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13.01.2009

21:54 Uhr

Übernahme

BNP: Warten auf Fortis

VonPierre Briançon (breakingviews.com)

Der von Gerichten verzögerte Plan der französischen Bank, die Benelux-Banken- und Versicherungsgruppe zu kaufen, wird bei der Aktionärsabstimmung in einem Monat auf heftigen Widerstand stoßen. Der Verzicht auf das Versicherungsgeschäft wäre ein Friedensangebot von BNP. Es wäre allerdings ein schwerer Rückschlag, wenn man das Privatkunden-Netz von Fortis nicht bekäme.

In Zeiten der Kreditklemme ist ein Monat eine Ewigkeit. BNP Paribas muss bis zum 13. Februar warten, um zu erfahren, ob die Fortis-Aktionäre dem Verkauf des belgischen Versicherungs- und Bankengeschäftes ihres Unternehmens an die französische Bank für zusammen 14,5 Milliarden Euro zustimmen.

Die Aussichten für die vorgeschlagene Transaktion haben sich merklich verschlechtert, seitdem sie während der Teilverstaatlichung von Fortis im Oktober ausgehandelt wurde. Minderheitsaktionäre klagten, als die belgische Regierung es für unnötig hielt, das Geschäft zur Abstimmung zu stellen. Der lokale Entrüstung in Belgien provozierte eine größere politische Krise und führte zum Sturz der Regierung.

Anstatt auf den unsicheren Ausgang einer Aktionärsabstimmung zu warten, könnte BNP den Weg der Weisheit und des Kompromisses bevorzugen. Einem Bericht der französischen Tageszeitung La Tribune zufolge erwägt BNP bereits den Verzicht auf den Versuch, das Versicherungsgeschäft von Fortis zu kaufen, dass den Vereinbarungen zufolge für 5,5 Milliarden Euro in Bar erworben werden sollte. Es würde zur Besänftigung der Fortis-Minderheitsaktionäre beitragen, diesen Teil des Geschäftes aufzugeben. Alternativ könnte BNP sich dafür entscheiden, nur 51 Prozent der Versicherungssparte zu kaufen. Das würde Bargeld sparen und es der Hülle der Fortis-Holdinggesellschaft erlauben, mehr als nur das Endstück schlechter Vermögenswerte zu besitzen.

Es könnte für BNP sinnvoll sein, diesen Preis zu zahlen, um ein Kompromissgeschäft im Bankbereich zu erzielen, den man für Aktien im Wert von neun Milliarden Euro Zeitwert per Ende Oktober zu erwerben vereinbart hatte. Seitdem hat sich der Wert der BNP-Aktien halbiert, dieser Teil der Transaktion bewertet die Bankensparte von Fortis nun mit nur noch 35 Prozent des Buchwertes. Das ist eine bittere Pille für Minderheitsaktionäre, obwohl die belgische Regierung bereit zu sein scheint, sie zu schlucken.

BNP hat einen starken Antrieb, das Geschäft zustande zu bringen. Die Bank hat mit 5,6 Prozent eine der niedrigsten Kernkapitalquoten in der Eurozone. Das Privatkundengeschäft des Rivalen würde die gesamte Kernkapitalquote um 35 Basispunkte anheben. BNP spürt zudem den heißen Atem der französischen Regierung im Nacken, die auf staatliche Hilfen für Banken drängt, um sie zu erhöhter Kreditvergabe zu zwingen. Auf diese Art von Hilfe würde BNP lieber verzichten. Wenn das Fortis-Geschäft platzt, wird eine Bezugsrechtsemission von BNP mehr als wahrscheinlich.

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