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11.12.2012

16:13 Uhr

Walter direkt

Englands riskante Krisenpolitik

VonHerbert Walter

Großbritannien setzt bei der Bewältigung der Krise auf seinen Finanzplatz. Der Erfolg ist jedoch ausgesprochen mager. Auf vielen Feldern sind die Euro-Krisenstaaten weiter.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Es ist bemerkenswert, wie es dem britischen Regierungschef David Cameron gelingt, mit dem Finger auf die Malaise der Euro-Zone zu zeigen und er es dabei schafft, dass über die Schwierigkeiten seines Landes hier zu Lande relativ wenig diskutiert wird.  Dabei gäbe es dazu wirklich etwas zu sagen, schon deswegen, weil die Stabilisierungsbemühungen in Großbritannien so ganz anders geartet sind als in der Euro-Zone.

Schwerpunkte der Krisenpolitik in der Euro-Zone sind die von den Angelsachsen häufig kritisierten Konsolidierungsanstrengungen der Regierungen, um die überbordende Schuldenlast der öffentlichen Haushalte in den Griff zu bekommen und Maßnahmen, die die Wettbewerbsfähigkeit der Krisenländer verbessern. Auch wenn es manche Euro-Kritiker nicht wahr haben wollen, dabei zeigen sich schon durchaus beeindruckende Erfolge.

Erstens: Die Haushaltsdefizite in den Ländern der Euro-Zone werden im Zeitraum 2009 bis 2013 spürbar schrumpfen. Griechenland wird dann den Haushaltssaldo geviertelt, Italien gedrittelt und Spanien halbiert haben. In Großbritannien wird das öffentliche Defizit im gleichen Zeitraum dagegen nicht einmal um 20 Prozent kleiner werden. Für 2013 wird in Großbritannien mit einem Haushaltsdefizit von mehr als sieben Prozent gerechnet, das ist dreimal soviel wie im Durchschnitt der Euro-Zone.

Zweitens: Die Leistungsbilanzen in den Krisenländern der Euro-Zone haben sich im gleichen Zeitraum erstaunlich verbessert – ein untrügbares Zeichen für die Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft. Irland (2012) und Spanien (2013) werden sogar Überschüsse erwirtschaften. In Großbritannien dagegen wird eher mit einer Zunahme des Defizits gerechnet. Das heißt nichts anderes, dass trotz historisch niedriger Zinsen und einer vergleichsweise milden Unternehmensbesteuerung sich die Wettbewerbsfähigkeit der britischen Industrie nicht verbessert hat.

Drittens: Klar ist, dass unter den öffentlichen Sparanstrengungen und den Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit das Wirtschaftswachstum in den Krisenländern auf der Strecke bleibt. Wer aber nun meint, dass wenigstens in diesem Punkt die britische Politik glänzen kann, wird enttäuscht. Seit 2010 ist das Wirtschaftswachstum auf der Insel von 1,8 Prozent auf voraussichtlich schlappe 0,4 Prozent in diesem Jahr gesunken und ob es im nächsten Jahr besser wird, sehen britische Analysten ausgesprochen skeptisch.

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