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08.01.2008

08:34 Uhr

Technologie

Blu-ray gegen HD-DVD

VonSteve Rosenbush (breakingviews.com)

Microsoft steht im Kampf um die Kontrolle über das DVD-Geschäft der nächsten Generation auf verlorenem Posten. Hier zeigt sich, dass sich die Macht des Riesen in der Software-Branche nicht so leicht auf die Bereiche Medien und Unterhaltung übertragen lässt. Dort triumphieren verbraucherfreundliche Produkte und Manager mit guten Verbindungen über die reine Technologie.

Microsoft wird oft als allmächtiges Unternehmen hingestellt – ganz wie die James Bond-Nemesis „Spectre“. Dieser Fantasie zufolge setzen die Genies in Redmond ihre 21,5 Mrd. Dollar dafür ein, ihre Vormachtstellung bei PCs auf angrenzende Märkte auszudehnen. Aber Microsoft hat sich beim DVD-Geschäft der nächsten Generation verkalkuliert. Da zeigt sich, dass sich der Ehrgeiz des Unternehmens, die ganze Welt zu unterwerfen, nicht so ohne weiteres umsetzen lässt. Die Macht, die Microsoft bei der Software hat, lässt sich nicht so leicht auf die Bereiche Medien und Unterhaltung übertragen, wo verbraucherfreundliche Produkte und gutes Design über die Technologie und billige Preise triumphieren.

Microsoft hatte darauf gesetzt, dass sich die Verbraucher auf den Standard HD DVD, die DVD-Technologie der nächsten Generation, die von Toshiba entwickelt wurde, stürzen. HD DVD-Player kosten nur 100 Dollar. Für Blu-ray-Spieler, hinter denen Sony, Apple und andere stehen, zahlt man einige hundert Dollar mehr. In einem entscheidenden Schritt hat Sony Blu-ray-Spieler in ihre PS3-Spielkonsolen gepackt und die Käufer dazu gezwungen, für die Anwendung zu zahlen. Microsoft hat es abgelehnt, HD DVD-Spieler in ihre Xbox zu integrieren und hat damit die Preise niedriger gehalten.

Trotz der zusätzlichen Kosten ziehen die Käufer jedoch die Blu-ray-Spieler vor. Diese Discs verfügen über rund die doppelte Speicherkapazität, was bedeutet, dass die Studios mehr Inhalte auf eine Disc laden können. Und um Inhalte dreht sich in der Welt der Medien und der Unterhaltung alles.

Das Blu-ray-Camp hatte noch einen Vorteil: Der Sony-Chairman Sir Howard Stringer, ehemals Präsident von CBS, unterhält enge Verbindungen zur Medienbranche. Das war im Bemühen, die Studio-Leiter für Blu-ray zu begeistern, bestimmt kein Schaden. Das ist nicht das erste Mal, dass Microsoft mit ihrer Annahme falsch lag, dass die Kunden vor allem über den Preis zu motivieren sind. Der iPod von Apple ist bei den Käufern beliebter als die MP3-Player von Micorsoft, auch wenn diese billiger sind und mit Radio- und anderen Features ausgestattet sind, die dem iPod fehlen. Die Käufer ziehen auch den Blackberry von RIM den auf Microsoft basierenden PDAs vor, auch wenn diese günstiger sind und mit mehr Anwendungen aufwarten.

Den Kunden scheint Blu-ray eben ein bisschen besser zu gefallen als HD DVD. Ihre Vorliebe hat die Studio-Chefs bei Warner und anderswo umgestimmt, die den Kampf um die Standards unbedingt beenden wollten, der die Einführung neuer DVD-Spieler abgebremst hat. In einem Technologie-Markt, auf dem der Sieger alles abräumt, war das schon alles, was nötig war, um diesen besonderen Vorstoß in Richtung globaler Dominanz zu vereiteln.

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