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03.04.2012

09:48 Uhr

Walter direkt

Angst ist ein schlechter Ratgeber

VonHerbert Walter

Die Furcht vor Inflation grassiert insbesondere in Deutschland. Das aber darf Politik, Wirtschaft und Anleger jetzt nicht zu falschen Entscheidungen verleiten.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Soll man sich über den jüngsten Tarifabschluss im Öffentlichen Dienst nun freuen oder nicht? Klar, die Angehörigen dieses Dienstes haben Grund zur Freude; sie bekommen nun das, worauf deutsche Arbeitnehmer lange Jahre warten mussten – eine spürbare Steigerung des Reallohns. Vermutlich werden nicht nur die Arbeitnehmer im Öffentlichen Dienst von diesem Abschluss profitieren, sondern auch Arbeitnehmer in anderen Branchen. Es wäre naiv anzunehmen, dass eine solche Lohnerhöhung keine Signalwirkung für andere Tarifverhandlungen haben wird.

Aber wäre das denn überhaupt falsch? Die Lohndisziplin des vergangenen Jahrzehnts hat einen wichtigen Beitrag zur verbesserten Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft beigetragen. Die trägt nun seit gut zwei Jahren Früchte. Aus dem „lahmen Gaul“ Deutschland der Jahre von 1995 bis 2009 wurde ein Zugpferd für die Euro-Zone, dessen wirtschaftliche Dynamik einen wesentlichen Beitrag zur Krisenbewältigung abliefert.

Verständlich ist, dass Arbeitnehmer in einer solchen wirtschaftlichen Situation sich nicht mit dem Hinweis auf die immer bessere Sicherheit ihres Arbeitsplatzes abspeisen lassen, sondern den Aufschwung auch im Portemonnaie spüren wollen.

Natürlich werden deutliche Reallohnsteigerungen die Wettbewerbsfähigkeit insbesondere der Exportwirtschaft schwächen. Aber als eine Art Ausgleich werden die Konsumausgaben steigen und auf diese Weise den Aufschwung stabilisieren. Ein mehr von der inländischen Nachfrage getragenes Wirtschaftswachstum in Deutschland ist eine fast „ewige“ Forderung von Wissenschaftlern und Politikern im In- und Ausland.

Wie könnte die Reise weitergehen? Auch wenn es angesichts der miesen Stimmung in Europa im Augenblick wenig opportun erscheinen mag, aber wir haben durchaus Grund, mit einigem Optimismus in die nahe Zukunft zu blicken. Die weltweit niedrigen Zinsen und die gewaltigen Unsicherheiten über die weitere wirtschaftliche Entwicklung in vielen Ländern dieser Erde führen dazu, dass in Deutschland investiert und unsere volkswirtschaftliche Ersparnis zu einem größeren Teil als in den vergangenen 15 Jahren hier zu Lande und nicht irgendwo anders auf dem Globus angelegt wird.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

03.04.2012, 10:58 Uhr

Angst ist in der Tat ein schlechter Ratgeber - ein weiterer Gesichtspunkt, der mir sicher sagt, dass der ganze Rettungs-Irrsinn in die Pleite führen wird, denn hier ist Angst ja offensichtlich der einzige Ratgeber, oder? Angst vor der Kernschmelze, dem System-Crash und natürlich vor dem Verlust des kostbaren Euro, der bekanntlich der einzige Garant für den Weltfrieden ist, wie man unschwer am Ausbruch des Krieges in Norwegen, Dänemark und der Schweiz erkennen kann... Und bezüglich der Inflation bin ich gern bereit, eine Wette in beliebiger Höhe anzubieten, denn wenn die Rettungs-Manie unserer ängstlichen Polit-Clowns nicht in einer mehr als deftigen Inflation münden sollte, wären ja nun wirklich alle Grundsätze der Ökonomie und der schlichten Logik außer Kraft gesetzt. Mal ganz abgesehen von der einfachen Denk-Mechanik nach dem Motto: "Wenn für jede marode Bank und jeden Pleitestaat Geld da ist, dann ja wohl auch für uns" - psychologisch nachvollziehbar, aber ökonomisch verhängnisvoll, mit absoluter Sicherheit!

Vertrauen

03.04.2012, 15:01 Uhr

..ich empfehle dem Artikel-Verfasser zu dem Krisenblabla, folgende Literatur aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts: "Vom Gelde, Valuta, Währungsnot von Argentarius!" Wie sind schon über Los zurückgelaufen! Dafür gibt es leider kein Geld.

Ebenso sehenswert ist der John Law Film, welcher das Geldsystem im Frankreich des 17. Jahrhunderts beleuchtet und erläutert ( zu finden bei goldreporter.de). Wir stecken in dem gleichen Schlamassel wie schon in früheren Zeiten.

Kein Wunder das die Angst aufkommt. Es fehlt nur der letzte Funke und das Kartenhaus aus Geldillusion bricht zusammen. Doch es gibt Hoffnung, denn es wird wieder neu verteilt und aufgestellt.

Bote

03.04.2012, 15:24 Uhr

." Wer nur einmal die Infrastruktur-Ruinen in Spanien, Italien und anderen überschuldeten Staaten gesehen hat..".!
Gehen Sie zum Nürburgring dort hat die Landesregierung für eine halbe Millarde Euro einen Freizeipark hingeklotzt der keine Besucher hat. Nur ein Beispiel von vielen in Deutschland !

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