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24.04.2012

11:37 Uhr

Walter direkt

Banking ohne Banken?

VonHerbert Walter

Im Internet wächst eine neue Herausforderung für Finanzinstitute heran. Die Kreditvergabe wird verlagert, das Geld kommt direkt aus dem Netz. Die Bank wird überflüssig. Die ersten Topbanker wechseln den Job.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Eine kleine Personalmeldung in den Wirtschaftsmedien hat mich in den vergangenen Tagen überrascht. John Mack, früherer Chef der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley, ist Berater und Aufsichtsrat eines kleinen Start-up-Unternehmens geworden. Dass sich der ehemalige Bankmanager in der Finanzbranche engagiert, ist sicherlich nicht verwunderlich - das Unternehmen, bei welchem Mack anheuerte schon. Denn er steigt bei Lending Club ein, einem sogenannten Peer-to-Peer-Kreditgeber. Das Unternehmen bringt über seine Internetplattform Kreditsuchende und Kreditgeber zusammen. Und das, ohne eine Bank einzuschalten. Einer der früheren Top-Banker der USA bläst also zum Angriff auf seine alte Branche.

Auf den ersten Blick scheinen die Vorteile des Geschäftsmodells der Peer-to-Peer-Kreditgeber auf der Hand zu liegen. Plattform-Betreiber wie Lending Club nehmen geringere Gebühren als Banken. Kreditnehmer erhalten günstiger Geld. Kreditgeber bekommen höhere Zinsen, als sie bei Banken für ihre Einlagen erhalten.

Microsoft-Gründer Bill Gates war einer der ersten, die sich eine Welt ohne Finanzinstitute vorstellen konnte. Vor etwa 15 Jahren provozierte Gates die gesamte Branche mit den Worten: „Wir brauchen Banking, keine Banken.“ Vielerorts wurde damals diese Aussage belächelt. Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen. Vom Netz als Marktplatz sprachen damals nur wenige.

Inzwischen sieht das anders aus. Branchen wurden durch das Netz radikal verändert, man denke nur an die etablierten Musikkonzerne und deren Kampf gegen Raubkopien. Die Verbraucher gehen heute anders vor als früher. Sie informieren sich im Netz, suchen nach günstigsten Angeboten, bewerten diese und teilen anderen Nutzern ihre Erfahrungen mit Produkten oder Dienstleistungen mit.

Noch steckt das Geschäft der Peer-to-Peer-Kreditgeber in den Kinderschuhen. Lending Club hat in den fünf Jahren seines Bestehens für rund 600 Millionen US-Dollar Konsumentenkredite vermittelt. Das ist bei einem US-Bankkreditvolumen von mehr als sieben Billionen US-Dollar ein verschwindend kleiner Anteil. In Deutschland sieht das nicht anders aus.  Der Marktführer Smava meldete kürzlich zu seinem fünfjährigen Bestehen stolze Wachstumsraten von mehr als 100 Prozent jährlich und kommt insgesamt auf ein Kreditvolumen von 65 Millionen Euro. Allein die Sparkassen haben fast das 10000-fache an ihre Kunden ausgeliehen.

Kommentare (6)

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Pgod

24.04.2012, 14:29 Uhr

Herr Walter, Sie übersehen den größten Marktplatz für Peer-to-Peer-Kredite in Deutschland: auxmoney.com. Das Handelsblatt berichtete darüber.

Eugen

24.04.2012, 18:24 Uhr

Sehr geehrter Herr Walter, Sie erwähnen in Ihrem Beitrag leider nicht, wie diese Portale in Deutschland tatsächlich funktionieren. Im Hintergrund ist eine Bank eingeschaltet. Denn rein juristisch gesehen vergeben private Anleger nicht an private Kreditnehmer, da dies ein Bankgeschäft nach KWG ist. Die Bank vergibt Kredit und verkauft gleichzeitig die Forderung an den privaten Investor. Ich stelle auch in Frage ob es für Kreditnehmer es tatsächlich günstiger ist, als bei den Banken. Die privaten Investoren können durchhaus bessere Renditen erzielen als bei Anlage bei den Banken. Nach meiner Beobachtung werden die Kreditanträge bei Smava kaum begründet, sondern es reicht einen hohen Zinssatz zu wählen und eingerichtete Bietautomaten füllen den Antrag mit dem Geld. Auch aus diesem Grund bin ich mitlerweile skeptisch bei so einer Kreditvergabe.

Es ist grundsätzlich gute Idee und ich hoffe sie wird sich weiterentwickeln bzw. parallel zu den Banken bestehen bleiben. "Konkurrenz belebt das Geschäft!!!"

MfG
Eugen Hierstein

ClasBeese

24.04.2012, 18:26 Uhr

Schöner Beitrag! Wir von Finmar arbeiten übrigens an einer Plattform für Crowd-to-Business-Lending, um Geschäftskredite von der Crowd finanzieren zu lassen. Up-Dates zum Gründungsprozess auf dem Blog: www.blog.finmar.com

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