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18.01.2008

12:54 Uhr

US-Fluggesellschaften

Deltas Dilemma

VonCyrus Sanati (breakingviews.com)

Delta sollte sich für Northwest entscheiden und nicht für United. Ein Abschluss mit Northwest gibt für die Aktionäre mehr her und passt besser. Aber um in den Genuss der saftigen Synergien zu kommen, müsste man Dinge unternehmen, die die Aufsichtsbehörden hassen, wie etwa das Streichen von Routen. Und wie so oft auf diesem Sektor, könnte das die dringend benötigte Konsolidierung erschweren.

Delta Airlines hatte Ende 2006 eine Offerte von US Airways abgewehrt, sie durch einen Kauf aus der Insolvenz zu retten. Nachdem die drittgrößte US-Fluglinie sich im vergangenen April aus eigener Kraft aus dem Gläubigerschutz befreit hatte, ist es jetzt Delta, die sich gern mit einem Partner zusammenschließen würde. Die neuen Chefs des Carriers ziehen laut Zeitungsberichten mögliche Deals mit Northwest oder United in Erwägung. Im Vergleich sieht es so aus, als ob Northwest besser passen würde. Aber wenn man die Vorteile dieser Verbindung nutzen will, muss man das tun, was die Branchenaufsicht so hasst: Verbindungen streichen und Hubs schließen. Und wie so oft bei amerikanischen Fluggesellschaften könnte dies die notwendige Konsolidierung verlangsamen oder gleich ganz blockieren.

Northwest hat die Pleite kurz nach Delta hinter sich gelassen und tauchte mit einer der schlanksten Kostenstruktur der Branche wieder auf. Ihre Gewinnmargen vor Steuern betragen dreimal so viel wie die von United und das Doppelte von Delta. In einem ganz auf Aktien begrenzten Abschluss könnte Delta einen Aufschlag von 30 Prozent für Northwest zahlen und ihr Gewinn je Aktie würde trotzdem steigen – und das alles, bevor die Kosten reduziert worden sind. United, deren Margen unter denen von Delta liegen, böte diesen Spielraum nicht.

Ein Zusammenschluss von Delta und Northwest scheint zudem auch die besten Möglichkeiten für eine Rationalisierung innerhalb der USA zu bieten. Zum Beispiel könnte Delta ihren Hub in Cincinnati schließen und stattdessen die Basis von Northwest in Detroit nutzen. Es gibt weitere Überschneidungen – mehr als zwischen Delta und United. Wenn die beiden Unternehmen ihre kombinierten Kosten für die Flughafenmiete und die Landegebühren um 15 Prozent senken könnten, würden sie fast 200 Mill. Dollar im Jahr einsparen. Bei einem Vielfachen von zehn nach Steuern würden allein diese Einsparungen es rechtfertigen, wenn Delta einen Aufschlag von 30 Prozent oder mehr für Northwest zahlen würde, die eine Marktkapitalisierung von rund vier Mrd. Dollar aufweist. Und die beiden Firmen gehören bereits der gleichen Vielflieger-Allianz an – eine weitere Hürde für einen Deal mit United.

Aber wann auch immer Fluggesellschaften einen ihrer Zielflughäfen schließen oder ehemals konkurrierende Flüge zusammenstreichen, reagieren die Branchenaufseher verstimmt. Selbst die kleine Akquisition von Midwest Airlines durch Northwest und TPG hat laute Protestschreie hervorgerufen. Denn Überschneidungen zu beseitigen, führt tendenziell zu höheren Ticketpreisen und zu geringeren Auswahlmöglichkeiten für die Passagiere, und zu Entlassungen. Doch in der Realität sind diese Schritte notwendig, wenn der Trend endlich einmal gestoppt werden soll, dass die eine oder andere US-Fluggesellschaft immer einmal wieder vor dem Insolvenzgericht auftaucht. Die wieder effizient arbeitenden Firmen wie Delta und Northwest sehen jetzt solide aus – aber steigende Treibstoffkosten und ein nachlassendes Wirtschaftswachstum werfen ihre Schatten voraus. Vielleicht wird der Drang von Delta nach einer Fusion schließlich eine Initialzündung für die dringend benötigte Konsolidierung auslösen – aber wetten sollte man darauf nicht.

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