Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.01.2010

17:46 Uhr

US-Arbeitsmarkt

Anhaltende Düsternis

VonMartin Hutchinson (breakingviews.com)

Die Nachwehen der US-Rezession werden anhalten. Die US-Arbeitsmarktdaten für Dezember zeigten, dass immer noch Stellen verloren gehen. Bisher wurden insgesamt 7,2 Millionen US-Arbeitsplätze vernichtet und die Stellen werden auch so bald nicht wieder zurückkommen

Die Krise hat in den USA 7,2 Millionen Arbeitsplätze vernichtet. Quelle: dpa

Die Krise hat in den USA 7,2 Millionen Arbeitsplätze vernichtet.

WASHINGTON. Die Nachwehen dieser amerikanischen Rezession werden anhalten. Jüngster Beweis: Im Dezember gingen 85 000 Arbeitsplätze verloren. Berücksichtigt man diese erneuten Einbußen, dann sind insgesamt 7,2 Millionen Stellen während dieses Abschwungs vernichtet worden. Dies entspricht dem Dreifachen der Verluste während des zweitschlimmsten Wirtschaftseinbruchs nach dem Zweiten Weltkrieg. Da überdies die Produktivität merklich steigt, werden diese Arbeitsplätze auch so schnell nicht wieder zurückkommen. Daher werden die hartnäckig hohen Arbeitslosenzahlen und die damit verbundenen Missstände dem Land noch für einige Zeit erhalten bleiben.

Der Arbeitsmarktbericht für Dezember zeigt, dass die US-Wirtschaft sich zwar stabilisiert, aber dennoch weiterhin Arbeitsplätze verloren gehen, wenn auch in einem moderaten Tempo. Während die für November verzeichneten leichten Einbußen zu einem geringfügigen Zugewinn nach oben revidiert wurden, glichen die nach unten korrigierten Oktober-Zahlen diese Verbesserung wieder aus. Da allerdings Produktionsstatistiken wie die Indikatoren des Institute for Supply Management auf eine an Stärke gewinnende Wirtschaft verweisen, sind in den kommenden Monaten moderate Stellensteigerungen – oder schlimmstenfalls geringere Verluste - wahrscheinlich.

Der beunruhigendste Aspekt der Arbeitslosenzahlen im Dezember war allerdings der Anstieg der Erwerbslosen, die seit mehr als 26 Wochen ohne Anstellung sind, um 229 000 Menschen. Zwar musste hier angesichts der außerordentlich hohen Stellenverluste von Januar bis Juni des vergangenen Jahres mit einer gewissen Erhöhung gerechnet werden. Doch die neuen Daten zeigen, dass die Langzeitarbeitslosigkeit nun auf mehr als das Doppelte des Vorjahresniveaus angestiegen ist und immer noch schnell zunimmt.

Die Langzeitarbeitslosigkeit verursacht beträchtlich höhere soziale Kosten als die kurzfristige Erwerbslosigkeit. Die Fertigkeiten und Fachkenntnisse derer, die lange arbeitslos sind, nehmen gewöhnlich ab. Ihre Arbeitslosenunterstützung läuft aus und viele von ihnen reihen sich unter den „Entmutigten“ ein, die es aufgeben, nach einer neuen Stelle zu suchen. Die Rezession macht sich jetzt nicht nur hinsichtlich ihres Ausmaßes bemerkbar, sie zieht sich nun auch merklich in die Länge. Die Beschäftigungszahlen haben bereits vor zwei Jahren ihre Spitze hinter sich gelassen und das umfassendste Barometer für die Arbeitslosigkeit, das die Entmutigten mit einschließt, notiert nun bei beunruhigenden 17,3 Prozent.

Sollte die Schaffung von Arbeitsplätzen weiterhin kraftlos verlaufen - und dies erscheint wahrscheinlich -, könnten sich die Entmutigten und chronisch Erwerbslosen für die USA wirtschaftlich, sozial und politisch zu einem permanenten Brandherd entwickeln, so wie es in den dreißiger Jahren gewesen war, wenn auch auf einem beträchtlich niedrigeren Niveau. Die Lebensstandards würden insgesamt gedrückt, während die Sozialhilfeausgaben sich unweigerlich erhöhten. Wie in den dreißiger Jahren besteht das Risiko, dass die anschwellenden Ränge der Langzeitarbeitslosen einen Umschwung der politischen Grundstimmung hin zu langfristig wirtschaftlich schädlichen populistischen Patentlösungen auslösen. Wenn sich dies bewahrheitet, dann werden sich die größten Kosten dieser Rezession vielleicht erst noch zeigen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×