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03.01.2008

11:15 Uhr

Übernahme-Exits

Ein Wille, aber kein Weg

VonLauren Silva (breakingviews.com)

Blackstone wird die geplante Übernahme von PHH nicht zu Ende bringen. Das ist schlimm genug. Aber auch der Ausstieg der Beteiligungsgesellschaft aus Freedom Communications wurde vorerst auf Eis gelegt. Das zeigt, dass es nicht nur schwieriger wird, Kredite für Übernahmen zu erhalten. Es wird auch schwieriger, sich wieder aus schon bestehenden Deals zu verabschieden – und dabei einen Riesengewinn zu machen.

Es ist für eine auf Übernahmen spezialisierte Firma eigentlich schon schlimm genug, wenn sie einen neuen Deal nicht zu Ende bringen kann. Jetzt sieht es allerdings so aus, als ob diese Unternehmen auch noch Schwierigkeiten dabei hätten, sich wieder aus schon bestehenden Verbindungen zu lösen. Die immer teurer werdenden Kredite bereiten Gesellschaften wie Steve Schwarzmans Blackstone Group doppelten Kummer. Die jüngsten Fehlschläge zeigen, dass es nicht nur schwierig werden wird, Geld für neue Akquisitionen aufzunehmen. Es wird auch immer härter, Käufer zu finden, die genug Kredite auftreiben könne, um ihnen die Unternehmen im Portfolio auch wieder zu attraktiven Preisen abzunehmen.

Das Problem zeigte sich zunächst darin, dass Blackstone nicht in der Lage war, eine Kreditfinanzierung für die Übernahme des Immobilienfinanzierers PHH über 1,8 Mrd. Dollar auf die Beine zu stellen. Das zweite Problem manifestierte sich darin, dass Blackstone den Verkauf ihres Anteils an Freedom Communications an die Gründerfamilie Hoiles verschieben musste. Steigende Finanzierungskosten hatten Freedom zum Abwarten gezwungen.

Da die Übernahme-Firmen über die Finanzierung neuer Abschlüsse stolpern, wird es auch schwer für sie, ihre gewaltigen Kriegskassen rentabel zu investieren. Und es ist problematischer geworden, in großem Stile neue Fonds aufzulegen, von denen sie ihre Management-Gebühren beziehen.

Aber das eigentliche Kopfzerbrechen setzt dann ein, wenn es schwierig wird, Unternehmen aus dem Portfolio, so wie Freedom, wieder loszuwerden. Ein Gewinn bringender Exit ist der Schlüssel zum Erfolg eines Deals. Henry Kravis, Chef von Kohlberg Kravis Roberts, hat im vergangenen Jahr gesagt: “Jeder Narr kann ein Unternehmen kaufen. Glückwünsche verdient man sich erst beim Verkauf.” Durch die in den vergangenen Jahren in Hülle und Fülle verfügbaren Kredite war es leicht, Unternehmen wieder abzuladen – besonders bei anderen privaten Investoren. Diese Ausstiegsroute wurde in der jüngsten Vergangenheit bei einem Drittel der Verkäufe gewählt, berichtet Dealogic.

Und die öffentlichen Kapitalmärkte sehen auch nicht gerade empfänglich aus. Übernahme-Firmen haben in den vergangenen Jahren nur rund 20 Prozent ihrer Portfolio-Unternehmen über Börsengänge verkauft – tatsächlich gab es nach Angaben von Thomson im vergangenen Jahr nur 32 übernahmegestützte Erstemissionen verglichen mit 59 im Jahr 2006. Vor dem Hintergrund des sich abschwächenden Aktienmarkts und der Schwierigkeiten der privaten Investoren, Kredite aufzunehmen, bleiben eigentlich nur strategische Käufer – also im Wesentlichen andere Unternehmen – mit einer gefüllten Brieftasche übrig. Aber da deren eigene Finanzierungskosten ebenfalls steigen, ist es unwahrscheinlich, dass sie die Flaute allein ausgleichen können – oder die Preise zahlen, die sich die Beteiligungsgesellschaften erhoffen.

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