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04.06.2013

12:43 Uhr

Walter direkt

Ein schicksalhafter Konflikt

VonHerbert Walter

Die Europäische Zentralbank setzt als Währungshüter und Bankenaufseher zugleich ihre eigene Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Das kann der Stabilität des Euros auch auf kurze Sicht nur schaden.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Glaubt man Politikern und Kommentatoren, dann war die Entscheidung, dass künftig die Europäische Zentralbank (EZB) die großen Banken in der Eurozone beaufsichtigen soll, „der erste und leichteste Schritt in Richtung einer europäischen Bankenunion“.

Wenn das mal so wäre. Der erste Schritt war es sicherlich. Aber leicht? So schnell kann man das monatelange politische Gezerre um eine europäische Bankenaufsicht doch gar nicht vergessen haben, auch nicht, dass noch längst nicht alle Details in trockenen Tüchern sind. Und was droht uns bei den weiteren Vorhaben in Sachen Bankenunion, wenn Fachleute wie der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes (BdB), Michael Kemmer, schon bei der angeblich leichtesten aller Aufgaben von einer „Krückenlösung“ sprechen und einer EZB-Bankenaufsicht nur eine geringe Halbwertszeit attestieren?

Da kann einem schon schaudern, und es drängt sich die Frage auf, ob wir denn eine europäische Bankenunion wollen, die sich nur mit Krücken, Rollatoren oder anderen Hilfsmitteln in Bewegung setzen kann.

Wie kompliziert die Gemengelage tatsächlich ist, zeigt ein Beispiel ganz deutlich: Es ist eigentlich selbstverständlich, dass die EZB vor der Übernahme der neuen Aufgabe im März nächsten Jahres wissen möchte, wie es um die Qualität der Forderungen in den Bilanzen der künftig von ihr zu beaufsichtigenden Banken steht. Deshalb hat sie eine neue Art von Stresstest angekündigt, dessen Ergebnisse noch vor ihrem Amtsantritt als Bankenaufseher im März 2014 veröffentlicht werden sollen.

Dahinter steht wohl auch die Vermutung, dass es bei den Großbanken der Eurozone nicht viel anders zugehen könnte, als bei der Konkurrenz in den USA, Großbritannien und Irland. Dort hat sich aktuell gezeigt, dass es zwischen Banken und ihren Aufsehern doch beachtliche Unterschiede beim Umfang der jeweils als notwendig erachteten Risikosorge gibt. Kurz, Banken meinen ausreichend vorzusorgen, die Aufseher sehen dagegen einen zusätzlichen Vorsorgebedarf, der bei einzelnen Instituten einen deutlich zweistelligen Milliardenbereich ausmacht.

Wer sich nur einmal die Bilanzen von einigen Banken in den europäischen Problemländern anschaut, der weiß, worum es dabei geht. Die Aktivseite hat sich dort vollgesogen mit Forderungen gegen den eigenen Staat und die Immobilienwirtschaft, letzteres insbesondere in Spanien. Aber wie werthaltig sind diese Forderungen, wenn man weiß, dass die Staatsschulden seit Ausbruch der Krise nicht kleiner, sondern noch größer geworden sind? Wie werthaltig sind Immobilienkredite für Wohnhäuser, die seit Jahren leer stehen, verkommen oder von Hausbesetzern gestürmt wurden?

Kommentare (4)

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Dissident

04.06.2013, 13:03 Uhr

Eichelgreen hat es doch festgestellt: "Ohne das Geld der Deutschen geht es nicht!"

Das reicht mir. Und sagt einfach alles! Die deutschen Politiker täuschen und tricksen nur. Das Volk interessiert sich für Fußball, Pornos und DSDS - und zwischendurch für Aktuelles. Z.B. das Hochwasser und den Wetterbericht. Was die Bankenunion für das Vermögen der Deutschen bedeutet, kann man allerdings an vielen Stellen im Internet nachlesen. Natürlich nicht in Ollis Handels-Prawda...

Simplythebest

04.06.2013, 16:51 Uhr

Wäre es nicht ein leichtes die Staatsanleihen, die diese Banken halten einfach zu löschen gegen die getätigten Stützungsbuchungen der EZB? Plant Draghi da ein Nullsummenspiel, um den (Pseudo-)Cashbestand in der EU zu senken? Damit würden nicht nur die Sparer, sondern auch die Bankanleger enteignet, eine ganz besondere "Spekulationssteuer" könnte man das nennen.

Account gelöscht!

04.06.2013, 17:55 Uhr

Eine ebenfalls europäische Institution (wie die EZB es ist) würde sich meiner Ansicht nach deutlich besser zur Überwachung der Banken eignen. Es macht keinen Sinn, einer Institution die bei dieser Aufgabe von vornherein zum Scheitern verurteil ist, diese Aufgabe zu übertragen.

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