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20.03.2012

09:06 Uhr

Walter direkt

Einfach ist blöd

VonHerbert Walter

Die einst unkomplizierten ETFs sind heute oft hochkomplexe und für Privatanleger zumeist undurchschaubare Produkte. Die Warnungen der britischen Finanzaufsicht FSA treffen auf den Punkt

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Ursprünglich war es eine simple Idee, die private Anleger davon überzeugen sollte, dass man auch ohne exzellentes Börsenwissen mit Aktien Geld verdienen kann. Gemeint sind die in der ersten Hälfte der 90er-Jahre zuerst in den USA auf den Markt gebrachten Exchange-Traded-Funds, kurz ETF genannt, die auch rasch ihren Weg nach Europa fanden.

Die hatten viele Vorteile: ETFs waren ein einfaches Produkt, sie bildeten stur einen einzelnen Index ab und überließen die Performance dem Gesamtmarkt. Sie waren ein transparentes Produkt, bei dem klar war, was drauf steht und drin ist – eben die Aktien eines bestimmten Index entsprechend deren Gewichtung im Index selbst. Sie galten als sichere Anlage, weil sie wie jeder andere Publikumsfonds ein Sondervermögen waren, das selbst bei einer Pleite des Fondsverwalters ausgezahlt wurde. Sie waren zudem eine kostengünstige Alternative für aktiv gemanagte Fonds, weil die Gebühren nur zwischen 0,15 und 0,7 Prozent des angelegten Volumens ausmachten. Und: Sie überzeugten indirekt auch dadurch, dass nur eine kleine Minderheit der aktiv gemanagten Aktienfonds regelmäßig besser abschneidet als der Gesamtmarkt. Anleger, was willst du mehr?

Innerhalb von weniger als 20 Jahren ist aus der simplen Idee ein weltweiter Markt mit einem gigantischen Volumen von rund 1500 Milliarden Dollar geworden. In den USA sind es vor allem Privatanleger, die sich auf diesem Markt tummeln, in Europa überwiegen die institutionellen Investoren. Noch, muss man sagen, denn das soll sich nach dem Willen der europäischen ETF-Emittenten ändern. Sie werben verstärkt bei Privatanlegern mit den gewohnten Botschaften: einfach, sicher, transparent und kostengünstig.

Wenn es doch nur so wäre. Frei nach dem Motto „einfach ist blöd und bringt kein Geld“ hat sich insbesondere in Europa aus einem einzigen Produkt, eine nahezu unüberschaubare und hochkomplexe Produktfamilie entwickelt. Genau das hat jetzt die britische Finanzaufsicht FSA ungewöhnlich scharf kritisiert. Die Finanzindustrie zerstöre Vertrauen, weil sie Privatanlegern komplexe und teure Produkte verkaufe und diese zudem mit „rosigen Renditeerwartungen“ ködere.

Kommentare (5)

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HansWamst

20.03.2012, 10:06 Uhr

Fairerweise muss man sagen, dass das Verleihen der Aktien von quasi allen (auch aktiven Fonds) gemacht wird und deshalb kein besonderes ETF-Risiko darstellt. Gut - das macht es auch nicht besser, aber es ist immerhin kein Grund ETFs abzulehnen.

LF1

20.03.2012, 10:09 Uhr

Ein bisserl Sachkenntnis wäre schon hilfreich, Herr Walter. Pauschale Kritikpunkte, die auf Halb-Unwissen aufbauen, lassen sich natürlich viel besser zu einer Kolumne zusammenbasteln.

koc

20.03.2012, 11:03 Uhr

Hier geht es wie so oft um Komplexität und mangelnde Transparenz: wenn man den Kunden mit Informationen zu Kontrahenten, vereinnahmten Leihgebühren und Art / Bewertung von Sicherheiten versorgt überfordert man den Großteil der Anleger. Leider kann man aber ohne diese Informationen nicht wirklich fundiert entscheiden.

Vielleicht wäre es einfach besser eine Reihe von "basic" Produkten anzubieten, die plain vanilla sind. Eben ohne kleingedrucktes und Fallstricke - völlig irrespektive der Tatsache, dass die Risiken vielleicht aus Sicht der Fachleute mitigiert oder mitigierbar sind.

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