechtungen im Gegenzug für staatliche Beihilfen.

Entweder die RBS Insurance oder der zur Lloyds Banking Group gehörende Versicherungszweig Scottish Widows könnten sich als das bessere Geschäft als die Swiss Life erweisen. Doch das verlockendste Ziel ist die ING Insurance, die 16 Mrd. Euro wert sein könnte. Wenn die Firma zum Verkauf gestellt werden würde, würden sich vermutlich alle großen europäischen Akteure zu einem Gebot gezwungen sehen, um ihre Position zu schützen. Allianz sollte sicherstellen, dass sie dazu in der Lage ist.

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