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13.03.2012

10:02 Uhr

Walter direkt

Alarmierende Zeichen

VonHerbert Walter

Nur mühsam können die europäischen Zentralbanker ihre Nervosität wegen der wachsenden Gefahren für die Stabilität des Euro-Raumes verbergen.  Das kratzt auch an der Reputation dieser Institution.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Immer deutlicher zeigt sich, dass unsere europäischen Währungshüter geldpolitisch auf einem schmalen Pfad wandeln. Jüngstes Zeichen dafür ist ein Eklat im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB).  Ein Brief von Jens Weidmann an den EZB-Präsidenten Mario Draghi gelangte auf wundersame Weise in die Medien. In dem beklagte der oberste deutsche Währungshüter die aus seiner Sicht zu laschen Sicherheitsstandards für Kredite an Geschäftsbanken. Flugs sprang ihm der ehemalige Chefvolkswirt der EZB, Jürgen Stark, zur Seite und monierte öffentlich die miserable Qualität der gewaltigen EZB-Bilanz. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Draghi wiederum versuchte, die Wogen zu glätten und propagierte Friede, Freude, Eierkuchen – garniert mit fast schon feinsinnigen Kontern gegen die Kritik von Weidmann. Er sei sicher, dass der Brief „nicht vom Jens“ herausgegeben wurde, denn der habe die Entscheidungen im Direktorium ja mitgetragen. Einen Kontrahenten im Wortlaut rein zu waschen und ihm trotzdem eins auszuwischen – das ist die hohe Kunst der Diplomatie.

Wer auch immer der Schurke in diesem Spiel sein mag, offensichtlich ist die Nervosität im Direktorium der EZB doch größer als bislang von der Öffentlichkeit wahrgenommen.

Und: Anlass zu Sorgen gibt es in der Tat. Insbesondere die Entwicklungen bei den Verbraucher- und Vermögenspreisen deuten aktuell auf eine wachsende Gefahr für die Stabilität des Euro-Raumes hin.

Auch wenn die EZB-Verantwortlichen öffentlich ziemlich schlank darüber hinweggingen, ist das Eingeständnis der EZB bitter, dass es in diesem Jahr keine Stabilitätsfortschritte bei der Preisentwicklung geben wird. Jetzt rechnet die EZB für 2012 mit einer durchschnittlichen Inflationsrate der Verbraucherpreise von bis zu 2,7 Prozent, noch im Dezember wurde eine Preissteigerung von 1,5 Prozent für möglich gehalten. Das ist – nach nur drei Monaten - eine dramatische Korrektur der Projektion für dieses Jahr.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

13.03.2012, 10:17 Uhr

die inflation lebe hoch!
ich kaufe nur noch fernseher, dann merke ich sie nicht so.

BitteKorrigieren

13.03.2012, 11:29 Uhr

Dieser Artikel kann nicht vom 20.12.2011 sein.

azaziel

13.03.2012, 20:42 Uhr

Macht doch nichts! Wir merken auch so, dass der Artikel brandaktuell ist. Walters Kommentare gehoeren zu den kluegsten, auch weit ueber den Handelsblattraum hinaus.

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