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27.01.2010

13:32 Uhr

US-Banken

Schlimmste Befürchtungen bestätigen sich

VonAntony Currie

Es ist kaum zu glauben, dass es noch Banken geben sollte, die den Aufschrei der Entrüstung wegen der überzogenen Bonuszahlungen nicht gehört haben. Und doch scheint die Bank of America (BofA) auf diesem Ohr immer noch taub zu sein.

Es ist kaum zu glauben, dass es noch Banken geben sollte, die den Aufschrei der Entrüstung wegen der überzogenen Bonuszahlungen nicht gehört haben. Und doch scheint die Bank of America (BofA) auf diesem Ohr immer noch taub zu sein. Die Firma lässt es zu, dass ein Teil der Aktien, die den Investmentbankern für das Jahr 2009 gezahlt wurden, schon in diesem Sommer auf deren Besitzer übergeht, schreibt der Branchendienst "Financial News". Das ist in vielerlei Hinsicht der falsche Schritt.

Zunächst einmal bricht er mit dem neuen Grundkonsens, überzogene Gehälter eindämmen zu wollen, dem sich alle Banken - wie widerwillig auch immer - gefügt haben. Die BofA weist die Zahlen für ihre Investmentbank nicht gesondert aus. Aber Goldman Sachs, zum Beispiel, hat das Verhältnis der Vergütung zu den Einnahmen für das vergangene Geschäftsjahr auf 35,8 Prozent und damit auf das niedrigste Niveau gesenkt, seitdem die Firma vor zehn Jahren in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Bei JP Morgan ist diese Kennzahl auf 33 Prozent gefallen. Beide haben den Anteil, der in Aktien gezahlt wird, bedeutend erhöht - und Goldman setzte mit der Aussage noch eins drauf, die Führungskräfte könnten ihn sich für mindestens fünf Jahre nicht auszahlen lassen.

Und gerade die BofA sollte ihre Lektion eigentlich gelernt haben. Die Rekordboni des vergangenen Jahres waren den Merrill-Bankern früher als üblich zugeschoben worden, was zu einem enormen Aufruhr geführt hatte. Darüber hinaus bekennen sich die Führungskräfte der Bofa erklärtermaßen zu zurückgestellten Vergütungen. Finanzchef Joe Price betonte während der Besprechung der Viertquartalsergebnisse der Bank sogar noch, dass das Institut generell einen größeren Umfang der Bezahlung zurückstellt als Merrill dies vor der Fusion gewöhnlich getan hatte.

Es mag gute Gründe dafür geben, warum man es zulässt, dass einige Aktien so schnell wieder in bare Münze verwandelt werden können. Schließt man einen zu großen Anteil am Gehalt in Form von Aktien für einen zu langen Zeitraum weg, könnten Mitarbeiter mit Liquiditätsproblemen in einen Engpass geraten. Vielleicht. Doch damit ließe sich genau so leicht beweisen, dass Banker über ihre Verhältnisse gelebt haben.

Auf jeden Fall ist die Entscheidung der BofA in diesem angespannten Umfeld wenig sinnvoll. Die Bank sollte ihr Vorgehen zumindest erklären. Entweder sollte sie sich einfach offen und ehrlich zu ihren Absichten bekennen und ein wenig mehr Cash zahlen, oder - und das wäre noch besser - sie sollte sich an ein Programm mit längeren Anwartschaften halten.

Stattdessen hat die Bank sich gerade in eine Situation manövriert, in der sie beschuldigt werden kann, sich der Taschenspielertricks zu bedienen. Das ist nicht nur schlecht für die BofA. Es wird auch die schlimmsten Vermutungen all derer bestätigen, die sich außerhalb der Finanzsphäre bewegen. Weder auf dem Marktplatz, noch im Weißen Haus oder auf dem Capitol Hill wird irgendjemand sich große Mühe damit machen, bei der wahrgenommenen Gier der Wall Street genau zwischen den einzelnen Banken zu unterscheiden.

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