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15.01.2013

13:13 Uhr

Walter direkt

Die schwarze Wolke wegschieben!

VonHerbert Walter

Politik und Wirtschaft müssen einen neuen Gesellschaftsvertrag ausarbeiten, um dem demografischen Wandel in Deutschland Angst und Schrecken zu nehmen. Den Kopf in den Sand zu stecken, wäre grundfalsch.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Der vielzitierte demografische Wandel scheint sich wie die größte aller denkbaren schwarzen Wolken über uns zusammenzubrauen und führt bei vielen Menschen zu fast panischen Reaktionen. Statt dass wir uns darüber freuen, länger zu leben und länger fit zu sein als frühere Generationen, grassiert Zukunftsangst.

Manche sagen das Ende des Sozialstaats, ja sogar unserer Kultur voraus und wegen der als unvermeidlich angesehenen Entwicklung macht sich allenthalben Fatalismus breit. Aber ist das der richtige Weg, vor den unzweifelhaft auf uns zukommenden Problemen, den Kopf in den Sand zu stecken? Und: Können wir Sicherheit und Kontinuität unseres Wohlfahrtsstaates einklagen und uns gleichzeitig nach Kräften gegen Veränderungen sträuben?

Ich bin sicher, beides ist grundfalsch. Zugegeben, Politik, Wirtschaft und die Gesellschaft als Ganzes stehen mit dem sich abzeichnenden demografischen Wandel in Form von Bevölkerungsrückgang und Alterung vor einer riesigen Aufgabe. Wenn wir diese Herausforderung nicht annehmen, dann allerdings ist abzusehen, dass die staatliche Versorgungs- und Vorsorgemaschinerie in absehbarer Zeit nicht mehr geräuschlos und flächendeckend funktionieren wird.

Um das zu vermeiden, muss letztlich nicht weniger als ein neuer Gesellschaftsvertrag auf demokratischem Wege ausgehandelt werden. Der muss den jetzt lebenden Menschen unabhängig von ihrem Alter, ihrem Geschlecht und ihrem Status eine soziale und wirtschaftliche Einbindung in die Gesellschaft erlauben und er darf nicht die Lebenschancen zukünftiger Generationen bedrohen.

In den vergangenen Jahrzehnten haben wir den Ausbau des Wohlfahrtsstaates durch Umverteilung des Wirtschaftswachstums ermöglicht. Auf diesem Wege profitierten breite Bevölkerungsschichten vom zunehmenden Wohlstand. Das aber wird in einer schrumpfenden Bevölkerung schwieriger, weil unter dieser Restriktion Wirtschaftswachstum kaum denkbar ist. Das heißt, der Verteilungsspielraum - die Summe der produzierten Produkte und Dienstleistungen – wird kleiner und die Verteilungskonflikte werden größer.

Kommentare (9)

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R.Rath

15.01.2013, 14:11 Uhr

Alles schön und gut, wenn man Schadensbegrenzung treiben will.
Der Grundschaden, der darin besteht, dass zu wenig Kinder geboren werden, wird dadurch nicht geheilt.
Die Geburtsrate, die in Deutschland nach wie vor bei 1,3 Kindern liegt, ist ins Verhältnis zu anderen europäischen Ländern (Ausnahme Italien) gesetzt, schlicht katastrophal niedrig und führt dazu, dass sich dieses Land tatsächlich auf etwas längere Sicht faktisch "abschafft", mit allen daraus erwachsenen Konsequenzen.
Es isr also Aufgabe der Politik durch Setzung entsprechender Rahmenbedingungen und Anreitze die Geburtsrate entscheidend zu heben, sonst sind die Vorschläge von Herrn Walter bestensfalls gut gemeint aber nicht geeignet im "Grundsatz" und das sind geborene Kinder, etwas zu bessern.

Maikel

15.01.2013, 16:32 Uhr

Voraussetzung für einen neuen Generationenvertrag wäre, erstmal die aktuellen Zusammenhänge richtig zu verstehen:

Unsere "Staatsverschuldung" steht einem solchen Vertrag nicht entgegen, sondern sie ist ein aktives Element der aktuellen Version dieses "Vertrages".

Unsere "Staatsschulden" sind auf der anderen Seite Guthaben; bei Privatleuten, aber auch bei Banken und Versicherungen, bei denen die "kleinen Leute" fürs Alter vorsorgen.

Man könnte den "Staat" in dieser Hinsicht auch als Altersvorsorgekasse sehen, bei der die Bürger einzahlen, tlw. indirekt über Versicherungen, und damit Ansprüche an spätere Rückzahlung erwerben. Diese Rückzahlungsansprüche werden fatalerweise als "Schulden" betrachtet.

Deutschland insgesamt steht gut da, mit einem satten Überschuß in der Leistungsbilanz und noch satterem Auslandsvermögen; diese Bilanzen beinhalten jeweils die "Staatsschulden".

Ueberbevoelkerung_in_D

15.01.2013, 16:34 Uhr

Es leben sowieso viel zu viele Menschen in Deutschland!
Warum lässt man die Gesamtbevölkerung sich nicht durch natürliches Ableben der Alten und nicht-wieder-auffüllen durch Ausländer reduzieren? Damit wäre die Überbevölkerung Deutschlands gestoppt und rückläufig. Einfach mal in die anderen europäsichen Staaten und die skandinavischen Länder schauen. Dort leben umgerechnet auf die zur Verfügung stehende Landfläche, viel weniger Menschen als in Deutschland.

Schweden: 21 Einwohner pro km², Norwegen 13 Einwohner pro km², Finnland 15,97 Einwohner pro km², Frankreich 97 Einwohner pro km², Spanien 94 Einwohner pro km².
Dagegen Deutschland: 229 Einwohner pro km², wird eigentlich nur noch von den Niederländern getoppt 402 Einwohner pro km². Aber gewissermaßen sind die Niederlande flächenmäßig ein eher kleines Land.

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