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22.01.2013

10:08 Uhr

Walter direkt

Eigenes Heim, Glück allein?

VonHerbert Walter

Der Bevölkerungsschwund vor allem im ländlichen Raum setzt ein großes Fragezeichen hinter das liebste Vorsorgeobjekt  der Deutschen – die eigene Immobilie.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Es ist eine fast banale Erkenntnis, dass elementare Veränderungen das Verhalten der Menschen beeinflussen, weil sie darauf reagieren. Wäre das nicht so, würde es uns schon lange nicht mehr geben. Genauso gehört es aber auch zum Menschen, dass er unangenehme Dinge gern auf die „lange Bank“ schiebt.

Wer jung ist, denkt halt weniger ans Alter. Was morgen ist, ist viel wichtiger als etwas, das in dreißig oder vierzig Jahren auf uns zukommt. Ein markantes Beispiel dafür ist die private Altersvorsorge junger Menschen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Die jüngere Generation kümmert sich immer weniger um eine private Vorsorge und die demografische Entwicklung wird unsere Gesellschaft stärker verändern, als wir es heute wahrhaben wollen.

Wenn wir Eines schon heute wissen, dann dies: Wir Deutsche werden immer weniger. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2050 vermutlich nur noch 65 Millionen bis 70 Millionen Menschen in Deutschland leben werden. Das wären zwischen 17 Millionen und 12 Millionen Menschen weniger als heute.

Diese Größenordnungen muss man sich einmal vorstellen: Gut 17 Millionen Menschen leben aktuell in Nordrhein-Westfalen. Rund zwölf Millionen Menschen leben derzeit in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Schleswig-Holstein und dem Saarland. Diese Gebiete menschenleer? Unvorstellbar.

So wird es auch nicht kommen, aber vor allem in ländlichen Gebieten werden immer weniger Menschen leben. Daran wird kein Weg vorbeiführen, denn der Bevölkerungsschwund wird verstärkt durch den gleichzeitigen Trend zur Verstädterung des Lebens.  Das heißt, Menschen ziehen von einer ländlichen Umgebung in ein städtisches Umfeld. 

Das stellt unseren Sozialstaat, der ja grundgesetzlich zur Gleichheit der Lebensverhältnisse verpflichtet ist, vor gewaltige Probleme. Wie im ländlichen Raum die öffentliche Infrastruktur aufrecht erhalten, wenn dort nur noch wenige Menschen leben? Das geflügelte Wort „erst hielt ein Bus, dann fuhr er durch, jetzt kommt er gar nicht mehr“, wird dann für viele Gegenden zur Realität.

Kommentare (14)

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mandrose

22.01.2013, 10:49 Uhr

prognosen für die zukunft zu machen ist immer schwierig. ich denke, egal was man macht, es ist nicht das richtige.
kauft man eine immobilie kann sie in zukunft nichts mehr wert sein, weil die lage nicht mehr das ist was sie war, oder alle auf den land weggezogen sind (beispiele gibt es dafür viele)
legt man in anderen anlagen an (beteiligungen, aktien, versicherungen, etc) können diese auch nichts mehr wert sein...

also: was tun? ich denke mir: nicht verrückt machen lassen... immer daran denken wessen interessen vertreten werden sollen, wenn man soetwas liest.. alternativen sind in diesen artikel auch nicht aufgezeigt worden, weil es wahrscheinlich keine gibt (mir fällt jedenfalls keine ein)

Account gelöscht!

22.01.2013, 11:03 Uhr

Na, Herr Walter, die schiere Masse soll also "Glück allein" sein? Hatte D nicht seine Blüte, als sich gerade NICHT so viele Individuen auf engstem Raum drängten? Ist es ein Naturgesetz, daß eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Erde unbedingt 83 Mio. Bewohner haben muß? Wo ist das Unglück, wenn einige der Natur abgerungenen Flächen wieder an selbige zurückfallen?

Ausgerechnet in einer Zeit, in der der technologische Fortschritt die menschliche Arbeitskraft aus dem Produktionsprozeß wegrationalisiert, sollen noch mehr Anbieter von Arbeitskraft auf den Markt? Schon heute reichen 20% der arbeitsfähigen Bevölkerung aus, um die erforderlichen Dienstleistungen zu erbringen und die benötigten Waren für alle herzustellen. Was soll der Rest machen? Derzeit werden immer mehr in nicht wertschöpfenden Bereichen endgelagert und gehen uns als Behördeninsassen, als Politiker oder als Berater auf den Zeiger. Für immer mehr der heute und später Geborenen wird über deren gesamte Lebensspanne keine Arbeit zur Verfügung stehen. Die müssen dann zusätzlich zu den Alten und Kranken alimentiert werden. Was für eine goldige Zukunftsaussicht....

mandrose

22.01.2013, 11:07 Uhr

..wobei man den begriff wertschöpfung in zukunft eh neu definieren muß, wie sie bereits in ihren kommentar schrieben, das die produktivität immer höher wird und weniger menschen für den eigentlichen produktionsprozess gebraucht werden. auf diese fragen finden die "spitzen-ökonomen" keine antwort, dabei ist diese systemrelevant

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