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17.01.2008

13:54 Uhr

UBS

Ospel muss raus

VonMike Verdin (breakingviews.com)

Marcel Ospel sollte die UBS verlassen. Er hat den Vorsitz bei den Abschreibungen über 14 Mrd. Dollar geführt, er hat der Marke der Bank den Glanz genommen und sie gezwungen, bei ausländischen Investoren neues Kapital zu beschaffen. Anders als die Chefs von Citigroup und Merrill, hat Ospel seinen Job behalten. Es gibt noch einiges, was er für die UBS tun kann. Aber er sollte auch einen Zeitplan für seinen Abgang ausarbeiten.

Davos ist normalerweise im Terminkalender von Marcel Ospel rot angestrichen. Das Weltwirtschaftsforum in dem Schweizer Bergdorf ist ein Heimspiel für den Verwaltungsratspräsidenten von UBS. Aber das Treffen in Davos in der kommenden Woche sollte das letzte für Ospel sein, auf dem er die Schweizer Großbank repräsentiert.

Er wird sich auf dem Forum sowieso wie ein Außenseiter ausnehmen. UBS ist eine der drei großen, global agierenden Banken, die von der Kreditkrise am Schlimmsten getroffen worden sind. Die Chefs der anderen beiden – Chuck Prince von der Citigroup und Stan O’Neal von Merrill Lynch – sind beide gegangen. Aber Ospel ist ein großer Überlebenskünstler.

Natürlich gibt es Unterschiede zwischen den dreien. Prince und O'Neal waren sowohl Vorstandsvorsitzende als auch Verwaltungsratspräsidenten. Ospel ist nur Verwaltungsratspräsident. Sein Vorstandsvorsitzender, Peter Wuffli, wurde schon gefeuert. Aber Ospel hält sich bei der Ausübung seines Amtes keineswegs zurück. Er ist der Architekt der modernen UBS – er hat sie mit der Schweizerischen Bankgesellschaft zusammengelegt, sie als Vorstandsvorsitzender geleitet und ist dann in den Verwaltungsrat weitergerückt. Das macht es schwieriger, den schwarzen Peter seinen Untergebenen zuzuschieben.

Darüber hinaus spielt Ospel eine wichtige und klar definierte Rolle bei der Risikokontrolle innerhalb der Bank. Sein Büro fungiert, zum Beispiel, als Risiko-Komitee des Verwaltungsrats – es genehmigt die Standards der Risikokontrolle, die Risikobegrenzungen und gewisse Einzeltransaktionen. Es wird also schwer für ihn, sich von der Verantwortung für das Subprime-Engagement über 40 Mrd. Dollar frei zu machen, das die UBS gezwungen hatte, Abschreibungen in Milliardenhöhe vorzunehmen und mit dem Hut in der Hand bei einem Investor aus Singapur um eine Kapitalspritze zu bitten.

Die Frage ist nicht, ob Ospel gehen muss – sondern wann. Einige sind der Meinung, er solle die Bank sofort verlassen. Einer der Vorteile eines schnellen Abgangs wäre es, dass ein neuer Verwaltungsratspräsident dann in der Lage wäre, eine unabhängige Überprüfung der Strategie des Instituts einzuleiten – besonders wenn es um die Frage geht, ob der Bereich Investment Banking von der Betreuung vermögender Privatkunden abgespaltet werden soll.

Aber gesetzt den Fall, Ospel legt ein eindeutiges Datum für seinen Abschied vor dem Ende dieses Jahres fest, dann kann er der UBS noch zwei Dienste erweisen. Der erste wäre, die Kapitalspritze über 13 Mrd. sfr niet- und nagelfest zu machen. Ospel hat ausgeprägte Kontakte nach Singapur, die dazu beigetragen haben, das Geld an Land zu ziehen. Die zweite Aufgabe wäre es, Marcel Rohner dabei zu unterstützen, sich als neuer Vorstandsvorsitzender einzugewöhnen. Rohners Job ist ja nicht ganz einfach, wenn man bedenkt, dass nicht nur Wuffli gehen musste, sondern der Finanzdirektor und der Leiter des Investment Banking auch gleich noch ihren Hut nehmen mussten. Allerdings sollte Ospel die Gastfreundschaft nicht zu lange in Anspruch nehmen.

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