Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.05.2013

15:45 Uhr

Walter direkt

Blasenangst

VonHerbert Walter

Der deutsche Markt für Wohnimmobilien ist attraktiv und lockt Investoren. Einiges spricht dafür, dass sich das nicht abrupt ändern wird und uns spekulative Übertreibungen erspart bleiben.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Seit anderthalb Jahren brummt es im deutschen Immobilienmarkt. Die Preise für Wohnimmobilien sind insbesondere in Ballungsräumen deutlich gestiegen. Das betrifft zunehmend nicht nur Städte, sondern auch deren Umland. Vergessen scheint die lange Talfahrt der Immobilienpreise und schon wächst die Furcht, dass dieser Trend  bald ein abruptes Ende finden wird und, wie in vielen Ländern zuvor, auch in Deutschland eine Immobilienblase platzen könnte.

Sicher wird man einräumen müssen, dass die aktuelle Preisdynamik nicht von Dauer sein kann. Dafür spricht schon die alte Regel, dass Immobilien- und Mietpreise in einem angemessenen Verhältnis stehen müssen, wenn der Markt im Lot bleiben soll. In den drei attraktivsten deutschen Großstädten, München, Berlin und Hamburg, haben sich die Immobilienpreise in der Tat von den Mietpreisen abgekoppelt. Erstere sind deutlich stärker gestiegen.  Das kann nur auf zwei Wegen korrigiert werden: Entweder sinken die Immobilienpreise oder die Mieten steigen.

Die Logik dahinter lautet: Steigen die Immobilienpreise stärker als die Mietpreise, wird es immer unattraktiver, in diesen Markt zu investieren. Dadurch wird die Nachfrage nach Immobilien sinken und der Spielraum für Preissteigerungen kleiner. Bleibt die Nachfrage nach Immobilien dagegen hoch, weil immer mehr Menschen in  attraktive Ballungsräume ziehen, wächst auch die Nachfrage nach Mietwohnungen. Wird diese steigende Nachfrage nicht durch entsprechende Investitionen gedeckt, werden die Mieten steigen. Das aber macht den Markt wieder interessanter.

Zweifelsohne hat sich in den drei Großstädten das Verhältnis zugunsten der Immobilienpreise stark verändert. Insofern ist das ein deutliches Zeichen für zunehmend spekulative Engagements auf dem Immobilienmarkt, die auf eine Überhitzung hindeuten. Aber müssen wir deshalb Schlimmes befürchten?  Ich meine, da sollten wir  doch einige gegenläufige Entwicklungen beachten.

Erstens, die Deutsche Bundesbank berichtet in ihrem Monatsbericht für April, dass die Wohnungsbauinvestitionen in Deutschland im vergangenen Jahr kräftig zugenommen haben. Sie sind um zwölf Prozent gestiegen, so stark wie schon seit Jahrzehnten nicht. Das wird das Angebot vergrößern und damit per se preisdämpfend wirken. Ob damit der Engpass in den Großstädten beseitigt wird, ist allerdings noch längst nicht ausgemacht.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Klaus

21.05.2013, 16:29 Uhr

Wenn absehbar ist, dass sich die Euro-Krise dem Ende zubewegt oder die Wirtschaft in Südeuropa (wie auch immer) spürbar belebt wird, dann werden Millarden aus den deutschen Immobilienmärkten abgezogen. Dieser krisenhafte Zustand wird nicht ewig weitergehen - das sollte doch einleuchten. Die Gier nach Rendite dürfte dann zahlreiche Investoren dazu veranlassen sich in Europa nach lukrativeren Anlagen umzusehen - die es dann auch geben wird. Wer benötigt dann noch eine Immobilie in Deutschland, die gerade 3-5% Rendite abwirft - wenn überhaupt bei den aktuellen Preisen? Davon abgesehen, dürfte sich die Mietpreisentwicklung an der Schmerzgrenze der Deutschen brechen.... Sobald der Krisenmodus überwunden ist, wird es in den deutschen Märkten überhaupt erst anfangen zu kriseln... Dass Immobilienverbände von einer Blase nichts wissen wollen, dürfte ebenso einleuchten ;-)

M1ausB

21.05.2013, 16:57 Uhr

Das was derzeit beim Gold passiert, wird ebenso bei deutschen Immobilien geschehen. Derzeit kauft noch die Angst vor Verlust oder Inflation. D.h. eigentlich nur Werterhalt, Rendite bei Kaufpreis 20fach. wie derzeitig in Berlin, ist wohl eher ein Lacher. Interessnt wird es, wenn die kurzfristig bzw. auf Spekulation gekauften Immobilien auf den Markt geschmissen werden. Auch bei Gold soll es ja abwärts bis 1100 gehen.

Klaus

21.05.2013, 18:00 Uhr

Am besten man kauft noch schnell ein Haus/Wohnung für 350.000 €. Das soll bekanntlich vor schützen und obendrein Freude bereiten... Sobald die Preise purzeln (z.B. 280.000,-), muss man eigentlich nur noch hoffen, dass der Kredit durch den Beleihungswert gedeckt ist^^ Ähm, kommt mir von Übersee her bekannt vor? Manch einer wird sicherlich feuchte Augen bekommen wenn die Bank zusätzliche Sicherheiten oder Sondertilgungen verlangt! Kann man sich ja selber ausrechnen, wie lange man für rd. 70.000,- (20%) Wertverlust noch zur Miete wohnen kann - schätzungsweise rd. 10 Jahre^^ Zinszahlungen auf den Wertverlust (ca. 2.500 p.a.) lassen wir mal lieber unberücksichtigt - sonst wird es zu kompliziert und die Miete wird noch interessanter^^ KAUFEN, KAUFEN, KAUFEN - und auch der DAX wird noch die 15.000 knacken "lol .. Am besten wir spannen den Euro-Gummi noch weiter, bis es dann richtig ins Auge geht^^

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×