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20.01.2010

08:03 Uhr

US-Energieunternehmen

Der segensreiche Bilanztrick von Williams

VonChristopher Swann

Das ist mal ein wirklich nützlicher Trick. Die US-Energiegruppe Williams hat eine zusätzliche Marktkapitalisierung über 1,4 Mrd. Dollar frei gesetzt, indem sie einfach Vermögenswerte von ihrer mit einem niedrigen Vielfachen versehenen Muttergesellschaft auf eine höher bewertete Tochter übertragen hat. Konkurrenten wie El Paso wären gut beraten, wenn sie dem Beispiel folgen würden.

Es ist nur allzu verständlich, dass die Investoren die Aktien aller drei Unternehmen nach oben trieben. Vor dem Deal vereinigte Williams, die Muttergesellschaft, einen Mischmasch an Vermögenswerten in der Exploration und Förderung auf sich, zusammen mit der "Midstream"-Gasaufbereitung und Pipelines. Zudem hatte sie die Kontrolle über zwei getrennte Master Limited Partnerships (MLPs), also börsennotierte Kommanditgesellschaften, die Pipeline- und Midstream-Vermögenswerte hielten.

Da die Explorations- und Pipeline-Geschäfte sich als unbequeme Verbündete erweisen können, hatte dies zu einiger Verwirrung unter den Investoren von Williams geführt, dafür gesorgt, dass die Summe zu einem Abschlag gegenüber ihren Teilen gehandelt wurde und sich die Gesamtkapitalkosten der Gruppe erhöhten.

Daher wurde nun die Umstrukturierung eingeleitet: Williams wird den Großteil der Pipeline-Assets mit einer der Töchter, Williams Partners, tauschen. Die Transaktion umfasst 3,5 Mrd. Dollar in bar und 203 Mill. Aktien in einem Wert von 7,4 Mrd. Dollar zu Marktkursen. Zusätzlich wird die Personengesellschaft Verbindlichkeiten über zwei Mrd. Dollar übernehmen. In einer zweiten Phase wird Williams Partners mit der zweiten, kleineren Personengesellschaft fusionieren.

Im Ergebnis wird Williams es den Investoren damit erleichtern, zwischen den ausgeglichenen Erträgen eines Pipeline-Betreibers und dem volatileren Explorations- und Pipelinegeschäft zu wählen. Indem die Energiegruppe die Pipeline-Vermögenswerte in eine MLP einbringt, nutzt sie überdies die Vorteile einer Bewertungsarbitrage. Pipeline-Firmen, die als Standardgesellschaft strukturiert sind, werden mit rund dem 8,5 bis Neunfachen des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen gehandelt, während Pipeline-MLPs das bis zu 12,5fache erreichen können.

Nicht nur die Aktieninvestoren begrüßten den Schritt - Williams kletterten um acht Prozent und Williams Partners um 18 Prozent -, auch die Rating-Agenturen Moody?s und Fitch lobten das Unternehmen. Die Bonitätswächter, die die neue Kommanditgesellschaft auf erstklassig hochstufen dürften, vergaben Bestnoten für die Transparenz. Die neue Struktur verleiht der Personengesellschaft nicht nur eine größere Dimension, sondern weist auch die Verbindlichkeiten direkter dem stetigen Cash Flow aus dem Pipeline-Geschäft zu.

Da die Nachfrage nach rückstandsfrei verbrennendem Erdgas steigt, werden beide Flügel der Williams-Gruppe großen Bedarf an kostengünstigem Kapital haben, um expandieren zu können. Besonders akut ist dieser im Pipeline-Geschäft, da neue Reserven an Erdgas aus Ölschiefervorkommen zum Markt transportiert werden müssen. Da die Schritte des Unternehmens vom Markt so positiv aufgenommen wurden, könnten die Konkurrenten wie El Paso und EQT Corp zu ähnlichen Erwägungen ermutigt werden.

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