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12.01.2010

15:28 Uhr

Tesco

Die Briten shoppen was das Zeug hält

VonNeil Collins (breakingviews.com)

Wenn es hart auf hart kommt, gehen die ganz Harten erst einmal shoppen. Auf die Briten wartet 2010 womöglich ein annus horribilis. Das hat sie nicht von ihrem alljährlichen Ansturm auf die Geschäfte abgehalten. So wie es aussieht sind sie bei Tesco eingefallen.

Der viertgrößte Einzelhändler der Welt kassiert beinahe jedes achte in britischen Geschäften ausgegebene Pfund. Man hatte aufgrund der erstarkenden Rivalen Einbrüche erwartet. Doch wieder einmal hat Tesco seinen Mitstreitern gezeigt, wie man es macht, und das beste Weihnachtsgeschäft seit drei Jahren erzielt.

Die Kombination aus niedrigen Zinsen, der befristeten Mehrwertsteuersenkung und einer finalen Spendierfreude der öffentlichen Hand sorgte unter britischen Ladenbesitzern für ein paar freudige Monate. Zudem haben die Supermärkte ihr Non-Food-Sortiment erweitert und so Konzernen wie Marks & Spencer Marktanteile weggenommen.

Britische Einzelhändler sind bei ihren Ausflügen nach Übersee oft auf die Nase gefallen. Nicht Tesco. Selbst sein US-amerikanischer Geschätszweig, von Zweiflern anfangs "Fresh?n?Queasy - frisch&heikel" getauft, meldet eine "stark positive" flächenbereinigte Umsatzentwicklung. Die Ergebnisse des deutschen Rivalen Metro, der Tesco bei den weltweiten Verkäufen wegen des schwachen Pfunds überholt hatte, bestätigen es: im vierten Quartal fielen die Verkäufe um 3,4 Prozent, Tesco aber freute sich über 6,9 Prozent Zuwachs.

Sobald Tesco sein Ziel erreicht und das britische Kaufverhalten bei Kleidung und Elektronik umgekrempelt hat, sollte er Privatkunden-Bankgeschäft angreifen. Nie zuvor misstraute das Volk den Banken derart, gleichzeitig ermutigt die britische Regierung eifrig Neueinsteiger. Die etablierten Banken signalisieren vehement, dass das Bankgeschäft nicht so einfach ist, wie es aussieht, doch Tesco besitzt die richtige Größe, Reichweite und Möglichkeiten, um auch diese Branche zu verändern. Sollten die Banker noch immer denken, dass der Gemüsehändler seine Vorteile nicht ausnützen wird, ist ihnen etwas entgangen.

Eine Nomura-Analyse von letzten Oktober stellte fest, dass Tesco-Aktien mit 389 Pence ein wahres Schnäppchen sind - man bekommt vier zum Preis von drei, legt man über die nächsten fünf Jahre eine Gesamtverkaufssteigerung von knapp 50 Prozent zugrunde. Am Dienstagmorgen stand Tesco bei 421 Pence und damit noch immer ein Pfund unter dem Endziel des Brokers.

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