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09.04.2013

11:51 Uhr

Walter direkt

Die 100.000-Euro-Frage

VonHerbert Walter

Die chaotische Rettung Zyperns vor dem Finanzkollaps gaukelt Sparern eine trügerische Sicherheit ihrer Bankeinlagen in der Euro-Zone vor.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Es ist erstaunlich, welch großen Vertrauensschaden die Politik bei der Rettung eines so kleinen Landes wie Zypern anrichten kann. Zunächst schienen Bankeinlagen jeder Größe von einem Abschlag, auch Haircut genannt, bedroht. Dann doch nicht. Erst hieß es, alle Banken des Landes seien von den Rettungsmaßnahmen direkt betroffen und alle müssten Spareinlagen „wertberichtigen“. Dann wieder nicht.

Und schließlich sollten die Maßnahmen gegen die zypriotischen Kreditinstitute gar eine „Blaupause“ für künftige Bereinigungen im europäischen Bankensektor sein. Auch das wurde flugs wieder kassiert.

Die Folgen dieser Zickzack-Politik konnte man in diesen Tagen in den Medien lesen. Die Angst sei zurückgekehrt, titelten Zeitungen. Sie klagten, dass die Sparer in ganz Europa schwer verunsichert seien, und niemand vorhersagen könne, wie sich das Beispiel Zypern auf künftige Krisensituationen auswirken werde.

Das ist aus meiner Sicht heute völlig unklar. Mit der Entscheidung, Einlagen bei Banken bis 100.000 Euro von jeglicher Beteiligung bei der Sanierung von maroden Kreditinstituten in Zypern wie in der Euro-Zone insgesamt auszunehmen, haben die Politiker eine Büchse der Pandora geöffnet.

Welche Schlussfolgerungen sollen Sparer und Anleger denn ziehen, wenn nicht die: Künftig ist es, erstens,  ratsam, größere Summen so auf verschiedene Banken zu verteilen, dass die 100.000-Euro-Grenze in keinem Fall überschritten wird. Zweitens darf man sich doch ziemlich sicher fühlen, mit Beträgen unter dieser Marke in ganz Euro-Land munter auf Renditejagd gehen zu können. Beim Haircut zählt ja das Einlagevolumen je Bank und nicht das Vermögen des Kontobesitzers.  Immerhin boten zypriotische Banken Zinsen von fünf Prozent und mehr für Kundeneinlagen, das ist doch mal ein Wort gegen die Mickerzinsen, die es hier zu Lande für Einlagen gibt.

So plausibel ein solches Verhalten auf den ersten Blick auch sein mag, es hat doch seine Tücken. Da ist zunächst mal die Tatsache, dass es für die Behandlung der zypriotischen Banken in der EU bisher keine Rechtsgrundlage gibt. Weder gibt es verbindliche Regeln für die Abwicklung von Kreditinstituten in der EU, noch gibt es solche für die Einlagensicherung, eben die vielzitierte 100.000-Euro-Garantie.

Was wäre denn, wenn der nächste größere Krisenfall hochpoppt bevor die EU-Finanzminster entsprechende Regelungen verabschiedet haben? Könnte man sich darauf verlassen, dass es dann bei der ursprünglichen Garantie bleibt?

Kommentare (6)

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ArthurDent

09.04.2013, 12:10 Uhr

Im Fall, das die 100.000,- Garantie gezogen werden muss, rettet der Steuerzahler sich ja nur selber, falls tatsächlich der Staat einspringen.

Daran kann ich nichts unfaires finden.

Account gelöscht!

09.04.2013, 12:15 Uhr

Die Garantie wird noch mehr zur lukrativen 100 000,-Euroanlage, wenn die SPD und Grünen nach einer erfolgreichen Bundestagswahl eine europaweite Haftungsübernahme einführen wollen und die deutschen Sparer für die hochverzinslichen Tagesgelder in Südeuropa mit haften dürfen.

keeper

09.04.2013, 12:19 Uhr

"Bei dieser Konstellation ist mir schleierhaft, woher das Geld kommen soll"

- immer direkter von Draghi & der EZB ?

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