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28.01.2009

12:22 Uhr

Talleyrand-san

Japan wiederholt seine Fehler

VonMartin Hutchinson (breakingviews.com)

Die Pläne Japans, sich an angeschlagenen Unternehmen zu beteiligen, werden die Ineffizienz aufrechterhalten und eine Erneuerung im Sinn von Schumpeter verhindern. Durch die aufeinander folgenden Konjunkturpakete erhöhen sich die großen Defizite und die enorme Verschuldung des Landes weiter. Japan wiederholt seine Fehler aus den neunziger Jahren - allerdings in einem weitaus ungünstigeren Umfeld.

Die Pläne Japans, Aktien über 4,8 Bill. Yen an angeschlagenen Unternehmen zu kaufen, wird die Ineffizienz aufrechterhalten und eine Erneuerung im Sinne von Schumpeter verhindern. Durch die aufeinander folgenden Konjunkturpakete erhöhen sich die großen Defizite und die enorme Verschuldung des Landes weiter. Die Verantwortlichen kehren zu dem politischen Kurs der neunziger Jahre zurück - in einem weitaus ungünstigeren Umfeld. Wie es Talleyrand, der Diplomat im Dienst der Bourbonen, ausgedrückt haben würde, haben sie anscheinend "nichts gelernt und nichts vergessen".

Zwei politische Ansätze charakterisierten den Umgang Japans mit seinem lang anhaltenden Abschwung in den Neunzigern: ausgedehnte fiskalische Anreize, vorwiegend durch Ausgaben für die Infrastruktur in Gebieten, die politisch gut eingebunden waren, und der Versuch, "Zombie"-Unternehmen am Leben zu halten, indem ihnen zusätzliche Bankkredite gewährt wurden. Die Ausgaben der öffentlichen Hand stiegen von 31 Prozent auf 38 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), während das Bankensystem unter einem enormen Überhang von Problemkrediten litt.

Die Erholung setzte erst nach 2001 ein, als der damalige Ministerpräsident Junichiro Koizumi die exzessiven Infrastrukturausgaben einschränkte und die Banken dazu zwang, ihre zweifelhaften Kredite ergebniswirksam zu verbuchen und die schlimmsten Zombie-Unternehmen Pleite gehen zu lassen. Damit verringerte sich das Haushaltsdefizit Japans im Jahr per März 2008 auf drei Prozent des BIP, stabilisierte sich die hohe staatliche Verschuldung, und eine wirtschaftliche Erholung wurde möglich.

Japan hat zwar die Probleme auf dem Immobiliensektor und die Spekulationsblasen an den Aktienmärkten vermieden, die die westlichen Volkswirtschaften heimsuchten, aber das Land ist erneut einer ernsten Deflation ausgesetzt, die vor allem auf den kräftigen Anstieg des Yen und den Abschwung im Welthandel zurückzuführen ist. Dieses Mal setzen die politisch Verantwortlichen darauf, über staatliche Banken angeschlagenen Unternehmen Kapital zuzuführen - aber das wirtschaftliche Resultat, das sich ergibt, wenn man unrentabel arbeitende Firmen künstlich am Leben hält, wird das gleiche sein wie in den neunziger Jahren. Im Jahr per März 2010 sollen die Ausgaben der öffentlichen Hand um 6,5 Prozent steigen. Angesichts der niedrigen japanischen Inflation, des Bevölkerungsschwunds und des ausbleibenden Wirtschaftswachstums wird sich dadurch der Anteil des Staats an der Wirtschaft um über fünf Prozent erhöhen.

Wenn ein zunehmender Staatsanteil und die Unterstützung von eindeutigen Verlierern zu derselben wirtschaftlichen Entwicklung wie in den Neunzigern führen würde, könnte sich Japan noch glücklich schätzen - die für die derzeitige Rezession projizierte BIP-Verringerung fällt größer aus als irgendein Rückgang während der neunziger Jahren. Allerdings war der Welthandel damals außerordentlich schnell gewachsen, die US-Wirtschaft befand sich in einem Aufschwung, der einen Rekord nach dem anderen brach. Dadurch wurden die deflationären Auswirkungen der fehlgeleiteten japanischen wirtschaftspolitischen Ansätze weitgehend abgefedert. Jetzt wiederholt Japan seine Fehler von damals in einem weitaus ungünstigeren globalen Umfeld. Das Resultat wird mit fast hundertprozentiger Sicherheit äußerst unvorteilhaft ausfallen.

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