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03.01.2008

14:07 Uhr

Telekom-Branche

Glasfaserinvestitionen zahlen sich aus

VonRobert Cyran (breakingviews.com)

Allmählich merken Investoren, dass die Telekomgesellschaften richtig damit liegen, etliche Milliarden Dollar in Glasfasernetze zu investieren. Verizon und AT&T, die den Ausbau bisher am weitesten vorangetrieben haben, werden für ihre Kabelkonkurrenz zur Bedrohung.

Investoren brauchten eine Weile, bevor ihnen klar wurde, dass der Speiseplan der US- Telekomgesellschaften nach sehr viel mehr Glasfasernahrung verlangte. Verizons Plan, über einen Zeitraum von sechs Jahren 23 Milliarden Dollar in den Direktanschluss der Kundenhaushalte an die optischen Hochgeschwindigkeitsnetze zu investieren, wurde zunächst skeptisch beurteilt. Inzwischen stellen die Telefongesellschaften, die am weitesten fortgeschritten sind, eine ernsthafte Bedrohung für die Kabelbetreiber dar. Der Markt erfreut sich an dem Spiel – Verizon und AT&T konnten zusehen, wie ihre Aktien im Verlauf des Jahres 2007 um mehr als 20 Prozent nach oben schossen, während die Aktien der Kabelnetzbetreiber Comcast und Charter 38 bzw. 58 Prozent verloren. Der Trend wird anhalten.

Beide Gruppen bieten heute die “Dreifach-Packung”: Telefon, Fernsehen und Internet. Während die großen Kabelgesellschaften gegenwärtig etwa 10 Millionen Telekom-Kunden haben, steigen die Telefonkonzerne gerade erst ins Video-Geschäft ein. AT&T hat rund 250 000 Kunden, Verizon etwa eine Million. Für ein Kabelunternehmen ist es technologisch einfacher über die existierenden Kabelnetze Telefondienste anzubieten, als für eine Telefongesellschaft Videodienstleistungen.

Glasfasern zu verlegen ist kostspielig, aber es ermöglicht den Telekoms, die Kabelunternehmen zu überholen. Auch wenn die Installation teuer ist, ist der laufende Betrieb billiger, weil viele Reparaturen aus der Ferne durchgeführt werden können. Verizon beziffert die Ersparnis auf 900 Dollar pro Kunde und Jahr. Wichtiger noch, die Konsumenten wollen schnelle Datenverbindungen. Ein Glasfaseranschluss bietet schnellere und bessere Verbindungen als ein Kabelunternehmen sie bieten kann. Verizon kann heute mit Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde aufwarten und ist damit rund sechsmal schneller als eine schnelle Kabelverbindung. Die Glasfasertechnologie trumpft richtig auf, wenn es um Uploads geht. Hier ist die Technik etwa zehnmal schneller. Mit der Entwicklung von Trends wie zum Beispiel dem Video-Sharing wird die Bedeutung der Upload-Geschwindigkeit noch zunehmen.

Unter den Konsumenten sind bereits Wechselbewegungen zu beobachten. Schlimmer noch, sie zeigen wenig Neigung nach einem Wechsel wieder zurückzukehren. Verizon gibt an, dass weniger als 1,5 Prozent seiner Video-Kunden das Unternehmen pro Monat verlassen. Der Prozentsatz dürfte mit steigender Vertragsdauer und zunehmenden Wechselmöglichkeiten ohne Strafzahlungen noch steigen, aber die Abwanderungsquote ist nur etwa halb so hoch wie bei vielen Kabelgesellschaften. Comcast, Charter und Time Warner haben alle im dritten Quartal Video-Kunden verloren.

Natürlich könnten auch die Kabelunternehmen ihre Investitionen erhöhen, um konkurrenzfähig zu bleiben. So haben zum Beispiel Cablevision und Comcast ihre Ausgabenpläne im vergangenen Quartal aufgestockt. Allerdings hat der durchschnittliche Kabelnetzbetreiber noch eine erkleckliche Schuldenlast aus dem Aufbau seines bereits existierenden Netzes zu tragen. Damit könnte es für die Unternehmen schwierig werden weitere Schulden zu stemmen, um in bessere Netze zu investieren. Und die Telekoms haben noch ein weiteres potenzielles As im Ärmel. AT&T und Verizon sind die beiden größten Mobilfunkbetreiber in den USA. Der wachsende Cashflow aus diesem Geschäft ist erfreulich, aber die Handys könnten eine noch wichtigere Rolle dabei spielen, die Abwanderungsraten zu reduzieren. Im Allgemeinen wechseln Kunden, die mehrere Dienste von einer Gesellschaft in Anspruch nehmen, seltener als Kunden, die nur eine Dienstleistung nutzen. Es ist lästig, die Fernsehgesellschaft zu wechseln. Aber es ist schon wirklich schmerzhaft, gleichzeitig Fernsehen, Festnetz und Internet zu ändern. Gleich die “Vierfach-Packung” zu bieten kann dazu beitragen, die Kunden von der Konkurrenz fernzuhalten, vor allem bei der wachsenden Bedeutung der wifi-fähigen Telefone wie zum Beispiel dem iPhone.

Nimmt man alle Argumente zusammen, zeigt sich eine Kuriosität. Die Anleger zahlen für Kabelnetzbetreiber, gemessen am Gewinn pro Aktie, einen höheren Preis als für Telefongesellschaften. Das durchschnittliche Kabelunternehmen wird gegenüber den großen Telekoms mit einem Aufschlag von 30 Prozent gehandelt, wenn man das für 2008 erwartete EBITDA zugrunde legt. Die Bewertung scheint nicht realistisch – die Kennziffern dürften sich noch annähern. Entweder werden die Telekoms weiter steigen und/oder die Kabelgesellschaften weiter fallen.

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