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02.04.2013

12:04 Uhr

Walter direkt

Bittere Lehre für Sparer

VonHerbert Walter

Die Rettung Zyperns vor dem Staatsbankrott zwingt alle Bankgläubiger in der Euro-Zone, sich genauestens zu überlegen, in welchem Land und bei welcher Bank sie ihr Geld anlegen.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Gerade einmal drei Monate ist es her, da wagten Politiker wie Wolfgang Schäuble die Prognose, dass „in der Euro-Krise das Schlimmste hinter uns liege“. Jetzt, nach den eher verstörenden Beschlüssen zur Zypern-Rettung, scheint wieder ein Damm gebrochen.

Statt sich über die Abwendung des Staatsbankrotts auf Zypern zu freuen, hagelte es Kritik von allen Seiten. Der Hauptgrund dafür war die erzwungene Beteiligung der Bankengläubiger am Rettungspaket. Das hat nicht nur das Vertrauen der zypriotischen Sparer in die Sicherheit des Euros und der Bankeinlagen schwer erschüttert, sondern überall in Europa.

Dazu passte dann die Nachricht vom Internationalen Währungsfonds (IWF), dass vor allem die Schwellenländer dem Euro als internationale Reservewährung deutlich weniger vertrauen. Deren Zentralbanken haben nach Angaben des IWF im vergangenen Jahr 45 Milliarden Euro abgestoßen und dafür zum Beispiel australische Dollar gekauft. Das ist ein stattlicher Rückgang um acht Prozent und alles andere als ein Vertrauensbeweis in die Sicherheit des Euros.

Als wäre das noch nicht genug, berichteten griechische Medien über mögliche „Ungereimtheiten“ bei der Kreditvergabe an prominente Politiker und millionenschwere Abbuchungen von Bankkonten kurz bevor die teilweise Enteignung der Bankengläubiger publik wurde, deren Guthaben mehr als 100.000 Euro ausmachten. Griechische Zeitungen schreiben, dass sogar der zypriotische Staatspräsident, Nikos Anastasiades, im Verdacht steht, Verwandten einen Tipp gegeben zu haben, damit diese noch rechtzeitig vor der Bankenschließung ihre Konten räumen konnten. Auch solche Vorwürfe, sollten sie sich denn als wahr herausstellen, werden das Vertrauen in die handelnden Politiker und in deren Ernsthaftigkeit, eine saubere Lösung der Euro-Krise hinzubekommen, gewiss nicht stärken.

Das alles sind verheerende Botschaften, die eigentlich nur einen Schluss zulassen: Für den Sparer gibt es keine Sicherheit mehr, die Unterschiede zwischen Aktionär, Anleihegläubiger und Spareinleger einer Bank verwischen immer mehr. Natürlich wird jetzt von Politikern darauf hingewiesen, dass die Masse der Sparguthaben durch die 100.000-Euro-Schranke ja gesichert sei. Aber gilt das wirklich und in jedem Fall?

Kommentare (28)

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Numismatiker

02.04.2013, 12:42 Uhr

"Natürlich wird jetzt von Politikern darauf hingewiesen, dass die Masse der Sparguthaben durch die 100.000-Euro-Schranke ja gesichert sei."

Natürlich ist das so, bis in alle Ewigkeit.... Oder bis sich die Politiker es sich anders überlegen.

Account gelöscht!

02.04.2013, 12:45 Uhr

Die Lehre sollte sein, lege kein Geld bei einer Bank an, die nichts anderes tut als mit Geld noch mehr Geld zu machen, und dabei echte Investitionen in Wirtschaft und Infrastruktur, also Dienste für echte Kunden "nicht mehr nötig" hat.

Michael

02.04.2013, 13:02 Uhr

Zumal die 100k€ "Schranke" willkürlich gesetzt ist, sowie auch nur bei Bankrott der Bank gilt, oder nicht? Rettungsmassnahmen durch Kontenzugriff sind daher nicht ausgeschlossen.
Habe ich das richtig verstanden?

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