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24.01.2012

09:11 Uhr

Walter direkt

Die Mär vom Krisengewinnler

VonHerbert Walter

Die überschuldeten Euro-Staaten fordern von Deutschland immer mehr Unterstützung bei der Lösung der Schuldenkrise. Das ist der falsche Weg.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Das Gerangel der Politiker über Deutschlands Beitrag zur Lösung der Schuldenkrise erinnert mich an meine Schulzeit. Der Klassenbeste war ein „Streber“, allgemein wenig beliebt und beim Fußball musste er immer ins Tor. Genau in diese Rolle ist Deutschland gekommen.

Wenig beliebt in der Euro-Zone, beneidet ob seiner wirtschaftlichen Stärke und aktuell mit der Forderung des Wortführers Mario Monti konfrontiert, Deutschland möge doch den Zinsvorteil bei der Schuldenaufnahme mit den anderen teilen.  Der Klassenbeste ist für ihn ein „Krisengewinnler“ und für die Klasse, die Gemeinschaft der überschuldeten Euro-Staaten, verlangt er mehr finanzielles Engagement. Das sei nur recht und billig.

So ungerecht damals so mancher vermeintliche „Streber“ von seinen Mitschülern behandelt wurde, so fragwürdig sind aus marktwirtschaftlicher Sicht auch die Begehren der Schuldnerstaaten, ihre Zinslasten auf Kosten anderer zu reduzieren.

Richtig ist, diese Staaten brauchen Zeit, um ihre aus den Fugen geratene Finanzlage zu ordnen und sie benötigen dafür die Hilfe der stärkeren Euro-Staaten. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Aber ist Deutschland wirklich ein „Krisengewinnler“ oder der größte Profiteur des Euros? Da kann man durchaus seine Zweifel haben.

Die Konjunktursperspektiven für Deutschland wie für die Euro-Zone insgesamt sind alles andere als rosig. Der wichtigste Grund dafür sind die schwachen Volkswirtschaften in den überschuldeten Staaten. Der vermeintliche Gewinner schrumpft so zu einem, der möglicherweise weniger Verluste hinnehmen muss als andere. Er ist also bestenfalls der Einäugige unter Blinden und nicht ein strahlender Profiteur der Krise.

Dafür gibt es einen weiteren Grund: So wie der Warenaustausch zwischen den Euro-Staaten heute läuft, exportiert Deutschland nicht nur Produkte in die Partnerländer, sondern es liefert auch die Finanzierung über das sogenannte Target-System der Europäischen Zentralbank (EZB) gleich mit. Konkret heißt das, Deutschland exportiert in die überschuldeten Eurostaaten und die Bundesbank bekommt dafür eine Forderung gegen die EZB. Ob diese Target-Kredite je einmal getilgt werden, ist fraglich.

Kommentare (51)

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Account gelöscht!

24.01.2012, 09:46 Uhr

danke für solch eine nüchterne (nicht wieder politisch doktrinierte) Betrachtung der Situation.
Deutschland steht mit dem Euro recht gut dar, weil es eine solide Wirtschaft hat, mit der wir auch zu DM sehr gut gefahren sind.

wenn jemand 20 Stunden die Woche zur Arbeit geht, weiter auf Pump lebt und dann die Leute als "Systemgewinner" bezeichnet die 50 Stunden die Woche arbeiten und noch solide haushaltet, muss man fragen ob diese Haltung dann gerechtfertigt ist

RD1

24.01.2012, 09:51 Uhr

Das verschwiegene rettungspaket von Herbert Walter 20.12.2011:
"Mit 450 Milliarden Euro finanziert die Bundesbank die hochverschuldeten Euro-Staaten. Es ist ein Skandal, dass kein Politiker und kein europäischer Währungshüter über dieses Thema öffentlich sprechen will"
Falsch:
Blättern Sie mal im Archiv des Handelsblatts. Dort werden Sie die Äußerung des früheren EZB-Bankers Stark zu den Targetsalden finden:
"Man solle die Targetsalden nicht so nationalistisch sehen"
Das sagt doch alles oder ?

Account gelöscht!

24.01.2012, 09:59 Uhr

Ein Banker schreit nach Markt und Wettbewerb!? Wie armselig und erbärmlich ist das denn? Einer der Menschen die nicht nur unsere Wirtschaftsordnung sondern, wenn es dumm läuft, auch noch Demokratie und damit verbunden Freiheit auf dem Gewissen haben hat immer noch die Dreistigkeit uns etwas von Markt und Wettbewerb zu erzählen ... wann hört das endlich auf???

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