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27.01.2010

09:57 Uhr

US-Kartellwächter

Pudel statt Pitbull

VonRobert Cyran

Den Wettbewerbshütern im US-Justizministerium war unter der Ägide von Präsident Obama eine neue Entschlossenheit zugetraut worden. Die Fusion zwischen Ticketmaster und Live Nation haben die Kartellwächter allerdings abgesegnet, statt sie gerichtlich zu blockieren. Für die Billigung reichten relativ geringfügige Zugeständnisse aus. Auf diese Weise werden die Kartellwächter den Unternehmen und Märkten kaum Ehrfurcht einflößen.

Hunde, die bellen, beißen nicht, heißt es im Sprichwort. Und dies scheint auch auf die Wettbewerbshüter im US-Justizministerium zuzutreffen, die unter der Ägide von US-Präsident Obama mit großen Drohgebärden an den Start gegangen waren und denen es jetzt überraschender Weise am rechten Biss mangelt.

So wurde die Fusion zwischen Ticketmaster und Live Nation mit relativ geringfügigen Konzessionen gebilligt statt vor Gericht blockiert zu werden, wovon Beobachter eigentlich ausgegangen waren.

Mit diesem Fall wurde zum ersten Mal die Entschlossenheit der Regierung unter US-Präsident Obama auf die Probe gestellt, was die Argumentation angeht, dass so genannte vertikale Fusionen, also Zusammenschlüsse von Unternehmen, die nicht direkt miteinander konkurrieren, dem Wettbewerb abträglich sein könnten. Die Behauptung des Justizministeriums, diese Fusion hätte in ihrer ursprünglichen Form wettbewerbsschädigend wirken können, war als bedeutende Ausweitung seiner kartellrechtlichen Bemühungen erachtet worden. Außerdem hatte es so ausgesehen, als hätte das Ministerium keine Mühe damit, sich mit seiner Argumentation durchzusetzen.

In dem vorliegenden Fall wird Ticketmaster, beherrschender Ticketverkäufer, Konzertveranstalter und Künstleragentur in einem, mit dem größten Veranstaltungsmanager Live Nation verschmolzen. Ein derartiger Zusammenschluss ermöglicht es der Gruppe, sich wettbewerbswidrig zu verhalten. Künstler könnten potenziell dazu angehalten werden, nicht bei Veranstaltungen anderer Unternehmen oder an Veranstaltungsorten aufzutreten, die die Ticketdienste von Wettbewerbern nutzen.

Nach Angaben des Justizministeriums beugt seine Übereinkunft diesen Gefahren vor. Das neue Unternehmen, das mit Live Nation Entertainment firmiert, muss seine Software zum Verkauf und zur Buchung von Eintrittskarten an den kleineren Veranstalter Anschutz Entertainment Group lizensieren. Live Nation Entertainment muss zudem Firewalls im Informationsaustausch einziehen. So kann die Gruppe zum Beispiel nicht damit anfangen, ein Konzert intensiv zu bewerben, wenn ihr auffällt, dass sich die Karten für eine Show eines konkurrierenden unabhängigen Promoters schlecht verkaufen. Zudem hat das Unternehmen zugesichert, nicht missbräuchlich vorzugehen.

Diese Konzessionen mögen nützlich sein, besonders angesichts der Alternative, die wahrscheinlich eine gerichtliche Anfechtung erforderlich gemacht hätte. Gerichtliche Entscheidungen sind unvorhersehbar und die Hürden sind hoch, wenn es darum geht, den Beweis zu erbringen, dass den Verbrauchern durch eine vertikale Integration Schaden zugefügt wird. Das Justizministerium hat eindeutig entschieden, dass die Vorteile einer Beilegung die Risiken, den Prozess zu verlieren, überwiegen.

Das Problem dabei ist, dass das Unternehmen sein Geschäft durch die Kontrolle dieser sich ergänzenden Bereiche nun mit einem breiten Schutzgraben umgeben hat. Gleichzeitig wurden zudem die beiden größten Ticketverkäufer miteinander verknüpft, was auf einen verminderten Wettbewerb hindeutet. Die Erwartung von Christine Varney, der Leiterin der Kartellbehörde, dass die Preise für die Eintrittskarten aufgrund der von ihr erzielten Einigung sinken werden, ist eine Wunschvorstellung. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Ticketpreise in weit höherem Maße verteuert als andere Güter.

Die Kartellwächter schonen ihre Fangzähne möglicherweise für einen Fall, in dem die schädigenden Wettbewerbseinflüsse der vertikalen Integration deutlicher zu Tage treten. Doch eine fettere Beute als Live Nation Entertainment ist kaum vorstellbar.

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