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08.05.2012

09:46 Uhr

Walter direkt

Doing Business?

VonHerbert Walter

Der Weltbank-Index zeigt es: Die miesen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft behindern Geschäft und Wachstum in Griechenland und Italien. Das schadet nicht nur den Ländern selbst, sondern gefährdet die Euro-Zone.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Mit ziemlicher Sicherheit würde jedem empfohlen, sich zum Psychiater zu begeben, der sich auch nur zaghaft dafür ausspräche, dass Deutschland doch einmal überlegen solle, ob es nicht mit Puerto Rico, Ruanda, der Mongolei, Jamaika, dem Jemen und Papua Neu Guinea eine Währungsunion gründen wolle.

In der Tat wäre das der totale Irrsinn. Doch einmal abgesehen von der geografischen Distanz und den gesellschaftlich-kulturellen Unterschieden zwischen all diesen Ländern, sind diese sechs Staaten die unmittelbaren Nachbarn von Spanien, Italien und Griechenland im aktuellen Doing-Business-Index der Weltbank.

Zusammen mit der International Finance Corporation (IFC) misst und vergleicht die Weltbank anhand von elf Themenkomplexen seit neun Jahren die wirtschaftlichen Standortqualitäten in 183 Ländern. Sie untersucht, wie staatliche Behörden und Regulierungen das Geschäftemachen leicht oder eben auch schwer machen. Da geht es etwa darum, wie schnell und mit welchen Kosten Unternehmensgründungen gemacht werden können, inwieweit Rechtssicherheit bei Investitionen besteht, oder ob ein Unternehmen seine Ansprüche gegen dem Staat oder gegenüber inländischen Geschäftspartnern geltend machen kann oder nicht.

Erstaunliches kann man diesen Untersuchungen entnehmen, etwa, dass es in Italien im Schnitt mehr als drei Jahre dauert, bis ein Gericht über geltend gemachte Ansprüche eines Unternehmens entschieden hat. Auch dass man dort ohne Schmiergeldzahlungen mehr als ein halbes Jahr auf einen Stromanschluss warten muss, macht nicht gerade Mut, in Italien zu investieren. Derlei Aufzählungen lassen sich für viele Länder nahezu beliebig erweitern und sind ein wahrer Anlass für blasses Erstaunen – und sie bringen diese Länder zwangsläufig ins Hintertreffen gegenüber denjenigen Staaten, die den Standortwettbewerb annehmen und handeln.

Schaut man nun in die aktuelle Doing-Business-Rangliste der Weltbank, dann ergibt sich für die Euro-Zone ein erschreckendes Bild. Griechenland und Italien sind mit großem Abstand die Euro-Zonen-Schlusslichter auf den Plätzen  100 und 87. Irland, Finnland und Deutschland liegen in der Euro-Zone vorn auf den Plätzen 10, 11 und 19, die anderen Euro-Länder rangieren dazwischen.

Kommentare (1)

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10.05.2012, 22:30 Uhr

Das Ergebnis dieser Untersuchung der Weltbank ist für einige Staaten Europas meiner Ansicht nach beschämend ! Ist es den Politikern dort nicht klar, dass es absoult notwendig ist, die Standortqualitäten zu verbessern anstatt über kreditfinanziertes Wachstum zu diskutieren ?! Sollte sich diese Ansicht nicht durchsetzen, so sehe Ich das Ende der Euro-Zone sehr nah. Staaten wie Spanien, Griechenland etc. werden es sich dann nicht leisten können einen "relativ" hohen Wechselkurs zu haben, während Deutschland über Jahre hinweg von diesem massiv profitiert. Eine Anpassung der Wettbewerbsfähigkeit über eine deflationäre Spirale bleibt bei der Konstruktion der EU mit hoher Wahrscheinlichkeit das einzige Mittel dazu. Dies wird vielen Ländern und vor allem der in diesen Ländern lebenden Menschen allerdings zu "hart" seien, weswegen derartige Versuche wahrscheinlich oftmals in einer politischen Radikalisierung enden werden (siehe Ausgang der Wahl in Griechenland) !

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