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17.01.2010

14:06 Uhr

US-Inflation

Steigender Preisdruck bedroht Anleihemärkte

VonMartin Hutchinson (breakingviews.com)

Die US-Inflation bewegt sich zweifellos in positivem Territorium. Doch die starke Industrieproduktion und die kletternden Rohstoffpreise könnten den Preisdruck intensivieren. Damit besteht die Gefahr, dass die Teuerung hoch genug getrieben wird, um die Anleihemärkte zu erschüttern.

Die starke Industrieproduktion könnte die US-Inflation treiben. Quelle: dpa

Die starke Industrieproduktion könnte die US-Inflation treiben.

WASHINGTON. Der jüngste US-Verbraucherpreisindex und die Kennzahlen zur amerikanischen Industrieproduktion senden ein Warnsignal aus, wenn man sie zusammennimmt. Die Teuerung bewegt sich zweifellos in positivem Territorium, sowohl in ihrer Gesamtberechnung als auch abzüglich der Bereiche Nahrungsmittel, Energie und Unterkunft. Die starke Industrieproduktion und deutlich steigende Rohstoffpreise lassen allerdings darauf schließen, dass sich der Preisdruck in den kommenden Monaten verstärken und nicht abnehmen wird. Damit besteht die Gefahr, dass die Inflation hoch genug getrieben wird, um die Anleihemärkte zu erschüttern.

Bis Oktober konnten die Vertreter der Deflationstheorie mehrere Monate lang darauf verweisen, dass der Verbraucherpreisindex im Jahresvergleich rückläufig war und diese Entwicklung als Beweis dafür heranziehen, dass die Deflation eine ernste Gefahr darstellt. Angesichts der Daten aus dem Monat Dezember wirkt dieses Argument jetzt fadenscheinig. Da die Rohölpreise sich nunmehr weit über ihrem Vorjahresniveau präsentieren, ist die Energie-Komponente des Verbraucherpreisindex deutlich in positives Territorium vorgerückt und hat dafür gesorgt, dass sich der Gesamtanstieg des Index binnen Jahresfrist auf 2,7 Prozent eingependelt und damit einem Level angenähert hat, das Anlass zur Besorgnis geben könnte.

Der Kniff, den einige Volkswirte anwenden, indem sie die schwankungsanfälligen Nahrungsmittel- und Energiepreise aus dem Index heraus rechnen, funktioniert derzeit auch nicht. Der so genannte Kernindex der Verbraucherpreise kletterte im vergangenen Jahr um 1,8 Prozent und bewirkte damit seinerseits, dass die Deflationsangst weit hergeholt erscheint. Darüber hinaus zog im Jahr 2009 der „Kern des Kernindex“ der Verbraucherpreise um 2,9 Prozent an. Ihn erhält man, indem man die künstlich berechnete Komponente des Verbraucherpreisindex für die Unterkunft abzieht – was wohl genauso stichhaltig sein dürfte wie die Subtraktion von Nahrungsmitteln und Energie. Dieser verbleibende Kernindex ist der Gefahrenzone damit noch näher gekommen als der eigentliche Verbraucherpreisindex.

Gleichzeitig hat die Industrieproduktion im Dezember um 0,6 Prozent zugenommen und hat sich seit Juni um 4,7 Prozent vorwärtsbewegt, was einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 9,6 Prozent gleichkommt. Zudem sind die Rohstoff- und Energiepreise stark gestiegen, wobei der fortgesetzte globale Kurs geldpolitischer Anreize sie noch weiter anheizen könnte. Daher könnten, auch wenn die Stimmung unter den Verbrauchern gedrückt bleibt, inflationäre Kräfte aus einer schnellen Erholung im verarbeitenden Gewerbe und steigenden Rohstoff- und Energiekosten die offiziellen Inflationsraten eher nach oben statt nach unten treiben.

Dies könnte wichtig sein – und zwar vor allem für die langfristigen Anleihemärkte, die sich bereits auf eine heftige Emissionswelle seitens der US-Regierung einstellen, die damit ihr Defizit finanzieren will. Noch hat die Angst die Anleihe-Investoren nicht ergriffen. Aber eine Erhöhung der Verbraucherpreisinflation deutlich über das gegenwärtige Niveau hinaus könnte sie erschrecken, wodurch die Kurse fallen und die Renditen nach oben schnellen könnten. Dies erscheint viel gefährlicher zu sein als jede Deflation.

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