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15.01.2010

15:34 Uhr

Währungen

Griechenland ist an den Euro gefesselt

VonPierre Briançon (breakingviews.com)

Worst-Case-Szenarios, in denen Griechenland die Eurozone verlässt, sind eine spannende Lektüre - aus dem Science-Fiction-Genre. Technisch ist der Absprung machbar, aber die finanziellen und politischen Kosten, die dem scheidenden Land dadurch entstehen, übertreffen die hypothetischen Vorteile bei Weitem. Schlicht und ergreifend: Soweit wird es nicht kommen.

Warum sich mit Fakten quälen, wenn doch die Fantasie viel interessanter ist? Das Szenario "Raus aus der Eurozone" gewinnt Zuspruch, zumal Griechenland kaum den Anschein erweckt, seine haushaltspolitischen Probleme in den Griff zu bekommen. Ähnliche "was wäre, wenn.."-Überlegungen machten vor einem Jahr über Irland die Runde. Und davor regte Italien die Ausstiegsfantasien an. Analysten mit lebhaftem Vorstellungsvermögen fangen nun an, sich Gedanken über die Zukunft des Euro zu machen, wenn erst einmal das erste Land den Entschluss gefasst haben wird, die Gemeinschaftswährung zu verlassen und wieder zur nationalen Währung zurückzukehren.

Die Argumentation derjenigen, die glauben, ein Land könnte sich aus dem Euro verabschieden, lautet wie folgt: Ein Mitglied der Eurozone, das seine Zahlungsbilanz- und Schuldenprobleme nicht lösen kann oder will, hat keine Möglichkeit seine Währung abzuwerten, um wettbewerbsfähiger zu werden.

Wenn dieses Land seinen Haushalt aus politischen Gründen nicht in Ordnung bringen kann und auch keine Hilfe von anderen Euroländern erhält, weil das der Eurovertrag in seiner jetzigen Form nicht zulässt, dann bleibt dem Mitglied nichts anderes übrig, als die Währungsgemeinschaft zu verlassen. Eine anschließende Abwertung kann in diesem Fall die Wettbewerbsfähigkeit des Landes wiederherstellen.

Aber die Geschichte hängt gleich an mehreren Stellen. Erstens, ein solcher Schritt erfolgt nicht über Nacht. Die Vertrauenskrise, die damit während des Entscheidungsprozesses entsteht, verschlimmert die Nöte des ausstiegswilligen Landes wahrscheinlich noch. Allein das Prägen und Drucken von neuen Münzen und Banknoten nimmt mindestens einige Monate in Anspruch. Der einzige Weg schnell zu agieren und eine massive Kapitalflucht zu verhindern, bestünde in autoritären Maßnahmen wie zum Beispiel Kapitalverkehrskontrollen.

Dann muss die Schuldenfrage gelöst werden. Wenn das betrachtete Land entscheidet, seine Euroschulden einfach auf die neue Währung zu übertragen - um damit die Kosten für den Schuldendienst zu verringern -, dann werden die Märkte das als Zahlungsunfähigkeit interpretieren. Eine Währungsabwertung bleibt in diesem Fall wirkungslos.

Der gesamte Prozess würde eine Lawine an ernsthaften juristischen und politischen Auseinandersetzungen lostreten. Die Entwicklung wäre also weitaus dramatischer als bei einer normalen Abwertung, wie sie zum Beispiel Russland und die ostasiatischen Länder in den späten 1990ern - oder Großbritannien zu Beginn der 1990er - durchlaufen haben. Die scheidende Nation würde letztendlich die Unterstützung ihrer wichtigsten Verbündeten verlieren.

Und schließlich bleibt die Frage der Glaubwürdigkeit. Wenn nach dem Austritt nicht gerade Autarkie à la Kuba oder Nordkorea angestrebt wird, muss das Land hart darum kämpfen, das Vertrauen der Finanzmärkte wiederzugewinnen. Das heißt auch, es muss den Gürtel enger schnallen - also genau das, was durch den Euroabschied vermieden werden sollte.

Bleibt die Wettbewerbsfähigkeit, die natürlich durch die Abwertung gestärkt wird. Aber auch sie wird durch Inflationsimporte wieder gemindert. Fazit: Bei all diesen Hindernissen, wird es soweit also einfach nicht kommen!

Kommentare (1)

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Daina Puntuka

18.01.2010, 16:24 Uhr

Dear Sirs,
is it possible to purchase the article "Griechenland ist an den Euro gefesselt"?

Sincerely yours,
Daina Puntuka
Librarian

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