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02.01.2008

21:04 Uhr

US-Wahlen

Kein gutes Jahr für eine Rezession

VonMartin Hutchinson (breakingviews.com)

Zeigen sich im Jahr 2008 Rezessionstendenzen, auch bei nur ganz milden Symptomen, werden die Kandidaten der Präsidentschaftswahl nach einem Schuldigen suchen. Als Sündenbock werden in diesem Fall wohl Globalisierung und Immigration herhalten müssen. Der nächste Präsident wird sich dann wahrscheinlich dafür einsetzen, den Handel zu beschränken. Für die Weltwirtschaft hieße das, sich auf Wachstumseinbußen einzustellen.

Kündigt sich im Jahr 2008 die nächste Rezession an, werden die Präsidentschaftskandidaten versuchen, den Ärger der Wähler zu besänftigen, indem sie einen Schuldigen präsentieren. Die Federal Reserve anzuprangern, bringt politisch kaum Punkte, die aussichtsreichsten Prügelknaben sind die Globalisierung sowie die Immigration. Vor diesem Hintergrund wird, wer auch immer im November gewählt wird, kaum umhin können, den Handel und vielleicht auch die Immigration zu beschränken. Den Volkswirtschaften der USA und der restlichen Welt blühen damit Wachstumsrückgänge.

Eine Rezession im Jahr 2008 ist alles andere als sicher; Nach der jüngsten „Risk of Recession“-Prognose von Moodys Economy.com liegt das Risiko bei lediglich 52 Prozent. Auch wenn rückläufige Preise für Wohnimmobilien und knappere Liquidität einen negativen Effekt auf das Wirtschaftswachstum ausüben, könnte es durch die Fed-Politik des billigen Geldes zu einer Aufschiebung der Rezession bis nach den November-Wahlen kommen, allerdings bei eventuell steigender Inflationsrate. Ohne Rezession wird die Wirtschaft kaum als ergiebiges Wahlkampfthema taugen, keine Seite wird sich dann über bereits abgesteckte Positionen hinaus bewegen.

Sollten die ersten Monate 2008 jedoch mit deutlichen Rezessionstendenzen aufwarten, könnte sich das politische Kalkül ändern.

Die Wählerschaft ist sich darüber bewusst, dass die Einkommenszuwächse seit 2000 überwiegend in die Taschen der Spitzenverdiener wanderten. Viele glauben daran, dass die Ursachen für diesen Trend zum einen in der Globalisierung zu suchen sind, die zu einem Abbau von Arbeitsplätzen in der verarbeitenden Industrie führt, und zum anderen in der Immigration von schlecht ausgebildeten Arbeitskräften, die einen Verfall der Löhne im Dienstleistungssektor bewirken. Egal was die Volkswirte sagen, die Wählerschaft ist damit empfänglich für protektionistische und immigrationsfeindliche Propaganda.

Auf der Seite der Republikaner werden handelsfeindliche Parolen wahrscheinlich moderater ausfallen, zugunsten einer stärker gegen die Immigration gerichteten Rhetorik. Bei den Demokraten wird die starke Unterstützung durch die lateinamerikanische Wählerschaft eher dazu führen, sich auf Handelsthemen zu fokussieren, zum Beispiel “Anti-Dumping”-Aktionen gegen China zu versprechen. Wie dem auch sei, im Laufe der 8 bis 9 Monate andauernden Vorwahlkämpfe werden beide Präsidentschaftskandidaten einen guten Teil der gegnerischen Argumentationen und Positionen übernehmen. Bis November wird dann der Gewinner, aus welcher Ecke er auch kommt, sowohl höhere Handelsbarrieren als auch strengere Immigrationskontrollen fordern als jeder neue Präsident seit dem 2. Weltkrieg.

Für die Weltwirtschaft sind das schlechte Nachrichten. Die Doha-Handelsrunde, ohnehin schon erstarrt, ist ohne starke US-Führerschaft dem Untergang geweiht. Protektionistische Maßnahmen zugunsten der USA, mit anderen Worten zulasten der Nachbarn (beggar-my-neighbour), werden zudem Vergeltungsaktionen nach sich ziehen. Nach dem gleichen Muster kollabierte der Welthandel in den 30er-Jahren. Heute sind die Handelsbarrieren niedriger und der Umfang und die Vorteile des Welthandels größer, aber selbst kleine Schritte in Richtung Protektionismus könnten sich als teuer erweisen.

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