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11.01.2008

12:44 Uhr

Unicredit

Der Kampf um Sizilien

VonMike Verdin (breakingviews.com)

Seit mehr als 2000 Jahren bedrängen aufständische Sizilianer immer wieder die Italiener auf dem Festland. Alessandro Profumo, der Chef von Unicredit, ist der Jüngste in einer langen Reihe, der gerade von den nach Unabhängigkeit strebenden Inselbewohnern auf die Probe gestellt wird. Obwohl er zu hundert Prozent zu Unicredit gehört, hat der Banco di Sicilia den Mann hinausgeworfen, den Profumo zur Leitung der Bank eingesetzt hatte. Das ist praktisch eine Unabhängigkeitserklärung.

Seit mehr als 2000 Jahren bedrängen aufständische Sizilianer immer wieder die Italiener auf dem Festland. Alessandro Profumo, der Chef von Unicredit, ist der Jüngste in einer langen Reihe, der gerade von den nach Unabhängigkeit strebenden Inselbewohnern auf die Probe gestellt wird. Obwohl er zu hundert Prozent zu Unicredit gehört, hat die Banco di Sicilia den Mann hinausgeworfen, den Profumo zur Leitung der Bank eingesetzt hatte. Das ist praktisch eine Unabhängigkeitserklärung.

Theoretisch sollte dieser Aufstand ziemlich leicht niederzuschlagen sein. Diese Rebellen muss man nicht einkreisen wie Mafiosi – und schon gar nicht kreuzigen. Profumo muss lediglich eine Aktionärsversammlung einberufen und die abtrünnigen Verwaltungsratsmitglieder, die seinen Mann gefeuert haben, vor die Tür setzen.

Wenn dies schnell erfolgt, sollte der Unicredit-Boss relativ unbeschadet aus dieser Episode hervorgehen. Die Revolte – angeführt von Salvatore Mancuso, dem Vorstandsvorsitzenden der Banco di Sicilia – würde dann lediglich als Werbegag abgehakt werden. Denn wenn man sich der norditalienischen Herrschaft widersetzt, kommt man schließlich gut an in Sizilien, wo Mancuso angeblich nach politischen Ämtern strebt.

Doch all dies erfordert ein schnelles und klares Vorgehen. Und zwar nicht nur, um Profumos Autorität über sein immer weiter verstreutes Imperium wieder geltend zu machen, sondern auch um den Investoren glaubhaft zu versichern, dass er im Besonderen die Banco di Sicilia unter Kontrolle hat. Unicredit hatte das Institut im vergangenen Jahr im Zuge der Übernahme von Capitalia erworben. Die Anleger haben immer wieder Bedenken über die Qualität des Kreditbuchs von Capitalia geäußert. Und die Banco di Sicilia gab dazu in besonderem Maße Anlass. Sie verfügt über fast dreimal so viel Not leidende Kredite wie der Durchschnitt bei Capitalia.

Profumo hat seinen Heiligenschein eingebüßt, nachdem er Capitalia gekauft hatte. Er soll zu viel für die Bank gezahlt und sich auf einige fragwürdige Abschlüsse eingelassen haben, um den Handel zu besiegeln. Doch in jüngster Zeit hat er bei den Investoren wieder Gnade gefunden. Die Unicredit-Aktien haben im Vergleich mit den europäischen Branchenkollegen fast den gesamten Boden wieder gut gemacht, den sie nach dem Capitalia-Deal verloren hatten. Aber wenn Profumo die Banco di Sicilia nicht schnell in den Griff bekommt, könnte sein Heiligenschein erneut ins Rutschen kommen.

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