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08.10.2013

15:48 Uhr

US-Etatstreit

Amerikas Shutdown ist Chinas Login

VonHerbert Walter

Die Kapitalmärkte lassen die aktuelle Etatkrise in den USA links liegen. Dabei beschleunigt der Haushaltsstreit den Abstieg des Landes als Weltmacht Nummer eins. Gut möglich, dass China diesen Platz einnehmen wird.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Auf die bizarre Haushaltskrise in den USA reagieren die Märkte erstaunlich gelassen. Dort herrscht anscheinend unerschütterlich die Meinung vor, alles werde sich schon richten. Präsident Barack Obama bekomme seinen Staatshaushalt letztlich durch und eine höhere Schuldengrenze werde das Land schon vor der Zahlungsunfähigkeit bewahren. Was also soll das ganze Getöse? Mag sein, dass die Märkte mit dieser Einschätzung recht haben, aber das gilt nur für die aktuelle Etatkrise und nur auf kurze Sicht.

Was aber zählt auf längere Sicht? Niemand wird bestreiten, dass die Weltmacht USA durch den Etatstreit einen beträchtlichen Reputationsschaden hinnehmen muss. Der über dem Land kreisende Pleitegeier kostet unzweifelhaft Vertrauen in die Stärke des Landes und in seine Fähigkeit, innere und damit auch äußere Konflikte professionell auszuräumen.

Derartige Kratzer am Renommee wären möglicherweise belanglos, wenn sich nicht die globalen Kräfteverhältnisse in den vergangenen 20 Jahren deutlich verändert hätten – aus Sicht der Hegemonialmacht USA nicht zu ihrem Vorteil.

Das zeigt sich schon daran, dass der Anteil der amerikanischen Wirtschaft an der globalen Wirtschaftsleistung seit Jahrzehnten stetig sinkt und damit natürlich auch der Einfluss auf die weltwirtschaftliche Entwicklung. In den 80er Jahren produzierten die USA noch gut ein Viertel aller weltweiten Güter und Dienstleistungen, aktuell sind es deutlich weniger als ein Fünftel.

Noch mehr zeigt sich das aber an der Entwicklung von China in den vergangenen 25 Jahren. In nur einem Vierteljahrhundert hat sich dieses Land von „ferner liefen“ zur zweitstärksten Wirtschaftsmacht emporgearbeitet und sie entwickelt sich konsequent zu einer Art „Gegenpol“ zu den USA.

Allein in den vergangenen zehn Jahren hat China mehr als drei Billionen US-Dollar Devisenreserven angehäuft, in den Jahrzehnten davor waren es insgesamt „nur“ gut 300 Milliarden US-Dollar. Das Land ist inzwischen der größte Gläubiger der USA und es setzt seine Devisenreserven in der ganzen Welt strategisch zum Kauf von Unternehmen, Immobilien und Rohstoffquellen ein.

Kommentare (6)

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curiosus_

08.10.2013, 17:27 Uhr

Zitat: "Allein in den vergangenen zehn Jahren hat China mehr als drei Billionen US-Dollar Devisenreserven angehäuft, in den Jahrzehnten davor waren es insgesamt „nur“ gut 300 Milliarden US-Dollar. Das Land ist inzwischen der größte Gläubiger der USA und es setzt seine Devisenreserven in der ganzen Welt strategisch zum Kauf von Unternehmen, Immobilien und Rohstoffquellen ein.“

Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es schon wieder lustig. Diese „3,3 Billionen US-Dollar Devisenreserven“ wurden ja wohl denen vorenthalten, die sie erwirtschaftet haben. Dass ein derartiges erzkapitalistisches Wirtschaftssystem, das mit Dumpinglöhnen gewaltige Leistungsbilanzüberschüsse erzielt, hier unreflektiert als eindrucksvolle Errungenschaft gepriesen wird lässt schon tief blicken.

Ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, dass da einiges bei manchem ganz gewaltig aus dem Lot geraten ist. Da scheinen die Maßstäbe bei unseren „Eliten“ ziemlich verschoben zu sein. Ob etwas dem einzelnen dient oder nur die (Groß-) Machtgelüste einzelner befriedigt ist irrelevant. „Big is beautiful“

Was ist, aus dieser Sicht, die logische Konsequenz für uns? Runter mit Löhnen und Gehältern, hoch mit den Leistungsbilanzüberschüssen. Auf, dass auch unsere Devisenreserven explodieren. Unter dieser Prämisse ist es natürlich zielführend, wenn die Sklaverei und die Leibeigenschaft wieder eingeführt wird.

Ob Herr Walter auch mal in einer stillen Stunde reflektiert, was er da von sich gibt?

Account gelöscht!

08.10.2013, 17:38 Uhr

Aus dieser Logik heraus soll der westliche Wirtschaftsraum größer werden. Nordamerika und die EU, also auch wir, sollen Teil dieses "Wahnsinns" werden. Wirtschaftlich profitieren vor allem die USA und wir, wenn überhaupt, nur marginal. Die Kollateralschäden, z. B. noch mehr Demokratiedefizit bzw. -abbau als schon durch die EU und noch mehr Lobbymacht, werden geflissentlich verschwiegen. Gefragt werden wir sowieso nicht, aber wenn mal wieder etwas schief geht dürfen wir es ganz sicher ausbaden, - wie gehabt! Eine Wirtschaftszone dieser Größenordnung braucht dann sicherlich und alternativlos auch eine Einheitswährung den Atlantikdollar. Diese Art von Demokratie ist keine Demokratie, das ist Feudalherrschaft mit einer feudalen halbstaatlichen Marktwirtschaft. Die Vorgehensweise der Chinesen interessiert mich dabei überhaupt nicht und wer sich die Chinesen intellektuell als übermächtige Konkurrenz verkaufen lässt, gehört ganz sicher zu den Verlierern des kommenden Wirtschaftsmodell. Die Masse der Menschen verlieren und die neuen Feudalherren gewinnen, das ist der fiese Plan.
Wäre das ganze ein neuartiges Brettspiel, dann wäre der Sinn des Spiels, wer versammelt mehr rechtlose Sklaven um sich, wer hat am Ende die Macht über alles und allem, welche Feudalmacht hat die dicksten was auch immer. (The winner takes it all)

Account gelöscht!

08.10.2013, 18:46 Uhr

Das Leben ist volatil, ein stets 'Auf' und 'Ab'.

Die Amis waren (zu) lange 'oben'. Dies ließ ihre nunmehr innewohnende Arroganz und Dekadenz grassieren, hat das ganze Volk verseucht.

Mit welchem Recht stellen sie sich über internationales Recht (Syrien-Alleingang, Menschenrechtsgerichtshof etc.)? Mit welchem Recht unterjochen sie Deutschland (wie auch Südkorea und Japan) 70 Jahre nach einer Niederlage?

Die Amerikaner sind ein Volk von arroganten, machtversessen, primitiven und überheblichen Cowboys geworden. Dumm und rüpelhaft. Und ihr 'Tun' aus dieser Gesinnung heraus wird eine üble Ernte einfahren lassen.

Denn Dekadenz bedeutet Zerfall der INNEREN Stabilität und Ordnung - und daraus folgernd der Zerfall der äußeren Stabilität und Ordnung.

Heißt: Die USA zerbröseln, sind nicht mehr in der Lage, sich selbst zu helfen.

Haben fertig.

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