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21.01.2010

08:05 Uhr

US-Banken

Keine Schonfrist für die Chefs

VonAntony Currie (breakingviews.com)

Die neuen Chefs von Morgan Stanley und Bank of America übernehmen die Zügel bei ihren Firmen, nachdem die schlimmsten Auswirkungen der Finanzkrise ausgestanden zu sein scheinen. Aber wie die Ergebnisse des vierten Quartals zeigen, sehen sich die beiden Bankbosse einer Fülle von Herausforderungen ausgesetzt.

James Gorman und Brian Moynihan sind vielleicht froh darüber, dass sie bei ihren jeweiligen Banken die Zügel übernehmen, nachdem die schlimmsten Auswirkungen der Finanzkrise ausgestanden zu sein scheinen. Doch das heißt nicht, dass für beide von nun an alles glatt läuft. Wie die Viertquartalsergebnisse von Morgan Stanley und Bank of America (BofA) zeigen, sehen sich die beiden frisch gebackenen Chefs einer Fülle von Herausforderungen ausgesetzt, die sie auf Trab halten werden.

Zunächst einmal muss jeder der beiden jüngste Fusionen unter Dach und Fach bringen und integrieren und den dazu gehörenden Kampf der Unternehmenskulturen entschärfen. Darüber hinaus werden die beiden Aufsteiger in ihrem Bemühen, sich fest auf dem Chefsessel zu etablieren und ihre eigenen Teams zu installieren, wahrscheinlich dem einen oder anderen Spitzenmanager auf die Füße treten. Bestenfalls wird das Abstecken ihres Reviers sie ablenken, im schlimmsten Fall könnte dies zu lähmenden Konflikten führen.

Und dann wären da die finanziellen Herausforderungen. Beide müssen hinter den Erwartungen herhinkende Geschäftsbereiche in Form bringen. Bei Morgan Stanley stellt sich ein doppeltes Problem. Erstens muss Gorman der Handelsabteilung für Festverzinsliche neue Energie einhauchen, die zu kämpfen hatte, seitdem im vergangenen Jahr zwei Mal die Strategien geändert wurden. Bis jetzt ist die Aufstockung um 350 neue Mitarbeiter wirkungslos verpufft: In den drei Monaten per Dezember wurden nur 686 Mill. Dollar an Einnahmen erzielt. Dies entspricht fast der Hälfte der vergleichbaren Einnahmen der BofA, fast einem Drittel derer von Citigroup und nur einem Viertel dessen, was JP Morgan einnimmt.

Zweitens muss Gorman sicherstellen, dass seine Fusion des Bereichs Vermögensverwaltung von Morgan Stanley mit Smith Barney von Erfolg gekrönt wird. Finanziell erschließt sich das noch nicht. Die Integrierungskosten und ein schleppender Geschäftsverlauf haben die Ergebnisse belastet. Die Gewinnspanne der Sparte bleibt immer noch weit hinter dem Ziel von 25 Prozent zurück.

Moynihan dagegen leitet nun eine Bank, deren Kerngeschäfte zwar viel versprechend sind, aber nicht genug einbringen, um die Kreditverluste des Instituts abzudecken. Sicher, die Bank hat im letzten Quartal nur 194 Mill. Dollar verloren und sich damit gegenüber den vorhergehenden Berichtszeiträumen verbessert. Doch sie musste sich dabei auf einen Ertrag über 1,1 Mrd. Dollar aus der Wertsteigerung ihres BlackRock-Anteils und auf Steuererleichterungen über 1,2 Mrd. Dollar verlassen.

Und jetzt schüttet die US-Regierung mit ihren geplanten Abgaben auf Verbindlichkeiten zusätzlich noch Sand ins Getriebe. Die BofA wird wahrscheinlich 1,7 Mrd. Dollar jährlich entrichten müssen und Morgan Stanley eine Mrd. Dollar. Das ist ein ziemlicher Schlag für zwei Firmen, die ohnehin Mühe haben, annehmbare Erträge zu erwirtschaften. Dies wird die Aufgaben der beiden neuen Chefs nicht gerade einfacher machen.

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