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14.01.2010

14:32 Uhr

US-Bankenabgabe

Hot Money wird teurer

VonHugo Dixon (breakingviews.com)

Die US-Regierung hat sich offenbar dazu entschlossen, die Einlagen von der neuen Bankensteuer auszunehmen. Dies würde Investmentbanken wie Goldman Sachs viel härter treffen als Geschäftsbanken. Diese Entscheidung ist nicht nur politisch scharfsinnig. Es ist auch wirtschaftlich sinnvoll, spekulative Geldströme zu einer kostspieligeren Finanzierungsquelle zu machen.

Die von der US-Regierung unter Präsident Obama geplante Abgabe auf die Passiva der US-Banken sieht immer mehr wie eine Wall Street-Steuer aus. Offenbar haben die Regierungsvertreter sich dafür entschieden, abgesicherte Einlagen von der neuen Steuer auszunehmen. Dies wird reine Investmentbanken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley unverhältnismäßig hart treffen, während Geschäftsbanken wie Wells Fargo nicht allzu stark darunter leiden werden. JP Morgan, Bank of America und Citigroup, die Investmentbanken und Geschäftsbanken auf sich vereinigen, werden in den Genuss einer Teilbegnadigung kommen. Die großen Drei werden allerdings sicherlich nicht mit Einbußen über jeweils 20 Mrd. Dollar konfrontiert werden, wie dies möglich erschienen war, als noch davon ausgegangen worden war, dass sämtliche Verbindlichkeiten einschließlich der Einlagen besteuert würden.

Die Steuer in diese Richtung zu lenken, ist politisch scharfsinnig, wenn man bedenkt, wie unbeliebt derzeit alles ist, was mit der Wall Street verknüpft ist. Doch es ist auch wirtschaftlich sinnvoll, hochspekulative Geschäfte an den Kapitalmärkten zu besteuern anstatt Einlagen, die üblicherweise eine stabilere Finanzierungsquelle darstellen. Idealerweise sollten auch mittel- und langfristige Kredite von der Steuer ausgenommen werden, da auch sie sich relativ stabil zeigen.

Eine übermäßige Abhängigkeit von einer kurzfristigen Refinanzierung, um langfristige Vermögenswerte zu finanzieren, hatte während der Kreditkrise des Jahres 2008 in die Katastrophe geführt. Lehman Brothers, Bear Stearns und Merrill Lynch hatten alle dasselbe Spiel gespielt und kurzfristige Kredite aufgenommen, um in illiquide Vermögenswerte zu investieren. Genau dieselbe Methode verfolgte der britische Immobilienfinanzierer Northern Rock. Und eine vergleichbare Abhängigkeit von spekulativen Geldflüssen hatte in vorhergehenden Krisen eine große Rolle gespielt - während der Turbulenzen in Asien im Jahr 1997 und bei dem Fonds Long-term Capital Management im darauf folgenden Jahr.

Die Finanzinstitute werden von "Hot Money" angezogen wie die Motten vom Licht. Wenn die Liquidität übersprudelt, ist es billiger für die Banken, auf den Geld- und Kapitalmärkten kurzfristige Kredite aufzunehmen, als über ihre Niederlassungen Einlagen im Privatkundenbereich an Land zu ziehen oder sich längerfristige Finanzierungen zu sichern. Aber wenn die Liquidität abebbt, sitzt das auf die kurze Sicht ausgerichtete Team völlig auf dem Trockenen. Während der jüngsten Krise gerieten selbst Morgan Stanley und Goldman Sachs an den Rand des Abgrunds.

Dies würde keine Rolle spielen, wenn rücksichtslosen Banken das Scheitern gestattet werden würde. Doch das wird es leider nicht. Da die Regierungen fast zwangsläufig rettend eingreifen, verhalten sich die Motten in der Tat recht rational, wenn sie ganz nah zur Flamme hin fliegen. Eine überaus logische Reaktion besteht dann darin, die Flamme weniger verlockend zu gestalten, indem man spekulatives Geld teurer macht.

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