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20.12.2011

10:28 Uhr

Walter direkt

Das verschwiegene Rettungspaket

VonHerbert Walter

Mit 450 Milliarden Euro finanziert die Bundesbank die hochverschuldeten Euro-Staaten. Es ist ein Skandal, dass kein Politiker und kein europäischer Währungshüter über dieses Thema öffentlich sprechen will.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Kein normaler Mensch versteht mehr, wie der Euro gerettet werden soll. Da werden „Schirme“ gebastelt (EFSF, ESM), Institutionen mit ins Boot geholt (EZB, IWF) und Fiskalpakte geschlossen, dass einem ganz schwindelig wird ob der vielen Milliarden Euro, die das alles kostet.

Und dann wird darüber ja auch noch öffentlich und kräftig gestritten. Politiker haben je nach Lage ihre unterschiedliche Sicht der Dinge. Wissenschaftler ereifern sich übers große Ganze oder kritisieren Details und nicht zuletzt protestiert unsere Bundesbank, dass sie über einen bilateralen 45-Milliarden-Kredit an den Internationalen Währungsfonds direkt in die Finanzierung von europäischen Schuldnerstaaten eingespannt wird.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann durfte den Mitgliedern des Bundestags-Haushaltsausschusses vor wenigen Tagen nicht einmal seine Bedenken gegen eine solche Kreditvergabe erläutern, so dünnhäutig sind die politischen Krisenakteure inzwischen.

Vielleicht hatte die Absage an Weidmann aber auch einen Grund darin, dass unser Währungshüter die Gelegenheit hätte nutzen können, um den Parlamentariern zu erklären, dass die Bundesbank jetzt schon über ein gigantisches „Rettungspaket“ mit dem harmlos klingenden Namen „Target“ die europäischen Schuldnerstaaten finanzieren müsse, der IWF-Kredit also noch eine Zugabe „obendrauf“ sei. Vermutlich hätte er das aber doch nicht getan, denn dabei handelt es sich um die mit Sicherheit am meisten verschwiegene Rettungsmaßnahme in der aktuellen Krise.

„Target“ ist eine Abkürzung für ein unaussprechliches Zahlungssystem und insgesamt eine komplizierte, schwer zu erklärende Angelegenheit. Im Kern muss man sich darunter einen Kontokorrentkredit einer Notenbank des Euro-Systems für eine andere Notenbank des Euro-Systems vorstellen. Weil die Notenbanken aber den jeweiligen Staaten gehören, finanziert auf diese Weise die Bundesbank die kreditnehmenden Staaten der Euro-Zone über deren Notenbanken – auch wenn die Kredite offiziell über die Europäische Zentralbank (EZB) laufen.

Kommentare (67)

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Pro-D

20.12.2011, 10:42 Uhr

verehrter Herr Herbert Walter,

freuen Sie sich doch, dass gerade Deutschland alles unternimmt, um sich und die EU / den € zu stärken. Oder wollen Sie, dass wir weiterhin im Status eines Landes leben müssen, was bedingungslos kapituliert hat, als weder ein wirklich gültiges GG, noch eine Verfassung oder ein gültiges StGB besitzt?

Stimmt, es ist wirklich eine Schande, wie selbst das Handelsblatt verschweigt, dass die gesamte BRD und ihre Gesetze ungültig sind und durch einen Handstreich der Alliierten vom Tisch gefegt werden könnten?

Schämt man sich als Redakteur des Handelsblattes eigentlich sehr, wenn man entweder schlampig recherchiert hat, oder dem Leser diese so wichtigen Informationen böswillig vorenthält??

Peter

20.12.2011, 10:46 Uhr

Danke für diesen Komentar Herr Walter! Das Verschwweigen der Target Kredite ist in der Tat skandalös.

Die Bitte an die Handelsblattredaktion: Bitte sich dem Thema einmal gründlich annehmen.

Man fasst sich nur noch an den Kopf, dass sich angesichts solcher schwindelerrengender Summen - das ist bereits für sich allein das Dreifache der gesamten Goldreserven der Bundelsbank! - Zeitungsredaktionen lieber über Privatkredite an den Bundespräsidenten in Höhe von € 450.000 schreiben. Da droht das Vermögen von Generationen verspielt zu werden und wir beschäftigen uns mit einem Einfamilienhauskredit. Grotesk!

Hase

20.12.2011, 10:59 Uhr

So langsam wird's widerlich mit der Euro-Retterei.

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