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24.01.2010

09:47 Uhr

US Bankenregulierung

Obamas vage Pläne

VonAntony Currie, Lauren Silva Laughlin (breakingviews.com)

US-Präsident Obama will erreichen, dass die Banken geringere Risiken eingehen. Den Eigenhandel einer genauen Prüfung zu unterziehen, ist gerechtfertigt. Derlei Schritte müssen jedoch genau definiert werden. Um sinnvoll zu sein, müssen die Maßnahmen zur Eindämmung der Risikobereitschaft umgeschrieben werden.

Es ist durchaus sinnvoll, die Möglichkeiten amerikanischer Banken zu beschneiden, übertrieben große Risiken einzugehen. Doch mit dem Vorschlag, den US-Präsident Obama die "Volcker-Regel" nennt, ist dies nicht zu erreichen. Teilweise liegt das daran, dass die Regel enttäuschend vage formuliert ist. Zudem erscheint die Besorgnis über die Hedge Fonds und Beteiligungsgesellschaften überzogen - während andere, viel riskantere Bereiche überhaupt nicht erwähnt werden.

Nicht alles an dem Vorhaben ist schlecht. Ein Punkt des Forderungskatalogs, nämlich die Beschränkung des Eigenhandels, ist gerechtfertigt. Zwar haben die internen Handelsaktivitäten der Finanzinstitute während der jüngsten Krise tatsächlich kaum eine Rolle gespielt, aber sie sind notorisch intransparent. Je größer eine Bank ist, desto höher ist die Chance, dass ein umfangreicher Verlust das Finanzsystem in Mitleidenschaft ziehen könnte.

Trotzdem mangelt es Obamas Eigenhandelsverbot an einer genauen Definition. Es impliziert, dass der gesamte Handel ein Systemrisiko darstellt. Ein Pauschalverbot von Handelsrisiken könnte sich negativ auf andere Geschäfte auswirken. Banken übernehmen für Kunden Emissionen von Aktien und Anleihen in der Erwartung, sie weiter zu verkaufen. Aber wenn die Märkte plötzlich drehen, können sie darauf sitzen bleiben, so wie dies während der Finanzkrise mit Hypothekendarlehensanleihen und Collateralized Debt Obligations, also mit Wertpapieren, die mit einem Pool von Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten unterlegt sind, geschehen war.

Was die von den Banken geleiteten Hedge Fonds- und Private Equity-Aktivitäten angeht, so ist es auf jeden Fall geboten, sie genauestens zu überprüfen, wenn es sich bei ihnen nur um Eigenhandelsabteilungen unter einem anderen Namen handelt - die das Kapital einer Bank in großen Portionen in Anspruch nehmen. Lehman Brothers, zum Beispiel, hatte Milliarden verloren, indem die Investmentbank ihre Bilanz auf Immobilieninvestitionen verwettet hatte.

Aber wenn solche Fonds nur für andere Investoren geleitet werden und es klar ist, dass das Institut nicht für eventuelle Investitionsverluste verantwortlich gemacht wird, dann besteht für die Bank keine große Gefahr. Unter diesen Umständen handelt es sich um ein Gebührengeschäft, wie die Verwaltung von Investmentfonds, und nicht um ein Geschäft, bei dem Risiken eingegangen werden. Und die Gefahr, dass ein großer Verlust eines Hedge Fonds dem gesamten Bankensystem Probleme bereitet - wie dies bei Long-term Capital Management im Jahr 1998 der Fall war - hängt nicht davon ab, wer dessen Besitzer ist.

Die Volcker-Regel lässt außerdem einige Ausschlag gebende Risiken außer Acht. Jedes Versagen beim einfachen Bilanzmanagement, zum Beispiel, kann die Banken teuer zu stehen kommen - selbst bei Hypothekendarlehen, zum Beispiel, die ja kaum zu den brisanten Vermögenswerten zählen dürften. Die Regel steht möglicherweise zudem im Widerspruch zu den Plänen der US-Regierung für den Verbriefungsmarkt. Dort gilt es nun als positive Praxis, wenn die beteiligten Banken sich selbst dauerhaft finanziell engagieren, indem sie eine Portion an Verbriefungen in der Bilanz halten.

Und schließlich lässt die kurze Stellungnahme Obamas darauf schließen, dass er Risikofreude nur dann für akzeptabel erachtet, wenn sie den Kunden der Banken zu Gute kommt. Doch die Bankkunden, die Häuser gekauft hatten und dafür Subprime-Hypothekendarlehen heranzogen, hatten eindeutig nicht immer Recht, was ihre Fähigkeit anging, diese Immobilienkredite zurückzuzahlen. Damit die Volcker-Regel einen Sinn ergibt, muss sie umgeschrieben werden.

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