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16.07.2013

16:48 Uhr

Walter direkt

Der Fluch der Komplexität

VonHerbert Walter

Die Regulierung der Finanzbranche wächst in abenteuerliche Dimensionen. Es ist Zeit für eine Umkehr, hin zu einfacheren und leichter zu überprüfenden Regeln.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Das Leben wird halt immer komplizierter. Das ist eine der beliebtesten Sentenzen, die von Menschen geseufzt werden, wenn mal wieder etwas schief gegangen ist. Was so leicht daher gesagt wird, hat in Politik und Wirtschaft allerdings fatale Folgen.

Das kann man seit geraumer Zeit besonders gut an den Bemühungen von Politik, Aufsichtsbehörden und Banken erkennen, wenn es darum geht, die Ursachen einer aktuellen Krise als Quell einer neuerlichen Krise ein für allemal auszuschließen. Praktisch geschieht das, indem die Rahmenbedingungen für die Geschäftstätigkeiten der Kreditinstitute überarbeitet werden.

Damit das klar ist: Daran ist grundsätzlich nichts zu kritisieren. Wenn die Politik sich von Banken erpresst fühlt (SPD-Chef Sigmar Gabriel), dann muss sie handeln. Wenn Banken Produkte auf den Markt werfen, die so komplex sind, dass normale Anleger diese nicht verstehen können, dann muss das geändert werden. Wenn Banken nicht ausreichend mit Eigenkapital ausgestattet und dadurch krisenanfällig sind, dann muss etwas geschehen.

Was aber aus meiner Sicht eine besorgniserregende Fehlentwicklung bei der Regulierung der Finanzindustrie darstellt, das ist die geradezu absurd wachsende Komplexität des Regelwerks.

Was ich damit meine, sollen einige Beispiele zeigen. Die 1988 verabschiedete erste internationale Vereinbarung zur Bankenregulierung – bekannt unter dem Namen Basel I - umfasste ganze 30 Seiten. Die Revision dieser Vereinbarung im Jahr 2004 – bekannt unter dem Namen Basel II – war dann schon 347 Seiten stark. Die jüngste Revision von 2010 – bekannt unter dem Namen Basel III – kommt auf stattliche 616 Seiten. Das ist mehr als das zwanzigfache Volumen von Basel I.

Kommentare (8)

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Matthes

16.07.2013, 17:11 Uhr

Der Fluch der Komplexität bei dr Bankenregulierung? Nun, unsere Politiker verstehen das schon lange nicht mehr und akzeptieren alles, was Brüssel ihnen vorgibt. Leider ist das alles auch zum Nachteil des deutschen Steuerzahlers. Dabei ist das nicht so komplex. Man muss nur überlegen, wer von dem Ganzen letztendlich profitiert. Dann lösen sich alle hochgespielten Risiken in Nichts auf und die Fakten liegen auf dem Tisch! Deutschland soll auch hier ausgenommen werden.

Account gelöscht!

16.07.2013, 18:08 Uhr

Herr Walter,

ein durchaus guter und richtiger Kommentar, allerdings laufen wir in die andere Richtung mit immer komplexeren und unüberschaubaren Regulierungen vor allem aus EU-Kreisen. Anscheinend ist das aber Absicht, um die SME aus dem Markt zu drängen.

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"Die Regulierung der Finanzbranche wächst in abenteuerliche Dimensionen. Es ist Zeit für eine Umkehr, hin zu einfacheren und leichter zu überprüfenden Regeln."

Richtig, ich hätte aber einen anderen Vorschlag, dann brauchen wir auch keinen Glass-Steagal-Act oder Basel I-III.

Die Abschaffung des Fractional Reserve Bankings, der Schaffung von Kredit aus dem Nichts und dem planwirtschaftlichem Zinsmonopol der Zentralbanken.

Dann würden reale Ersparnisse endlich wieder mit einem ordentlichen Zins gewürdigt und die Preis- und Wachstumsspirale endlich durchbrochen.

Die notwendige Bereinigungskrise hätte sich natürlich gewaschen...

Republikaner

16.07.2013, 18:21 Uhr

Fluch der Komplexität? Ich lach mich kaputt! Schauen Sie einmal genau hin, wie GS Gewinne macht.
Nur wir Deutschen neigen zu einer Art Minderwertigkeitskomplex. Alles was über Raiffeisen und Sparkasse hinausgeht ist uns suspekt.
GS wurde nicht die Banklizenz in D entzogen, obwohl sie zu einem erheblichen Teil zur damaligen Finanzkrise beigegtragen haben - das sind die Schuldigen!!!!!!!!!!!!
Aber an die traut sich halt keiner ran. Ein einmaliger Sieg des Finanz-Imperialismus!!!!

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