Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.03.2012

12:07 Uhr

Walter direkt

Die Chance für den Neuanfang nutzen

VonHerbert Walter

Die europäische Regulierung der Anlageberatung muss durch eigene Reformen der Finanzindustrie ergänzt werden. Staatliche Auflagen und Verbote allein schaffen kein Vertrauen.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Im Herbst soll alles besser werden. Dann nämlich will die Europäische Kommission die neue Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente namens MIFID II vorlegen.  Das große Ziel dieser Richtlinie ist es, den Anlegerschutz deutlich zu stärken. Die Mittel dazu sind Verfügungen, Auflagen und Verbote – so wie der Staat in das Wirtschaftsgeschehen eben eingreift. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der heute üblichen Anlageberatung der Banken gegen Provision.

Stattdessen soll in ganz Europa die Beratung gegen Honorar zum Markenzeichen einer unabhängigen Anlageberatung werden. Auf diesem Wege will die EU-Kommission den Verkaufsdruck vermeiden, der durch die Provisionierung ausgelöst wird. Der führe dazu, dass der Berater in seinem Geschäft weniger im Interesse des Kunden, sondern vor allem im Interesse des Produzenten beziehungsweise im eigenen Interesse handele.

In dieser Hinsicht hat es in der Tat in der Vergangenheit spektakuläre Beispiele für eine grobe Falschberatung gegeben. Deshalb sollten die auf die Banken und Anlageberater zukommenden neuen Regulierungen als Chance für einen wirklichen Neuanfang im Anlagegeschäft verstanden und genutzt werden. Denn auch das muss klar gesagt werden: Die Regulierung allein wird das Vertrauen in die Anlageberatung und in die Finanzindustrie nicht  so steigern wie es notwendig wäre.

Das leitet sich schon aus der Tatsache ab, dass die Art der Entlohnung des Finanzberaters allein nichts über die Beratungsqualität aussagt. Eine Provisionsberatung ist nicht per se schlecht und eine Honorarberatung nicht automatisch gut und frei von Interessenkonflikten ist letztere auch nicht immer. Zum Beispiel bei Beratung zu fixen Stundensätzen oder Abrechnung nach Depotvolumen lohnt es sich für den Berater, viel Zeit aufzuwenden und möglichst reiche Kunden zu bedienen. Auch das ist ein Interessenkonflikt, nur anders gelagert. Um eine bessere Beratungsqualität zu bekommen, darf man sich also nicht nur auf die Vergütung konzentrieren.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

klausexBanker

06.03.2012, 18:24 Uhr

Hätte Dr. Walter nur einen Teil seines profunden Wissens bei der Dresdner Bank gelebt, gäbe es dieses Institut noch.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×