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14.01.2010

07:54 Uhr

Untersuchung zur Finanzkrise

Der Ausschuss muss in die Gänge kommen

VonRolf Winkler, Richard Beales (breakingviews.com)

Kann die US-Untersuchung der Ursachen der jüngsten Finanzkrise die Bedeutung erlangen, die die Pecora-Kommission in den dreißiger Jahren erreicht hatte? Damals verwandelte Ferdinand Pecora eine lahme US-Ermittlung zum Börsencrash 1929 in eine Enthüllungsgeschichte, die strenge Bankengesetze nach sich zog. Trotz hin und wieder aufblitzender Scharfsinnigkeit verlief die Auftaktanhörung der Untersuchungskommission mit Spitzenvertretern der Wall Street nicht sehr viel versprechend.

Ferdinand Pecora hatte in den dreißiger Jahren eine zahme US-Untersuchung über den Börsencrash im Jahr 1929 in eine Enthüllungsgeschichte verwandelt, die weit reichende Bankenreformen nach sich zog. Trotz hin und wieder aufblitzender Scharfsinnigkeit seitens des Chairman Phil Angelides mangelte dem Debüt der Kommission zur Untersuchung der Finanzkrise mit Spitzenvertretern der Wall Street am Mittwoch die Verheißung, ähnlich spannend und folgenreich zu verlaufen. Noch steht die Arbeit des Ausschusses am Anfang - dennoch müssen seine Mitglieder ihre Gangart verschärfen.

Angelides setzte mit Verve ein und befragte den Chef von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, über die Doppelrolle seiner Firma, die darin bestand, auf der einen Seite Finanzprodukte an die Kunden zu vermarkten, während an anderer Stelle der Organisation die gleichen Produkte manchmal leerverkauft wurden. Doch Angelides fehlte die Zeit, diesen Punkt nachdrücklich zu vertiefen, und die anderen Kommissionsmitglieder warteten zumeist mit weicheren Fragen auf.

Jamie Dimon, John Mack und Brian Moynihan, also die Bosse von JP Morgan, Morgan Stanley bzw. der Bank of America, waren weniger stark der Kritik ausgesetzt - doch das könnte daran liegen, dass sie der Befragung durch Angelides entgingen, der sich auf Blankfein konzentrierte.

Selbst Brooksley Born, der dadurch bekannt geworden war, dass er den ehemaligen Chairman der US-Notenbank, Alan Greenspan, und andere Hochrangige scharf wegen der Aufsicht über die Derivate-Märkte angegriffen hatte, setzte den CEOs nicht sonderlich zu. Hedge Fonds-Manager Kyle Bass von Hayman Advisors, der während der Nachmittagssitzung der Kommission aussagte, legte ein klareres Verständnis der Sachlage an den Tag. Das Gefühl machte sich breit, dass er derjenige hätte sein sollen, der die Fragen stellt.

Natürlich ist dies erst der Anfang. Zwar müssen die offensichtlichen Interessenskonflikte von Goldman Sachs, die Rettung der American International Group, der Handel mit Derivaten, der Fremdkapitalhebel der Banken, die Kreditratings und andere möglichen Ursachen für die Krise im Finanzsektor unter die Lupe genommen werden. Doch auch die Rolle der US-Regierung muss einer Prüfung unterzogen werden. Das schließt nicht nur das Versagen der Aufsichtsbehörden mit ein, sondern auch politische Vorgaben, die den Besitz von Wohneigentum fördern und subventionieren - wie es Blankfein während seiner Aussage angesprochen hat - sowie den extremen Fremdkapitalanteil, der den regierungsnahen Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac gestattet wurde - ein Thema, das Jamie Dimon von JP Morgan vorbrachte.

Da alle diese Felder abgedeckt werden müssen, wird es Zeit für Angelides? Ausschuss, Fahrt aufzunehmen. In den dreißiger Jahren bedurfte es des Auftritts von Pecora im Jahr 1993 - und zwar nur in seiner Rolle als Berater für die Senatsuntersuchung und noch dazu in seiner vierten und damit letzten -, um die Beteiligten wachzurütteln und sich so sehr um den Prozess der Ursachenfindung verdient zu machen, dass sein Name mit der Kommission aufs Engste verbunden blieb. Wenn Angelides daran gelegen ist, dass dieses Mal sein Name mit ähnlich bedeutsamen Ergebnissen assoziiert wird, dann muss er dafür sorgen, dass sein Team wendiger und angriffslustiger wird.

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