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10.01.2008

20:06 Uhr

Tony Blair

Ist Blair nur eine Million Dollar wert?

VonSimon Nixon (breakingviews.com)

JP Morgan soll dem britischen Ex-Premierminister Tony Blair für seine Beratertätigkeit eine Million US-Dollar zahlen. Wenn die Zahl stimmt, bekommt Blair nur ein Trinkgeld - nach Wall-Street-Maßstäben. Entweder er hat nicht gut verhandelt oder die Marke Blair hat wenig Strahlkraft. Eine Analyse.

Tony Blair. Foto: Reuters

Tony Blair. Foto: Reuters

Ist Tony Blair wirklich nur eine Million US-Dollar wert? Diese Zahl kursiert an der Wall Street als Honorar der Beratertätigkeit des Ex-Premiers für die Investmentbank JP Morgan. Nach Wall-Street-Maßstäben ist das eher läppisch - etwa soviel, wie JP Morgan einem Banker auf mittlerem Karriereniveau zahlen würde. Berichten zufolge verlangt Blair kaum weniger für ein paar Vorträge.

Sein Vertrag mit JP Morgan wird ihn wohl daran hindern, seine Dienste als Berater auch dem Rest der Wall Street anzudienen. Anders als der frühere US-Präsident George Bush und der ehemalige britische Premier John Major, die zur Beteiligungsgesellschaft Carlyle gingen, dürfte Blair auch keine Gewinnbeteiligung bei JP-Morgan einstreichen. Will Blair seine Hypotheken zurückzahlen und seinen extravaganten Lebensstil aufrechterhalten, wird er unter diesen Bedingungen kaum reich werden.

Wenn Blair sich wirklich für eine solch lumpige Summe verkauft, dann ist er entweder kein guter Verhandler oder die Marke Blair hat wenig Strahlkraft. Die zweite Erklärung wäre nicht völlig überraschend. Blair hat zwar erstklassige Kontakte, die er trotz seines umstrittenen außenpolitischen Vermächtnisses über das gesamte politische Spektrum hinweg aufrecht erhalten konnte. Er steht Republikanern wie George W. Bush ebenso nahe wie dem JP-Morgan-Chef und Demokrat Jamie Dimon. Dass stellt sicher, dass JP Morgan etwas davon hat, wenn man den neuen Angestellten auf Firmenveranstaltungen vorführt.

Es ist aber nur schwer zu glauben, dass Banken wie JP Morgan heute noch Granden als Türöffner in verschiedenen Teilen der Welt brauchen. Wenn Blair den Wert seiner Kontakte maximieren will, dann sollte er besser Berater eines Staatsfonds werden.

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