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31.01.2012

09:20 Uhr

Walter direkt

Bestens ausgebildet arbeitslos

VonHerbert Walter

Heute kommen die Arbeitslosenzahlen. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa ist ein gewaltiger Sprengsatz. Deutschland sollte energisch auf eine Lösung dieses Problems dringen und einen aktiven Beitrag leisten.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Machen wir uns nichts vor. Die erschreckend hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa wird unsere Gesellschaft schwer erschüttern, wenn sich daran nichts ändert. Man kann einer ganzen Generation junger Menschen nicht zumuten, dass nach Schule, Ausbildung oder Studium gut jeder fünfte (Durchschnitt in der EU), mehr als jeder dritte (Italien, Slowakei, Portugal) oder sogar jeder zweite (Spanien, Griechenland) von ihnen am Arbeitsmarkt nicht gebraucht wird. Bestens ausgebildet und hoch motiviert stehen sie im Abseits. 

Was, bitte, sollen diese Menschen von der Politik und der Wirtschaft halten, die ihnen nichts anderes zu bieten hat als keine Chance?  Wie, bitte, soll eine Gesellschaft funktionieren,  wenn einem großen Teil der Jugend die Aussichten auf Arbeit, Familie und Erfolg verwehrt werden? Man muss sich fast wundern, dass die Poteste der jungen Menschen in den überschuldeten Euro-Staaten bisher eher friedlich verliefen und nicht in Gewalt mündeten wie im vergangenen Jahr in Großbritannien.

Tatsächlich sehen Wirtschaftsexperten in der Jugendarbeitslosigkeit eine größere Gefahr für die Europäische Union als in der aktuellen Schuldenkrise. Doch darüber, wie man diese Gefahr bannen könnte, wird im Vergleich zur Lösung der Schuldenkrise in den Medien und – so weit erkennbar – auch in der Politik bisher eher spärlich diskutiert.

Klar ist, dass dieses Problem von den Staaten in Europa gemeinsam gelöst werden muss. Ein einzelnes Land wäre damit hoffnungslos überfordert, insbesondere dann, wenn die Sparanstrengungen der öffentlichen Haushalte und die schwache Wirtschaft den politischen und ökonomischen Handlungsspielraum drastisch einengen.

Deutschland - aber auch einige andere EU-Länder - mit einer sehr viel geringeren Jugendarbeitslosigkeit und einer besseren wirtschaftlichen Entwicklung, könnten da einen beachtlichen Beitrag leisten. Zwar herrscht innerhalb der EU Freizügigkeit, das heißt, jeder EU-Bürger, so er denn will, kann sich hier niederlassen. Aber das allein reicht nicht. Schon vermeintliche Kleinigkeiten belegen das: So werden zum Beispiel in EU-Staaten erworbene akademische Abschlüsse nicht automatisch anerkannt und die Komplexität bei der Anerkennung von Berufsqualifikationen ist unglaublich.

Kommentare (6)

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31.01.2012, 10:08 Uhr

Da wird die Völkrverständigun beleben, wenn dann die Löhne um 50% sinken, die Arbeitslosen zahl in Deutschland weiter steigt. Dann läuft alles nur noch über Sklavenhändler!

Die Gewinne der Reichen werden explodieren!

rothschild

31.01.2012, 10:26 Uhr

Guten Tag nach Königsstein, Kronberg oder sonst wohin in die reichste Region Deutschlands!
Ihr Artikel ist äußerst begrüßenswert, doch kann man die Antwort auf Ihre Frage, warum in Deutschland noch keine Jugendkrawalle toben wie im Pariser Norden oder eben, letztes Jahr in GB mit einer Antwort belegen, die Ihnen sicherlich nicht in den Sinn kommt aufgrund ihres anderen Lebensstils: H4. Grundsicherung. Diese gibt es in GB nach meinem Wissen kaum, schlechter oder gar nicht gg. Deutschland.
Auch ist es die mittlerweile mehr als determinierte Gewissheit, dass man dem so vielfach hoch gelobten globalen Getue von wenigen Reichen und ihren Entscheidungen (etwa über aktuell chinesische Firmenkäufe von deutschen, gut laufenden Unternehmen) hilflos ausgeliefert ist. Zudem hinzu kommt die allgemein bekannte Verschuldung der EU-Nationen. Wie soll aus der geleisteten Arbeit heraus resultierend eine mehr als existenzermöglichende Rente bezahlt werden? Schon jetzt sind doch rechnerisch-faktisch alle gesetzlichen Rentensprüche in ein griechisches Schuldenloch gesogen worden, niemand weiß, wo sie herumfliegen, ob sie möglicherweise von griechischen Bankiers, also IHRER Gilde, in beste Londoner Immobilienlagen am HydePark reinvestiert wurden!!! Wofür also arbeiten, sich in Sklavenhaltung unterwerfen, wenn es letztlich anders aber im Prinzip gleich verläuft wie im 3. Reich: alle Rentenansprüche des dienenden, nichts mental realisierenden Proletariats und meinetwegen auch der Plagiatsdekadenz der Universitäten werden nun und in Zukunft nicht für die Finanzierung einer militärischen Ausstattung sondern für die „Finanzierung“ der Schulden der EU-Länder verwendet.
Daher: es gehört eine staatliche Grundeinkommen her, das sich auf 1.800-2.000 EUR beläuft. Wie es mir dank belgischen Rothschilds möglich ist, auf Lebenszeit. Für alle. Für jeden. Vielen Dank für Ihren sehr sinnvollen Beitrag an dieser Stelle nochmals.

pandemira

31.01.2012, 14:39 Uhr

Lieber Herr Walter,

was ist denn das für ein verzerrtes Weltbild:
Da wir nicht in der Lage sind, Bedingungen zu schaffen, unter denen wir im wahrsten Sinne des Wortes organisch wachsen und gedeihen (Bildung) können (d.h. z.B. dass die junge Generation wieder Lust auf Kinder hat, weil die Rahmenbedingungen stimmen) sind wir darauf angewiesen, im Ausland Rosinenpickerei zu betreiben, und dort die Leistungsträger abzuwerben. Wie soll so etwas langfristig funktionieren, ohne dass diese Länder stark in Ihrer Entwicklung gehemmt werden?
Die primäre Angst bestimmter Gruppen in diesem Land sind doch steigende Löhne, die sich aus einer Angebotsverknappung zwangsläufig ergeben. Daher tut die Deutschland AG z.B. in Inkarnation der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" alles, medial subtil dagegen zu halten, gerne gewürzt mit einer Prise Samaritertum.
Dagegen ist in der Sache nichts einzuwenden, denn durch höhere Löhne wird die Wettbewerbsfähigkeit der armen deutschen Unternehmen natürlich leiden. Aber machen Sie bitte auch den Gesamtkomplex transparent und reden nicht um den heißen Brei herum. Warum wird die Alternative massiver (meinetwegen auch staatlicher) Investitionen in diese Länder in Ihrem Beitrag nicht aufgegriffen, um das Problem der Jungendarbeitslosigkeit zu mindern?
Warum wohl: Weil die Anteilseigner deutscher Unternehmen davon nicht profitieren.

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