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21.08.2012

09:19 Uhr

Walter direkt

Die heimlichen Reichen

VonHerbert Walter

Pensionen von Politikern und Staatsdienern werden in keiner Bilanz oder Vermögensstatistik erfasst. Deshalb spielen sie, obwohl oft millionenschwer, bei der geplanten Reichensteuer auch keine Rolle. Das ist nicht fair.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

„Diejenigen sollen für die Krise zahlen, die es sich am ehesten leisten können“, begründete Verdi-Chef Frank Bsirske sein Engagement für eine höhere Besteuerung der reichen Deutschen. Allen voran Siegmar Gabriel von der SPD und andere grüne oder linke Politiker stimmten flugs ins gleiche Horn.

Seitdem geht es hoch her, dabei aber weniger um die Frage, ob das Ganze eine Schnapsidee ist oder nicht, sondern darum, wie man am Besten den reichen Deutschen ins Portemonnaie greifen könne: Jedem, der mehr als 250.000 oder eine Million Euro in der Tasche hat, einmalig oder über zehn  Jahre verteilt, über Steuern oder über Abgaben und so weiter. Genaueres sollen wir im Herbst dieses Jahres erfahren.

In einem Punkt sind sich Politiker und Gewerkschafter aber jetzt schon einig: Die wie auch immer geartete Reichensteuer soll aus dem auf insgesamt über neun Billionen Euro geschätzten Privatvermögen der Deutschen abgezweigt werden. Dieses Vermögen besteht etwa zur Hälfte aus Immobilienbesitz und zu anderen Hälfte aus Geldvermögen.

Laut amtlicher Statistik ist das Vermögen der deutschen Millionäre in den vergangenen sechs Jahren im Schnitt um nominal knapp zwei Prozent jährlich auf 2,18 Billionen Euro in 2011 gewachsen. Lassen wir mal die 10.000 bis 20.000 superreichen Deutschen außen vor, so hat vermutlich eine Mehrheit der restlichen rund 800.000 deutschen Vermögensmillionäre im Laufe des Berufslebens vorrangig für das Alter vorgesorgt.

Der wichtigste Grund für die eher magere Vermögensentwicklung wird mit dem Begriff „finanzielle Repression“ beschrieben. Die Politik der Notenbanken, mit Zinsen nahe Null und faktisch unbegrenzter Liquiditätsversorgung führt dazu, dass die Renditen für risikoarme Anlagen wie etwa Staatsanleihen unter den Inflationsraten liegen. Dadurch sinkt einerseits über einen längeren Zeitraum die Schuldenlast der Regierungen, andererseits sind Anleger, die keine großen Risiken eingehen wollen, in realer Rechnung am Jahresende ärmer als zwölf Monate zuvor.

Kommentare (41)

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Kapturak

21.08.2012, 09:40 Uhr


Wenn jemand zwei Millionen Euro besitzt, wird man ihn als "reich" einstufen. Er ist Ziel des bösenartigen Sozialneids der Politiker. Ein höherer Beamter dagegen, der EUR 60.000 im Jahr verdient und unkündbar und pensionsberichtigt ist, wird sich eher zu den "armen" zählen.

Johannes

21.08.2012, 09:43 Uhr

Hat der Autor nicht vergessen, dass die Beamten und Politikerpensionen seit Jahrzehnten in voller Höhe besteuert werden?

Hat der Autor nicht weiter vergessen, dass die zukünftigen Renten der anderen nichtselbstständigen Arbeitnehmer, nicht auch "nur" Ansprüche sind, die noch erwirtschaftet werden müssen.

Hat der Autor nicht auch vergessen, dass Pensions - und Rentenansprüche gekürzt werden können (und wohl müssen!).

Der Autor hat leider vieles vergessen, nur leider nicht die althergebrachte Neiddebatte um Beamten- und Politikerpensionen - wieder einmal - anzufachen.

KlausSapprich

21.08.2012, 09:48 Uhr

Da wird sich auch nichts ändern. Wir leben ja schon unter einer "Diktatur der Verwaltung", und die Begünstigten werden alles daran setzen, daß das so bleibt....parteiübergreifend natürlich.

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