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11.09.2013

09:01 Uhr

Walter direkt

Beim Geld hört der Spaß auf

VonHerbert Walter

Die Grünen stürzen in den Umfragen ab. Kein Wunder: Die Partei will nicht nur die obere Mittelschicht stärker belasten, sondern auch noch die Mini-Renditen der Sparer höher besteuern.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Die neuesten Umfragen zur Bundestagswahl haben bei den Grünen für helle Aufregung gesorgt. Auf nur noch 10 Prozent taxieren die Forschungsgruppe Wahlen und Infratest dimap die selbstbewusste Öko-Partei. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima hatte sie in Umfragen noch Spitzenwerte von 23 Prozent erreicht. Nicht wenige Kommentatoren warfen damals die Frage auf, ob Jürgen Trittin zum Kanzlerkandidaten ausgerufen werde.

Schließlich waren die Aussichten nicht schlecht, dass die Grünen auf Augenhöhe mit der SPD aus den nächsten Bundestagswahlen hervorgehen. In Baden-Württemberg war es ihnen aufgrund des Streits um Stuttgart 21 (und einer niedrigen Wahlbeteiligung) sogar gelungen, das Amt des Ministerpräsidenten zu ergattern. Und jetzt der drohende Absturz auf ein gerade noch zweistelliges Ergebnis. 

Wie ist das zu erklären? Ich glaube nicht, dass der Grund dafür in Absurditäten wie der Forderung nach einem fleischfreien Tag in Kantinen („Veggie“-Day) liegt. Auf der Suche nach den Ursachen kommt man vielmehr schnell bei der altbekannten Weisheit von James Carville an, der 1992 Bill Clintons Wahlkampfstratege war: "It's the economy, stupid!“, was übersetzt soviel heißt wie: „Auf die Wirtschaft kommt’s an, Dummkopf!"

Im Fall der Grünen lässt sich das präzisieren: „Aufs Geld der Bürger kommt’s an, Dummkopf“. Denn mit ihren Steuerplänen verschrecken die Grünen ausgerechnet jene Wählerklientel, die sie sich in den vergangenen Jahren jenseits des linken Establishments und der Beamtenschaft mühsam erarbeitet haben: die gut verdienende Mittelschicht, die einst zum festen Wählerklientel von Union und FDP gehört hatte.

Bei diesen Leistungsträgern konnten Trittin, Göring-Eckardt, Kretschmann & Co. mit ihren Wohlfühl-Themen saubere Energie, gesundes Essen und dem Versprechen einer "nachhaltigen" Wirtschaftspolitik lange Zeit punkten. Aber wie so oft, hört beim eigenen Geld der Spaß auf. 

Die Grünen können noch so lange behaupten, ihre Steuerpläne träfen nur ein paar „Reiche“. Ein Teil ihres ebenfalls von der Forschungsgruppe Wahlen ermittelten Wählerpotentials von mehr als 40 Prozent gehört zu eben diesen angeblich „Reichen“ oder hat – was genauso abschreckend wirken dürfte – gute Chancen, in absehbarer Zukunft „reich“ zu werden.

Denn laut Wahlprogramm der Partei soll für Bürger ab einem Jahreseinkommen von rund 60.000 Euro die Steuerbelastung steigen. Über 80.000 Euro sollen sogar 49 Prozent Einkommensteuer fällig sein, zusätzlich soll das Ehegattensplitting begrenzt werden.

Kommentare (13)

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lustig

11.09.2013, 09:18 Uhr

Wenn beim eigenen Geld der Spaß aufhört und jetzt schon absehbar die Bürgschaften, Streckung der Kredite (oder wie man das Kind auch nennnen wird) der "BRD" in der EU/Euro Zone fällig werden, dann dürfte keine der etablierten Parteien gewählt werden.

Account gelöscht!

11.09.2013, 09:56 Uhr

EXACT !!!

alleshatseinezeit

11.09.2013, 10:06 Uhr

Wie sagte einer unser netten Pastoren in Buxtehuxde i. d. R. bei seinen stets rührenden Beileid bekundenden Reden anlässlich von Beerdigungen innerhalb seiner Gemeinde:
"Alles hat seine Zeit...".

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