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26.01.2010

09:35 Uhr

US-Banken

Sempras neue Kleider

VonGeorge Hay

Die Vorschläge der US-Regierung, den Eigenhandel bei Banken zu verbieten, könnten JP Morgan dazu veranlassen, noch einmal über den Preis nachzudenken, den sie der RBS für das Rohstoff-Joint Venture Sempra zahlen will. Der Preis wird ein Gradmesser dafür sein, wie besorgt die Banken über die neuen US-Pläne sind. Doch JP Morgan hat noch andere, von der Regulierung losgelöste Gründe, vorsichtig vorzugehen.

Der Feldzug des US-Präsidenten Barack Obama gegen die Banken ist nicht der einzige Grund dafür, dass JP Morgan ihre Offerte für RBS Sempra kürzen sollte. Angeblich überdenkt die Investmentbank ihr Gebot für das Rohstoff-Joint Venture der Royal Bank of Scotland (RBS), das sich Gerüchten zufolge auf vier Mrd. Dollar und darüber belaufen soll. Der Hauptantrieb dafür sei die überraschende Ankündigung der US-Regierung, den Banken den Handel auf eigene Rechnung, also für die Aktionäre und nicht für die Kunden, zu untersagen.

Berichte, die nahe legen, dass der Eigenhandel die Hälfte der Einnahmen von RBS Sempra beisteuert, mögen übertrieben sein. Aber JP Morgan wird vermutlich den Preis überdenken wollen, wenn die neuen Regeln die Möglichkeiten von Sempra, Einnahmen zu generieren, beschränken könnten. Wenn Obama standhaft bleibt, ist es schwer einzusehen, warum irgendeine Bank überhaupt irgendetwas für vergangene Eigenhandelsgewinne zahlen sollte.

Doch der angedachte Preis - der um 15 Prozent über dem Buchwert von RBS Sempra von 3,5 Mrd. Dollar liegen soll, wie eine mit der Lage vertraute Person sagt - mutete ohnehin schon hoch an. Es handelt sich hier schließlich um ein Geschäft, bei dem gewöhnlich die Händler und nicht diejenigen, die das Kapital bereit stellen, die überschüssigen Erträge einstreichen.

Occidental hatte 2009 für den Ölhandelsbereich Phibro von Citigroup nur den Nettovermögenswert gezahlt. Sicher, die Erdölgesellschaft stand einem Verkäufer gegenüber, der zu der Veräußerung gezwungen war.

Aber auch die RBS steht unter dem Druck, die Tochter so schnell wie möglich abzustoßen, und sei es nur, um maßgebliche Händler davon abzuhalten, das Unternehmen zu verlassen. Der Käufer dürfte auch hier wieder die Trümpfe in der Hand halten.

JP Morgan könnte argumentieren, dass sich mit den 765 Mill. Pfund Sterling, die RBS Sempra 2008 umgesetzt hatte, die Einnahmen der Bank im Rohstoffsegment fast verdoppeln würden. Sie würde damit in Sichtweite der Marktführer Goldman Sachs, Morgan Stanley und Barclays Capital gelangen. Außerdem könnte JP Morgan vielleicht auch bereit sein, ein wenig mehr zu zahlen, um anderen Mitbewerbern, die wie etwa die Deutsche Bank ebenfalls der zweiten Reihe angehören, die Tür vor der Nase zustoßen zu können.

Die Aktionäre könnten aufgrund solcher Wettbewerbsgründe vielleicht sogar einen großzügigen Preis tolerieren. Doch vor dem Hintergrund, dass die gegen die Banken gerichtete Stimmung gerade sehr hohe Wellen schlägt, wird eine hohe Offerte von JP Morgan den Eindruck erwecken, an der Wall Street habe sich die Meinung durchgesetzt, dass die Vorschläge von Obama nicht als Bedrohung aufgefasst werden müssen. Und dieser Schuss könnte nach hinten losgehen.

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